Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
15.05.2020

Coronavirus befällt Herz, Gehirn, Leber und Nieren

Das Coronavirus (SARS-CoV-2) befällt neben der Lunge zahlreiche andere Organe und Organsysteme wie Herz, Gehirn, Leber und Nieren. Das fanden Wissenschaftler des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) heraus.
corona-patient, covid-19-patient, atemmaske

Das Coronavirus befällt zahlreiche Organe, vor allem auch die Nieren

Das Coronavirus (SARS-CoV-2) ist kein reines Atemwegsvirus. Es befällt neben der Lunge zahlreiche andere Organe und Organsysteme wie Herz, Gehirn, Leber und Nieren, wo es direkt für die häufigen Schäden bei einer COVID-19-Infektion verantwortlich sein könnte. Das fanden Wissenschaftler des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf  (UKE) heraus.

Die Nierenexperten, Mikrobiologen und Rechtsmediziner des UKE analysierten in ihrer Studie die Autopsie-Ergebnisse von 27 an einer COVID-19-Infektion Verstorbenen. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie in der Fachzeitschrift New England Journal of Medicine.

Coronavirus befällt auch Herz, Gehirn, Leber und Nieren

Konkret konnten die Wissenschaftler den SARS-CoV-2-Erreger in der Lunge, im Rachen, im Herz, in der Leber, im Gehirn und in den Nieren nachweisen. Die höchsten Konzentrationen des Coronavirus pro Zelle fanden sie in den Atemwegen, gefolgt von Niere, Herz, Leber, Gehirn und Blut. Ihr Fazit: SARS-CoV-2 ist ein "Multiorganvirus".

"Dies könnte ein Erklärungsansatz für das mitunter breite Symptomspektrum sein, das sich bei COVID-19-Infektionen zeigt. Nach dem Atemtrakt werden vor allem auch die Nieren von SARS-CoV-2-Erregern befallen. Dies ist die wahrscheinliche Erklärung dafür, dass sehr viele der Patienten Auffälligkeiten im Urin haben. Zudem könnte dies die extrem hohe Rate von bis zu 50 Prozent an akuten Nierenversagen bei COVID-19-Infektionen erklären", sagt der Leiter der Studie, Prof. Tobias B. Huber, Direktor der III. Medizinischen Klinik und Poliklinik.

 

Urin-Kontrollen bei Beginn der Erkrankung

Als Konsequenz aus diesen Ergebnissen werden Urinkontrollen bei einer COVID-19-Infektion als Routine-Labor nun bereits zu Beginn der Erkrankung empfohlen. Weitere Studien des UKE in Kooperation mit anderen deutschen Kliniken werden zeigen, ob Urinveränderungen als Frühwarnsystem für schwere COVID-19-Verläufe dienen können. Darüber hinaus wird man auch in der Nachsorge sehr viel sorgfältiger auf Folgeerkrankungen einzelner Organsysteme achten müssen.

Außerdem fanden die Forschenden heraus, dass es eine Korrelation zwischen dem gleichzeitigen Bestehen mehrerer Erkrankungen (Co-Morbidität) und dem Virusbefall von Organen gibt. Dies könnte ein zusätzlicher Faktor für den großen Einfluss der Vorerkrankungen auf die Sterblichkeit sein. In einer zuvor veröffentlichten Studie hatten UKE-Wissenschaftler festgestellt, dass fast alle an einer COVID-19-Infektion obduzierten Verstorbenen Vorerkrankungen beispielsweise des Herz-Kreislauf-Systems oder der Lunge aufwiesen.

Früherkennung von schweren Verläufen

Neben dem UKE sind an einer laufenden Studie zu Urinveränderungen als Frühwarnzeichen auch Wissenschaftler der Universitätsmedizin Göttingen beteiligt. Sie untersuchen ebenfalls den Zusammenhang zwischen der Schwere der COVID-19-Erkrankung und einer mit der Infektion verbundenen Nieren-Entzündung. In der Fachzeitschrift Lancet veröffentlichte ein Team um Prof. Oliver Gross, Oberarzt der Klinik für Nephrologie und Rheumatologie, einen Handlungspfad zur Früherkennung und Behandlung von schweren Verläufen bei COVID-19.

Wenn im Urin der Verdacht auf eine COVID-19-assoziierte Nieren-Entzündung besteht, sollten Albumin im Blut, Albumin im Urin und Antithrombin III getestet werden. Anhand weniger Parameter kann so, noch Tage, bevor Lunge und andere Organe schwer versagen, mit der Behandlung drohender Komplikationen begonnen werden.

Gefahr von Lungenödemen und Thrombolien

Diese drei Parameter dienen zusammen mit dem Urinbefund dazu, das so genannte "capillary leak Syndrom" zu diagnostizieren: Dies bedeutet einen lebensbedrohlichen Verlust von Blutbestandteilen und Eiweiß aus dem Blut in das (Lungen-)Gewebe durch ein vom Virus ausgelöstes generelles Leck der kleinen Blutgefäße. Das Lungengewebe quillt an (Lungenödem), das Atmen und der Austausch von Sauerstoff werden erschwert. Der Mangel von Antithrombin hat Thrombosen und Embolien zur Folge.

"Ist auch nur einer von drei Parametern schwer verändert, besteht ein hohes Risiko, dass sich die Erkrankten auf Normalstation zeitnah verschlechtern, auf die Intensivstation verlegt werden müssen oder sich der Verlauf auf Intensivstation noch verschlechtert", sagt Prof. Gross. Behandelt wird unter anderen mit Entwässerungsmedikamenten und Blutverdünnern.

Foto: Adobe Stock/Halfpoint

Autor: bab
Hauptkategorie: Corona
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Coronavirus
 

Weitere Nachrichten zum Thema Coronavirus

26.05.2020

Das Coronavirus SARS-CoV-2 geht offenbar in die Muttermilch über. Das konnten Virologen der Uniklinik Ulm nun bei einer infizierten Frau nachweisen. Auf welchem Weg sich ihr Baby angesteckt hat, ist allerdings noch unklar.

15.07.2020

Das Corona-Virus kann auch Herzzellen infizieren und sich darin vermehren. Zudem ist es in der Lage, die Genaktivität infizierter Herzzellen zu verändern. Das haben Forscher des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf festgestellt. Die klinischen Auswirkungen sind indes noch unklar.

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten

Noch nie haben sich in Deutschland so viele Menschen nach Zeckenbissen im Grünen mit Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME) angesteckt wie 2020 – und Experten befürchten eine weiter steigende Tendenz. Neu ist: Die nur durch Zecken übertragene und im schlimmsten Fall tödliche Form der Hirnhautentzündung wandert Richtung Norden – und tritt in der Natur verstärkt in größeren Höhen auf.

Der Corona-Lockdown bremst uns bei sportlichen Aktivitäten aus und verändert unsere Ernährungsgewohnheiten. Das zeigt eine Umfrage unter Studenten in Bayern. Fast jeder Dritte aß mehr als in der Vor-Corona-Zeit – und viele aßen mehr „Ungesundes“. Die Zahl der Schritte, die man pro Tag geht, sank um eine Zahl in vierstelliger Größe.
 
Kliniken
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin