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Coronaferien: Sollte Deutschland flächendeckend seine Schulen schließen?

Die Diskussion über Schulschließungen und Absage von Großveranstaltungen ist in vollem Gang. Eine bundeseinheitliche Regelung gibt es nicht. Derweil steigen die Infektionen mit dem Coronavirus weiter.
Leeres Klassenzimmer wegen Coronavirus: In Deutschland ist eine kontroverse Diskussion um Schulschließungen entbrannt

Leeres Klassenzimmer wegen Coronavirus: In Deutschland ist eine kontroverse Diskussion um Schulschließungen entbrannt

In der letzten Woche hat sich die Zahl der Coronavirusinfektionen in Deutschland verzehnfacht. Dennoch geht das öffentliche Leben weiter: Schulen, Kindergärten, Universitäten bleiben - bis auf einzelne Ausnahmen - geöffnet.

Unverantwortlich, sagen die einen. Jetzt müsse Deutschland „Coronaferien“ einlegen, um die Ausbreitung des Virus zu verzögern. Andere halten flächendeckende Schulschließungen für unverhältnismäßig und halten das gezielte Reagieren auf die örtlichen Gegebenheiten für gut und richtig.

Föderalismus bei Epidemien hinderlich

Dass es in Deutschland keine bundeseinheitliche Regelung dazu gibt, liegt an der föderalen Struktur der Republik. Infektionsschutz ist Ländersache. Doch der Föderalismus könnte Deutschland nun auf die Füße fallen. Für die Bürger ist es nicht nachvollziehbar, warum in dem einen Ort die Schule geschlossen wird und im Nachbarort geöffnet bleibt, warum der eine in Quarantäne geschickt wird und der andere nicht. Das fördert nicht gerade das Vertrauen und schürt Unsicherheiten.

Kinder befolgen kaum Schutzregeln

Der Gesundheitsexperte der SPD Karl Lauterbach schlägt darum ein stufenweises Vorgehen vor. „Wenn es sich bestätigt, dass Kinder Erwachsene anstecken, selbst aber keine Symptome zeigen, sollten Reihenuntersuchungen in Kitas und Schulen gemacht werden“, schreibt er auf Twitter. „Da Kinder kaum Schutzregeln folgen wären dann in Zukunft Coronaferien wahrscheinlich sinnvoll.“

Tatsächlich wird man vor allem kleiner Kinder kaum dazu bringen, sich regelmäßig die Hände zu waschen, Niesetikette einzuhalten oder eine Armlänge Abstand zu halten. Darum ist das Schließen von Schulen und Kindergärten bei Epidemien eine oft praktizierte Maßnahme. Italien macht es gerade vor.

Der Berliner Virologe und Epidemiologe Christian Drosten hält dagegen Coronaferien nicht für angebracht. Schulen seien wichtig, sagte er im NDR Podcast, dagegen könne man auf Großveranstaltungen wie Fußballspiele für eine gewisse Zeit „gut verzichten.“ 

Gegen flächendeckende Schulschließungen sprechen die enormen Auswirkungen auf die Wirtschaft und das gesellschaftliche Leben. So ist etwa der Sprecher des Vorstands der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH), Peter Walger, strikt dagegen: Allein die Probleme, die sich aus der damit nötigen Kinderbetreuung ergäben, stünden nicht im Verhältnis zum Nutzen, sagte der auf Infektiologe der Tagesschau. Eltern müssten dann eventuell ebenfalls zu Hause bleiben - mit Folgen für deren Arbeitsstellen und das öffentliche Leben. "Es lohnt nicht, Schulen zu schließen."

 

Coronaferien könnten Vorsprung sichern

Doch flächendeckende Schulschließungen könnten irgendwann unvermeidlich sein. Es sei besser heute als morgen sämtliche Schulen und Kindergärten für 14 Tage schließen, meint etwa der Virologe Alexander Kekulé. Man habe zu Beginn der Ausbreitung zu wenig Schritte in die richtige Richtung unternommen. „ Ich fürchte wir werden dadurch unseren Vorsprung verlieren.“

Genau der Vorsprung gegenüber China oder Italien ist aber wichtig, die Ausbreitung des Virus zeitlich zu verzögern. Wenn sich in kürzester Zeit ganz viele Menschen in Deutschland mit dem Coronavirus anstecken, dann wird das mit hoher Wahrscheinlichkeit zu spürbaren Engpässen im Gesundheitssystem führen.

Bei Maßnahmen wie Quarantäne, Absage von Großveranstaltungen und Schulschließungen geht es allein darum, die Ausbreitung zu verlangsamen. Sie werden nicht durchgeführt, weil das Virus so außerordentlich gefährlich wäre. Doch sind erst einmal die älteren Bürger infiziert, werden auch die Todesraten nach oben schnellen. 

Foto: © Adobe Stock/pololia

Autor: ham
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