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Corona und Psyche: Wie Gesundheit an anderer Stelle zerstört wird

„Es wird schlimm werden“, hat der Virologe Christian Drosten vor einem Jahr vorausgesagt. Nicht nur im Hinblick auf Infektionszahlen und Corona-Tote sollte er Recht behalten. Nach einem Jahr Ausnahmezustand sind bei vielen Menschen buchstäblich die Reserven aufgebraucht. Gesundheitsstadt Berlin beleuchtet deshalb die sozialen und psychischen Folgen der Pandemie aus verschieden Blickwinkeln. Am Freitag ist dazu eine sechsseitige Sonderbeilage im Tagesspiegel erschienen.
Durch den Lockdown depressiv geworden: Maßnahmen gegen die Pandemie gehen auf Kosten der seelischen Gesundheit und zerstören Existenzen

Durch den Lockdown depressiv geworden: Maßnahmen gegen die Pandemie gehen auf Kosten der seelischen Gesundheit und zerstören Existenzen

Wenn wir heute auf über zwei Millionen Infizierte und mehr als 67.000 Corona-Tote blicken, ist das nur die Spitze eines Eisbergs. Die Pandemie - oder besser gesagt die Lockdowns und ihre Freiheitsbeschränkungen - fordern weit mehr Opfer, als die Zahlen des Robert Koch-Instituts hergeben. Und es werden täglich mehr: Menschen, die ihre Existenzgrundlage verlieren, Menschen, die in Depressionen versinken, Menschen, die häusliche oder sexuelle Gewalt ertragen müssen, Menschen die sich das Leben nehmen möchten, weil sie keine Perspektive mehr für sich sehen.

Hoher Preis für löchrigen Infektionsschutz

Wir alle zahlen einen hohen Preis für einen Infektionsschutz, der trotz seiner Zumutungen an vielen Stellen löchrig ist, wie das ständige Grundrauschen an Neuinfektionen und nicht zuletzt die vielen Ausbrüche in Alten- und Pflegeheimen zeigen. Und wie immer trifft es einige härter, schlimmer, existenzieller als andere. Menschen, die vorher schon psychisch labil waren, aber auch gesunde, verlieren zunehmend den Boden unter den Füßen. Vielen droht nicht nur der soziale Abstieg, er ist in vielen Familien bereits bittere Realität.

Die Zahl der psychischen Belastungen und Auffälligkeiten ist seit Pandemiebeginn merkbar angestiegen, genau wie die Zahl der Arbeitslosen und Unternehmen, die vor dem Aus stehen. Dass Wirtschaft und seelische Gesundheit eng zusammenhängen, weiß man aus vorausgegangenen Krisen. Und auch diesmal wird es nicht anders sein.

 

Tunnelblick vernebelt die Sicht auf sekundäre Kollateralschäden

Wenn Wirtschaftsexperten von der schlimmsten Rezession seit dem zweiten Weltkrieg sprechen und für dieses Jahr eine beispiellose Pleitewelle voraussagen, deckt sich das mit den Prognosen von Psychiatern, die mit einer rezessionsbedingten Zunahme psychischer Störungen rechnen, darunter auch schwere Erkrankungen wie schizophrene Psychosen. Zahlen aus Krisenberatungen, Behandlungszahlen von Psychiatern und etliche Befragungen zur psychischen Gesundheit von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen belegen bereits, dass sich die schlimmsten Befürchtungen leider bewahrheiten.

Der politische Tunnelblick auf Infektionszahlen, 7-Tages-Inzidenzen und die Impfung greift darum viel zu kurz. Mit auf die Rechnung muss die Tatsache, dass die antiepidemischen Maßnahmen Existenzen und Gesundheit an anderer Stelle in großem Stil zerstören.

Was Betroffene, Psychiater und Krisenberatungen dieser Tage erleben, ist heute gebündelt in einer Sonderveröffentlichung im Tagesspiegel nachzulesen. Die PDF-Datei steht hier zum kostenlosen Download bereit.

Foto: Foto: © Adobe Stock/Halfpoint

Autor: ham
Hauptkategorien: Berlin , Corona , Gesundheitspolitik , Medizin
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