. Infektionskrankheiten

Corona- und Grippekranke bekommen oft auch noch einen Schlaganfall

Wer durch das Coronavirus erkrankt, hat im Zuge dessen oft ein erhöhtes Schlaganfallrisiko. Besonders gefährdet sind schwererkrankte, intensivpflichtige Patienten. Das Risiko besteht aber auch bei harmloseren Infektionskrankheiten – bei Grippe zum Beispiel.
Grafik: Menschlicher Kopf mit rotem Lichtpunkt im Gehirn - Schlaganfall

Infektionskrankheiten aktivieren das Blutgerinnungssystems. Dadurch erhöht sich das Risiko für Thrombosen und Embolien.

COVID-19-Patienten haben ein erhöhtes Risiko, im Zuge ihrer Coronavirus-Erkrankung zusätzlich noch einen Schlaganfall zu erleiden. Besonders bei schwer erkrankten Patienten ist ein Schlaganfall nicht selten. Darauf weist die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) hin. „Vor allem wenn Risikofaktoren wie Übergewicht, Diabetes oder Bluthochdruck vorliegen, kann auch bei jungen SARS-CoV-2-Patienten vermehrt ein Schlaganfall auftreten“, sagt Wolf-Rüdiger Schäbitz, der Sprecher der DSG.

Coronavirus aktiviert Blutgerinnungssystem im Körper

Der Grund dafür: Wie bei anderen Infektionen auch kann das Coronavirus das Blutgerinnungssystems aktivieren, was das Risiko für Thrombosen und Embolien erhöht. Wenn dann kleine Blutgerinnsel in das Gehirn gelangen, können sie dort die Durchblutung mindern und einen Schlaganfall auslösen.

Patienten, die in der Vergangenheit bereits einen Schlaganfall hatten, laufen Gefahr, dass sich das wiederholt. Bei Coronapatienten mit einer Behinderung aufgrund eines früheren Schlaganfalls sei der Krankheitsverlauf in der Regel schwerer als bei vorher Gesunden, sagt Helmuth Steinmetz, Vorsitzender der DSG. „Sie gehören daher – ähnlich wie Immungeschwächte – zu einer Risikogruppe, die durch SARS-CoV-2 besonders gefährdet ist.“

 

Wegen Corona: Weniger Betten in „Stroke Units"

Was Coronavirus und Schlaganfall betrifft, kam es im Zuge der COVID-19-Pandemie seit vergangenem Frühjahr in Deutschland zu teils überraschenden Neben- oder Wechselwirkungen, etwa bei der Versorgungssituation in Krankenhäusern. Weil Intensivkapazitäten für mögliche Coronakranke bereitgestellt werden mussten, kam es laut DSG in 30 Prozent der deutschen Stroke Units zu Bettenreduktionen. Stroke Units sind Spezialstationen zur Behandlung von Schlaganfallpatienten.

Aus Angst vor Corona: Notfallpatienten bleiben zu Hause

Gleichzeitig ging in Notaufnahmen und Stroke Units die Zahl der dort ankommenden und behandelten Schlaganfälle aus zunächst unerklärlichen Gründen zurück – teils um bis zu ein Drittel. „Vor allem in der Hochphase der ersten Welle der Epidemie – also von Mitte März bis Mitte April – wurden weniger Patienten mit Verdacht auf Schlaganfall in den Notfallaufnahmen aufgenommen“, berichtet DGS-Sprecher Schäbitz. Medizinische Notfälle wie der Schlaganfall verteilen sich normalerweise ziemlich gleichmäßig über das Jahr. Erklärung der DGS: Gerade bei Patienten mit einem leichten oder vorübergehenden Schlaganfall, einer sogenannten TIA (transitorisch ischämischen Attacke), wurde medizinische Hilfe offenbar aus Angst vor einer Infektion mit SARS-CoV-2 häufig nicht in Anspruch genommen.

Auch in Corona-Zeiten: „Bei Schlaganfall immer die 112 wählen“

„Diese Angst ist unbegründet“, betont DSG-Experte Steinmetz. „Vor allem in Kliniken ist der Umgang mit Erregern – und natürlich auch mit dem Corona-Virus – äußerst professionell organisiert.“ Die DSG empfiehlt daher dringend, Anzeichen für einen Schlaganfall auch in Zeiten der Corona-Pandemie ernst zu nehmen, die 112 zu wählen und sich sofort notfallmedizinisch in einer Klinik mit Stroke Unit behandeln zu lassen. Der DGS-Vorsitzende Steinmetz wörtlich: „Jeder Zeitverlust birgt Risiken, die ungleich höher sind als die einer COVID-19-Infektion im Krankenhaus.“

Foto: AdobeStock/peterschreiber.media

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