Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
19.06.2021

Corona: So hoch ist die Ansteckungsgefahr im Fußballstadion

Bundesliga-Spiele haben in der Saison 2020/21 erheblich zum Infektionsgeschehen beigetragen. Das haben Wissenschaftler jetzt ermittelt. Eine eingeschränkte Maskenpflicht scheint dabei entscheidend gewesen zu sein.
Fußballspiele mit vielen Zuschauern und ohne konsequente Maskenpflicht haben zum Infektionsgeschehen beigetragen. Andere nicht

Fußballspiele mit vielen Zuschauern und ohne konsequente Maskenpflicht haben zum Infektionsgeschehen beigetragen. Andere nicht

Zu Beginn der vergangenen Saison waren bei vielen Spielen der ersten, zweiten und dritten Fußballbundesliga bis zu 10.000 Zuschauer im Stadion erlaubt. Wissenschaftler des RWI – Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung und der SDU University of Southern Denmark in Sonderborg haben diese Großereignisse nun in Hinblick auf das Infektionsgeschehen untersucht. Dabei wurden die unterschiedlichen Hygienekonzepte und die Zahl der Zuschauer berücksichtigt. Die Ergebnisse wurden jetzt in der Fachzeitschrift „The Econometrics Journal“ veröffentlicht.

Infektionen vor allem bei Spielen der ersten Bundesliga

Die gute Nachricht zuerst: Die Studie stellt bei einer Gesamtbetrachtung aller Ligen keine signifikanten Auswirkungen der Spiele auf das Infektionsgeschehen fest. Die schlechte: Werden nur die Fußballspiele der ersten Bundesliga und mit höheren Zuschauerzahlen betrachtet, kam es zu einem signifikanten Anstieg der Corona-Infektionen.

Demnach führten Spiele der ersten Bundesliga an den ersten beiden Spieltagen im Schnitt zu 0,6 Infektionen mehr pro 100.000 Einwohner pro Tag. Dies entspricht im betrachteten Zeitraum einem lokalen Anstieg der Infektionsraten um etwa sieben bis acht Prozent.

 

Die Maske macht den Unterschied

Doch Spiel ist nicht gleich Spiel und Hygienekonzept nicht gleich Hygienekonzept: Der Studie zufolge ist der Anstieg auf jene Spiele zurückzuführen, bei denen die Masken lediglich auf den Wegen zum Platz getragen werden mussten. Spiele mit strenger Maskenpflicht – das heißt permanente Tragepflicht auch am zugewiesenen Platz – haben dagegen nicht zu höheren Infektionszahlen geführt.

„Die Studie deutet darauf hin, dass Sportveranstaltungen mit vielen Zuschauern ein erhöhtes Infektionsrisiko darstellen, wenn im Stadion keine konsequente Maskenpflicht gilt“, sagt Studienautor Philipp Breidenbach, stellvertretender Leiter des Forschungsdatenzentrums Ruhr am RWI. „Gute Hygienekonzepte im Stadion scheinen das Risiko wirksam zu reduzieren, zumindest bei Spielen mit begrenzter Zuschauerzahl.“

Studiendesign

Die Studie „Large-scale sport events and COVID-19 infection effects: Evidence from the German professional soccer ‚experiment’“ verglich die lokale COVID-19-Infektionsentwicklung in den Landkreisen, in denen ein Profifußballspiel mit mindestens 1.000 Zuschauern stattfand, mit der Entwicklung in Landkreisen, in denen keine Profimannschaften beheimatet sind. Die Untersuchung ist somit unabhängig von dem in der Praxis schwierigen Nachweis der tatsächlichen Infektionsorte. Bisherige lokale Analysen, die keine Infektionen im Stadion aufgezeigt haben, bezogen sich nur auf die Infektionen, bei denen Gesundheitsämter den tatsächlichen Infektionsort nachweisen konnten.

Foto: © Adobe Stock/ Michael Stifter

Autor: ham
Hauptkategorien: Corona , Gesundheitspolitik
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Coronavirus
 

Weitere Nachrichten zum Thema Ansteckungen

Kaum hat die Menschheit einen Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus entwickelt und die AHA-Regeln verinnerlicht, sorgen Virus-Mutanten aus Indien und Großbritannien für neue Aufregung. Helfen die gerade erst mühsam errungenen Maßnahmen jetzt noch? Zumindest für das Thema Hygiene kann eine Studie der Universität Bochum das bestätigen.

 

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
 
Weitere Nachrichten
In Israel gelten nur noch Personen mit dritter Impfung als vollständig geimpft. Und tatsächlich sinken die Fallzahlen im Land. Das Vorgehen ist jedoch wissenschaftlich umstritten.


Saubere Hände sind nicht nur in der Corona-Pandemie wichtig. Zahlreiche Erkrankungen lassen sich mit gründlicher Händehygiene vermeiden: Erkältungen, Magen-Darm-Probleme – und sogar Wurm-Erkrankungen. Mit kreativen Ideen kann man Kinder dazu motivieren, dass Hände waschen für sie in bestimmten Situationen des Alltags zum festen Ritual wird.
 
Interviews
Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.

Logo Gesundheitsstadt Berlin