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Corona-Pandemie: Unzufriedenheit mit der medizinischen Versorgung wächst

Montag, 4. Juli 2022 – Autor:
Das Image der Gesundheitsversorgung hat im Zuge der Corona-Pandemie Kratzer abbekommen. Immer weniger Deutsche glauben, dass die Versorgung in ihrer Region gut oder sehr gut funktioniert – zurzeit nur noch 62 Prozent. Das zeigt eine Umfrage der AOK.
Patient im Gespräch mit dem Hausarzt.

Die Unzufriedenheit von Patienten in der aktuellen AOK-Umfrage stieg am stärksten bei den niedergelassenen Haus- und Fachärzten. – Foto: AdobeStock/ Gorodenkoff

Erlebnisse und Erfahrungen während der Corona-Pandemie haben dazu geführt, dass mehr Deutsche mit dem Gesundheitssystem unzufrieden sind als vor Beginn der Pandemie. Das zeigt eine Repräsentativ-Befragung des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag des AOK-Bundesverbands.

Nach der ersten Corona-Welle im Sommer 2020 hatten noch 78 Prozent der Befragten angegeben, dass die Gesundheitsversorgung in ihrer Region „gut“ oder „sehr gut“ funktioniere. Im Mai 2022 dann waren es nur noch 62 Prozent. Auch bei der Frage nach der Zufriedenheit mit der Gesundheitsversorgung in Deutschland insgesamt zeigt sich negative Corona-Einfluss. Lag die Gesamtzufriedenheit im Sommer 2020 noch bei 85 Prozent und damit über Vor-Corona-Niveau, so waren es im Mai 2022 nur mehr 78 Prozent.

Corona: Gesundheit verliert stärker als andere Branchen

Auch wenn die Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Carola Reimann, noch von „vergleichsweise robusten Werte" spricht: Die Zufriedenheit mit den Einrichtungen der Gesundheitsversorgung sank deutlich stärker als bei anderen wichtigen Infrastruktureinrichtungen (Beispiel: Schulen, Einzelhandel). Schaut man sich den Rückgang bei den Zufriedenheitswerten zwischen 2020 und 2022 im Detail an, so ergibt sich für die einzelnen Angebote des Gesundheitswesens folgendes Bild:

 

Rückgang der Zufriedenheit nach Gesundheitsanbietern

  • Hausärzte: minus 6 Prozentpunkte  (von 79 auf 73 Prozent)
  • Fachärzte: minus 6 Prozentpunkte (von 58 auf 52 Prozent)
  • ambulante Pflegeeinrichtungen: minus 5 Prozentpunkte (von 55 auf 50 Prozent)
  • stationäre Pflegeeinrichtungen: minus 5 Prozentpunkte (von 51 auf 46 Prozent).
  • Krankenhäuser: minus 4 Prozentpunkte (von 77 auf 73 Prozent).

Verschobene Behandlungen, überforderte Gesundheitsämter

In der Wahrnehmung der Befragten lagen die Hauptprobleme während der Corona-Krise in erster Linie bei verschobenen Krankenhaus-Behandlungen und überforderten Gesundheitsämtern. Auch die Mehrfachbelastungen für pflegende Angehörige durch das Wegbrechen von Hilfestrukturen und Dienstleistungen werden genannt.

Auch Notfallversorgung hat offenbar gelitten

Nach Einschätzung der AOK ebenfalls auffällig: Nur noch zwei Drittel der Befragten hatten im Mai 2022 das Gefühl, dass die Notfallversorgung in der Pandemie funktioniert habe. 2020 waren das noch drei Viertel gewesen. Auch Probleme mit der Notfallversorgung wurden überdurchschnittlich häufig von Personen mit schlechtem Gesundheitszustand wahrgenommen.

Corona-Effekte spiegeln sich in fast allen Befragungsergebnissen

„Offenbar machen sich verstärkt Erfahrungen aus der zweiten bis vierten Corona-Welle bemerkbar“, ordnet AOK-Chefin Reimann die Ergebnisse der Befragung ein. „Anlass zur Sorge ist aus unserer Sicht die Tatsache, dass Personen mit pflegebedürftigen Angehörigen oder schlechtem Gesundheitszustand noch einmal deutlich unzufriedener sind." Letztere Personengruppe bewertet die medizinische Versorgung im Jahr 2022 insgesamt um 19 Prozentpunkte schlechter als der Durchschnitt der Befragten.

Viel Zustimmung für weniger Kommerz im Gesundheitswesen

Eine deutliche Verschiebung gegenüber 2020 zeigt sich auch bei den Angaben zu möglichen Lehren aus der Pandemie. So bejahen nur noch 34 Prozent, dass sich dezentrales Krisenmanagement bewährt habe. 2020 waren es noch 48 Prozent. Ansonsten gibt es weiterhin hohe Zustimmungswerte von jeweils weit über 90 Prozent zu den Aussagen, dass es eine flächendeckend gute Versorgung auch in ländlichen Regionen brauche, Pflegeangebote aufrechtzuerhalten sind und Gesundheitsberufe mehr Wertschätzung verdienen. Gewachsen ist auch der Anteil derer, die dafür sind, dass wirtschaftliche Fragen im Gesundheitswesen künftig keine so starke Rolle mehr spielen sollten (87 Prozent).

Hauptkategorie: Gesundheitspolitik
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