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Corona-Lockdown: Mehr Todesfälle bei Schlaganfall-Patienten

Eine AOK-Analyse zeigt: Während des ersten Lockdowns wegen der Corona-Pandemie sind weniger Schlaganfall-Patienten in Krankenhäusern behandelt worden, aber mehr verstorben. Experten führen dies auf die Angst der Patienten vor Ansteckung zurück.
Schlaganfall

Ein Schlaganfall ist immer ein Notfall – auch während der Coronakrise

Wie hat sich die Corona-Pandemie bisher auf die medizinische Versorgung anderer Erkrankungen ausgewirkt? Diese Frage wird zurzeit lebhaft diskutiert. Nun hat das Wissenschaftliche Institut der AOK (WidO) einen Anstieg tödlich verlaufener Schlaganfälle während des ersten Corona-Lockdowns belegt. Demnach wurden in deutschen Kliniken von Mitte März bis Anfang April im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 15 Prozent weniger Schlaganfallpatienten mit Hirninfarkt oder Hirnblutung behandelt, während die Sterblichkeitsrate von 12 auf 15 Prozent anstieg.

Bei leichteren Symptomen mieden Patienten das Krankenhaus

Bereits im Juni hatte das WIdO über alarmierende Rückgänge von Herzinfarkt- und Schlaganfall-Patienten während der ersten Lockdown-Phase berichtet. Die aktuellen Auswertungen bestätigen nun: Im Frühjahr 2020 ist insbesondere die Zahl von Notfall-Patienten mit leichten oder unspezifischen Symptomen zurückgegangen. So wurden wegen einer transitorisch ischämischen Attacke (TIA), bei der es für höchstens 24 Stunden zu Schlaganfall-Symptomen kommt, 35 Prozent weniger Patienten behandelt als im Vorjahr.

WidO-Chef Jürgen Klauber sieht die Sorge vor einer Ansteckung mit SARS-CoV-2 als Grund für die niedrige Zahl an Klinikbesuchen: „Die Angst vor einer Covid-19-Infektion könnte gerade Patienten mit leichteren Beschwerden davon abgehalten haben, sich ins Krankenhaus zu begeben. Diese Sorge muss den Patienten genommen werden, denn bei der Behandlung von Herzinfarkt und Schlaganfall zählt wirklich jede Minute.“

 

Höhere Sterblichkeit beim Schlaganfall

Trotz der deutlichen Fallzahl-Rückgänge stieg die Zahl der Patienten, die innerhalb von 30 Tagen nach einem Hirninfarkt oder einer Hirnblutung verstarben, von 714 im Frühjahr 2019 auf 740 im Frühjahr 2020. Dieser Anstieg ist nicht durch Covid-19-Patienten erklärbar, denn diese wurden bei der Betrachtung der Sterblichkeit nicht berücksichtigt.

Ein weiteres zentrales Ergebnis der Analyse für den Qualitätsmonitor: Die Notfallversorgung im Krankenhaus hat in der Frühphase der Pandemie unverändert funktioniert und die Behandlungsprozesse in der Klinik liefen zum Teil schneller. Wichtige – und zeitkritische – Behandlungen zur Wiedereröffnung verschlossener Blutgefäße fanden im Frühjahr 2020 bei einem höheren Anteil von Herzinfarkt- und Hirninfarkt-Patienten bereits am Tag der Klinikeinweisung statt.

Keine verminderte Qualität in der Notfallversorgung

„Der Grund hierfür sind möglicherweise die besseren Anfahrts- und Transportbedingungen für den Rettungsdienst in der Lockdown-Phase, aber auch die frei gewordenen Kapazitäten für solche dringlichen Eingriffe aufgrund der Absage vieler planbarer Operationen“, vermutet Klauber. Die durchschnittliche Liegedauer war sowohl bei Schlaganfällen als auch bei Herzinfarkten signifikant kürzer als 2019. Insgesamt gebe es also Hinweise auf eine verminderte Qualität der stationären Notfallbehandlung im Frühjahr gefunden, so der WidO-Chef, sondern im Gegenteil eher schnellere und glattere Prozesse.

Foto: Adobe Stock / peterschreiber.media

Autor: anvo
Hauptkategorien: Corona , Gesundheitspolitik
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