Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Corona-Lockdown: Mehr Todesfälle bei Schlaganfall-Patienten

Freitag, 4. Dezember 2020 – Autor: anvo
Eine AOK-Analyse zeigt: Während des ersten Lockdowns wegen der Corona-Pandemie sind weniger Schlaganfall-Patienten in Krankenhäusern behandelt worden, aber mehr verstorben. Experten führen dies auf die Angst der Patienten vor Ansteckung zurück.
Schlaganfall

Ein Schlaganfall ist immer ein Notfall – auch während der Coronakrise – Foto: ©peterschreiber.media - stock.adobe.com

Wie hat sich die Corona-Pandemie bisher auf die medizinische Versorgung anderer Erkrankungen ausgewirkt? Diese Frage wird zurzeit lebhaft diskutiert. Nun hat das Wissenschaftliche Institut der AOK (WidO) einen Anstieg tödlich verlaufener Schlaganfälle während des ersten Corona-Lockdowns belegt. Demnach wurden in deutschen Kliniken von Mitte März bis Anfang April im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 15 Prozent weniger Schlaganfallpatienten mit Hirninfarkt oder Hirnblutung behandelt, während die Sterblichkeitsrate von 12 auf 15 Prozent anstieg.

Bei leichteren Symptomen mieden Patienten das Krankenhaus

Bereits im Juni hatte das WIdO über alarmierende Rückgänge von Herzinfarkt- und Schlaganfall-Patienten während der ersten Lockdown-Phase berichtet. Die aktuellen Auswertungen bestätigen nun: Im Frühjahr 2020 ist insbesondere die Zahl von Notfall-Patienten mit leichten oder unspezifischen Symptomen zurückgegangen. So wurden wegen einer transitorisch ischämischen Attacke (TIA), bei der es für höchstens 24 Stunden zu Schlaganfall-Symptomen kommt, 35 Prozent weniger Patienten behandelt als im Vorjahr.

WidO-Chef Jürgen Klauber sieht die Sorge vor einer Ansteckung mit SARS-CoV-2 als Grund für die niedrige Zahl an Klinikbesuchen: „Die Angst vor einer Covid-19-Infektion könnte gerade Patienten mit leichteren Beschwerden davon abgehalten haben, sich ins Krankenhaus zu begeben. Diese Sorge muss den Patienten genommen werden, denn bei der Behandlung von Herzinfarkt und Schlaganfall zählt wirklich jede Minute.“

 

Höhere Sterblichkeit beim Schlaganfall

Trotz der deutlichen Fallzahl-Rückgänge stieg die Zahl der Patienten, die innerhalb von 30 Tagen nach einem Hirninfarkt oder einer Hirnblutung verstarben, von 714 im Frühjahr 2019 auf 740 im Frühjahr 2020. Dieser Anstieg ist nicht durch Covid-19-Patienten erklärbar, denn diese wurden bei der Betrachtung der Sterblichkeit nicht berücksichtigt.

Ein weiteres zentrales Ergebnis der Analyse für den Qualitätsmonitor: Die Notfallversorgung im Krankenhaus hat in der Frühphase der Pandemie unverändert funktioniert und die Behandlungsprozesse in der Klinik liefen zum Teil schneller. Wichtige – und zeitkritische – Behandlungen zur Wiedereröffnung verschlossener Blutgefäße fanden im Frühjahr 2020 bei einem höheren Anteil von Herzinfarkt- und Hirninfarkt-Patienten bereits am Tag der Klinikeinweisung statt.

Keine verminderte Qualität in der Notfallversorgung

„Der Grund hierfür sind möglicherweise die besseren Anfahrts- und Transportbedingungen für den Rettungsdienst in der Lockdown-Phase, aber auch die frei gewordenen Kapazitäten für solche dringlichen Eingriffe aufgrund der Absage vieler planbarer Operationen“, vermutet Klauber. Die durchschnittliche Liegedauer war sowohl bei Schlaganfällen als auch bei Herzinfarkten signifikant kürzer als 2019. Insgesamt gebe es also Hinweise auf eine verminderte Qualität der stationären Notfallbehandlung im Frühjahr gefunden, so der WidO-Chef, sondern im Gegenteil eher schnellere und glattere Prozesse.

Foto: Adobe Stock / peterschreiber.media

Hauptkategorien: Corona , Gesundheitspolitik
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Schlaganfall , Coronavirus
 

Weitere Nachrichten zum Thema Schlaganfall

13.10.2020

Viele Infektionskrankheiten erhöhen das Risiko für schwerwiegende Erkrankungen des Gefäßsystems wie Schlaganfall oder Herzinfarkt. Das gilt auch für Grippe und COVID-19. Die Grippe-Impfung ist daher eine wichtige Präventionsmaßnahme zum Schutz vor Schlaganfällen.

07.12.2020

Die Unsicherheit ist groß: Wie dürfen und wollen wir in diesem Jahr überhaupt noch Weihnachten feiern? Zwar wurden bundesweit vorübergehende Lockerungen der Kontaktbeschränkungen geplant, mittlerweile rudern einige Bundesländer jedoch wieder zurück. Berlin hatte gleich einen Sonderweg bei den Maßnahmen angekündigt, Bayern ruft nun sogar den Katastrophenfall aus.

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Frauen erkranken deutlich häufiger an Osteoporose als Männer, vor allem im höheren Alter. Ein Hauptrisikofaktor ist das Geschlecht – aber das lässt sich nicht ändern. Deshalb ist es umso wichtiger, die Präventionsmöglichkeiten konsequent auszuschöpfen.


 
Interviews
Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin