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Corona-Impfung offenbar auch unter Krebs-Immuntherapie sicher

Dienstag, 12. Juli 2022 – Autor:
Krebspatienten wird generell eine Covid-19-Impfung empfohlen. Eine aktuelle Studie aus Heidelberg bekräftigt nun die Empfehlung. Demnach treten auch unter einer Krebs-Immuntherapie mit Checkpoint-Inhibitoren keine Komplikationen im Immunsystem auf.
Krebspatienten, die Immun-Checkpoint-Inhibitoren einnehmen, erleiden nach einer neuen Studie  keine Immun-Komplikationen

Krebspatienten, die Immun-Checkpoint-Inhibitoren einnehmen, erleiden nach einer neuen Studie keine Immun-Komplikationen – Foto: ©psdesign1 - Fotolia

Krebspatienten gelten als Risikogruppe für schwere Verläufe einer COVID-19-Erkrankung. Deshalb empfiehlt die STIKO den Betroffenen - bis auf wenige Ausnahmen - eine Corona-Impfung. Wissenschaftler aus Heidelberg haben nun untersucht, wie sicher die Impfung unter einer Krebs-Immuntherapie mit sogenannten Checkpoint-Inhibitoren ist.

Checkpoint-Inhibitoren lösen Bremsen des Immunsystems

Da diese neueren Medikamente das Immunsystem aktivieren, stand die Frage im Raum, ob die Impfung einen „Zytokin-Sturm“ (CRS, cytokine release syndrome ) auslösen könnte. Ein Zytokin-Sturm ist eine schwere Komplikation, bei der aktivierte Immunzellen große Mengen an Botenstoffen (Zytokine) ausschütten. Symptome sind hohes Fieber, abfallender Blutdruck, Sauerstoffmangel und im Extremfall ein Multiorganversagen.

„Es gab die Befürchtung, dass Immun-Checkpoint-Inhibitoren bei geimpften Personen starke, unkontrollierte Immunreaktionen auslösen könnten“, sagt Studienautor Guy Ungerechts, Leitender Oberarzt der Medizinischen Onkologie am Universitätsklinikum und Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg. „Um unsere Patientinnen und Patienten bestmöglich beraten zu können, wollten wir herausfinden, ob es unter Behandlung mit Immun-Checkpoint-Inhibitoren nach einer Corona-Impfung tatsächlich häufig zu einem CRS kommt.“

 

Keinen Zytokin-Sturm beobachtet

In der prospektiven Studie untersuchten die Onkologen am NCT Heidelberg 64 geimpfte und 26 ungeimpfte Krebspatienten unter Therapie mit Immun-Checkpoint-Inhibitoren. Die Studienteilnehmer litten an 23 verschiedenen Krebsarten. Von der ersten Impfdosis bis vier Wochen nach der zweiten Impfung wurden die Patienten auf unerwünschte Nebenwirkungen beobachtet. Das Ergebnis ist ermutigend: Bei keinem Probanden trat ein klinisch relevanter Zytokin-Sturm auf. Allerdings waren bestimmte Zytokine, die charakteristischerweise mit einem CRS in Verbindung stehen, bei 40 Prozent der Teilnehmenden nach der Impfung auf etwa das 1,5-fache des Ausgangswerts erhöht.

Vermehrte Zytokin-Ausschüttung war klinisch nicht relevant

„Unter Therapie mit Immun-Checkpoint-Inhibitoren scheint die COVID-Impfung zwar häufig die Ausschüttung CRS-assoziierter Zytokine auszulösen, aber nur selten Symptome zu verursachen“, sagt Erstautor Sunanjay Bajaj. Zytokin-Messungen alleine seien daher wahrscheinlich nicht geeignet, um das Risiko eines Zytokin-Sturms abzuschätzen.

In der Studie zeichnete sich außerdem ein besseres Gesamtübeleben der geimpften Patienten ab. Dieses Ergebnis lasse sich nicht allein durch die höhere COVID-19-bedingte Sterblichkeit bei den Ungeimpften erklären, meint Onkologe Ungerechts, und müsse nun in einer Studie mit größerer Fallzahl validiert werden. „Doch zunächst unterstützen unsere Daten die derzeitige Empfehlung an Krebspatienten unter Therapie mit Immun-Checkpoint-Inhibitoren, die Impfung gegen COVID-19 wahrzunehmen, um sich vor schweren Verläufen der Virusinfektion zu schützen.“

Die Studie “Cytokine release syndrome-like serum responses after COVID-19 vaccination are frequent and clinically inapparent under cancer immunotherapy” ist soeben im Fachmagazin „Nature Cancer” erschienen.

Hauptkategorie: Corona
 

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