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Corona-Impfung bei MS? Das raten Experten

Die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) empfiehlt MS-Patienten die Impfung gegen COVID19. Der erwartete Nutzen sei größer als ein potenzieller Schaden. Real-World-Daten aus Israel untermauern die Empfehlung.
Trotz geringer Datenlage: MS-Patienten sollten sich aus Sicht von Experten gegen COVID-19 impfen lassen

Trotz geringer Datenlage: MS-Patienten sollten sich aus Sicht von Experten gegen COVID-19 impfen lassen

Nach Ansicht der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft sollten sich Patienten mit Multipler Sklerose (MS) gegen COVID-19 impfen lassen. Eine MS stelle grundsätzlich keine Kontraindikation für Impfungen dar. Impfungen lösten auch keine MS aus und eine Auswirkung auf die Krankheitsaktivität sei unwahrscheinlich, heißt es in einer gemeinsamen Stellungnahme mit dem Kompetenznetz Multiple Sklerose.

„Da die Covid-19 Infektion in zehn Prozent der Fälle einen schweren Verlauf nimmt und der Fall-Verstorbenen-Anteil in Deutschland zwischen zwei und drei Prozent liegt empfehlen wir MS-Erkrankten nach heutigem Stand, sich und andere durch die Impfung zu schützen“, so die MS-Experten.

COVID-19 wäre das größere Risiko

Zudem könnten auch nach einer mild verlaufenden Infektion langanhaltende Symptome wie Geschmacksstörungen und, für MS Erkrankte besonders beeinträchtigend, chronische Müdigkeit, Fatigue oder Depressionen fortbestehen. Kurzum: Die MS-Experten schätzen das Risiko, derzeit schwerer an Covid-19 zu erkranken, und in Folge auch eine mögliche Verschlechterung der MS zu erfahren, als sehr viel höher ein, als einen Schaden durch die Impfung zu erleiden.

 

Immuntherapie offenbar keine Kontraindikation

Doch wie sieht es aus, wenn MS-Patienten immunsupprimierende Medikamente einnehmen? Bei einigen Immuntherapien gibt es Hinweise auf ein vermindertes Ansprechen. Doch gesicherte Daten aus den Zulassungsstudien liegen dazu nicht vor. Real-World-Daten von 500 MS-Patienten aus Israel zeigen aber immerhin, dass die Impfung mit dem mRNA-Impfstoff von Biontech bisher gut vertragen wurde. So wurden weder unerwarteten Nebenwirkungen noch eine Aktivierung der MS beobachtet, was für die COVID-19-Impfung spricht und die Empfehlung untermauert.

Inwieweit es unter einer immunsupprimierenden Therapie zu einer ausreichenden Impfantwort kommt, kann indes augenblicklich noch nicht mit Sicherheit beantwortet werden. Laut DMSG könnten aber der bisherigen Erfahrungen mit anderen Impfstoffen etwa mit Grippeimpfstoffen mit hoher Wahrscheinlichkeit auf die Corona-Impfstoffe übertragen werden. Demnach schmälert die Einnahme von Interferon-beta die Antwort auf eine Grippeimpfung nicht.

Impfung auch während MS-Therapie möglich

„Grundsätzlich sollte man sich aber nur impfen lassen, wenn man sich selbst wohl fühlt und nicht erste Symptome einer Erkältung bemerkt“, rät die MS Fachgesellschaft. Idealerweise sollte die Impfung etwa zwei bis vier Wochen vor Therapiebeginn erfolgen. Eine bereits laufende MS-Therapie sollte wegen der Impfung keinesfalls unterbrochen werden, heißt es weiter. Lieber solle eine verminderte Immunantwort in Kauf genommen werden.

MS-Patienten sind mit dem Impfen indes noch gar nicht an der Reihe. Sie gehören wie andere Menschen mit Vorerkrankungen zur Priorisierungsstufe 3. Es sei denn sie sind älter als 70 oder gehören zum medizinischen Personal, dann können sie die Impfung schon früher erhalten.  

Foto: © Adobe Stock/ Konstantin Yuganov

Autor: ham
Hauptkategorien: Corona , Medizin , Prävention und Reha
 

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