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Corona-Experte Klaus Stöhr: Daten zu Schulschließungen sind niederschmetternd

Mittwoch, 15. Juni 2022 – Autor:
In zwei Wochen wird der Corona-Expertenrat der Bundesregierung die Auswertung der Pandemie-Maßnahmen vorlegen. Dabei wird es vor allem darum gehen, aus Fehlern zu lernen. Einen gravierenden Fehler verrät der neu hinzugezogene Sachverständige Klaus Stöhr vorab.
Der Bericht des Corona Expertenrats rückt näher. Schulschließungen werden offenbar ein ganz großes Thema sein

Der Bericht des Corona Expertenrats rückt näher. Schulschließungen werden offenbar ein ganz großes Thema sein – Foto: © Adobe Stock/ shangarey

Der Virologe und Epidemiologe Klaus Stöhr wurde vor kurzem in den Corona-Expertenrat der Bundesregierung berufen. Als Ersatz für den Charité Virologen Christian Drosten, der im April kurzfristig abgesprungen war. Der Bericht ist zwar in weiten Teilen fertig, schließlich ist die Deadline Ende Juni. Viel kann Stöhr also nicht mehr tun, aber er hofft, „mindestens etwas beitragen zu können, um die Wiederholung der schlimmsten Fehler in der Zukunft zu vermeiden“, wie er im Interview mit der „ZEIT“ am 14. Juni erklärt.  

Mickrige Datenbasis in Deutschland

Ein solcher vermeidbarer Fehler, aus dem man lernen könnte, dürfte etwa die mangelnde wissenschaftliche Begleitforschung sein. Stöhr, der einst bei der WHO die SARS- Forschung leitete; sieht hier eindeutige Versäumnisse im deutschen Krisenmanagement: „Wenn man unsere nun vorhandene Datenbasis mit dem Ausland vergleicht, wo es ja auch nicht vor Daten sprudelt, hat sich die Bundesregierung nicht mit Ruhm bekleckert“, sagt er. Dass anfangs Entscheidungen gefällt werden mussten, ohne dass man viele Daten hatte, liegt in der Natur der Sache. Umso wichtiger sei es, die Maßnahmen fortlaufend zu bewerten. „Begleitende Wirksamkeitsevaluierung gehört zur Seuchenbekämpfung“, so Stöhr.

 

Kitas und Schulen hätten nicht dicht gemacht werden dürfen, sagt Stöhr

Den wohl gravierendsten Fehler im Krisenmanagement mussten aus Sicht des Seuchenbekämpfungsexperten die Jüngsten ausbaden: die Kita- und Schulkinder. Über die Wirksamkeit von Grundschul- und Kita-Schließungen habe es im Gegensatz zu anderen Bereichen bereits im Jahr 2020 Daten gegeben, auch aus Deutschland. „Die vorliegenden Daten, inwieweit Schulschließungen und Maskenpflicht an Schulen wirksam waren, sind niederschmetternd“, sagt Stöhr. Die Regierenden hätten diese Daten „konsequent negiert“. Man sei bei der Stigmatisierung der Kinder geblieben - entgegen besseren wissenschaftlichen Wissens. „Mit erheblichen negativen Konsequenzen für die Kinder.“

Kollateralschäden kommen mit in den Bericht

Klaus Stöhr macht im ZEIT-Interview deutlich, dass der Expertenrat auch die Nebenwirkungen der Corona-Maßnahmen bewertet. So beschäftigt sich das Gremium unter anderem mit den wirtschaftlichen Folgen und den Auswirkungen auf unsere freiheitlich-demokratische Ordnung und das Leben in der Gesellschaft und eben der Kinder. Ohne diese Kenntnisse, so Stöhr, könne man keinen guten Kompromiss finden.

Es geht also in dem Bericht um mehr als die Frage, inwieweit die nicht-medizinischen Maßnahmen nützlich für die Seuchenbekämpfung waren. Es geht auch um die Kollateralschäden.

Hauptkategorien: Corona , Gesundheitspolitik
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