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Corona-Erkrankung erhöht Risiko für Gürtelrose

Sonntag, 24. April 2022 – Autor:
Covid-19 kann das Risiko für andere Erkrankungen erhöhen: für Diabetes zum Beispiel oder für eine Herzmuskelentzündung. Vor allem in den ersten sechs Monaten nach einer überstandenen Corona-Infektion ist auch das Erkrankungsrisiko für Gürtelrose deutlich erhöht, heißt es in einer US-Studie. Die jetzt beginnende warme Jahreszeit gilt als guter Zeitpunkt für eine Impfung dagegen.
Gürtelrose am Bauch eines Mannes.

Rote Bläschen in der typischen, gürtelartigen Form: Gürtelrose am Bauch eines Mannes. – Foto: AdobeStock/hawanafsu

Mindestens 24 Millionen Deutsche haben bereits eine Infektion mit Covid-19 durchgemacht, 2,8 Millionen sind aktuell daran erkrankt. In vielen Fällen verläuft die Infektion glimpflich und die Betroffenen sind nach kurzer Zeit wieder auf den Beinen. Was aber viele Betroffene nicht wissen: Durch die Covid-19-Erkrankung steigt auch das Risiko für andere Krankheiten – für Gürtelrose zum Beispiel.

Erhöhtes Gürtelrose-Risiko bei Frauen und Über-65-Jährigen

Vor allem in den ersten sechs Monaten nach einer überstandenen Corona-Erkrankung ist einer US-Studie zufolge das Erkrankungsrisiko für Gürtelrose deutlich erhöht. Eine aktuelle Auswertung von US-amerikanischen Krankenversicherungsdaten zeigt: Bei Menschen über 50 ist nach einer Covid-19-Erkrankung das Risiko um 15 Prozent erhöht, an Gürtelrose zu erkranken. Bei Patienten mit schweren Verläufen samt Krankenhausaufenthalt waren es sogar 21 Prozent erhöhte. Unterschiede gab es demnach auch bei den Geschlechtern und bei bestimmten Altersgruppen: So haben Frauen ein höheres Risiko als Männer. Zudem sind Personen über 65 Jahre stärker gefährdet als 50- bis 64-Jährige.

 

Immunsystem von Älteren durch Covid-19 nochmals geschwächt

Experten erklären dieses Phänomen mit einem Nachlassen der Abwehrkräfte im Alter. Ab der zweiten Lebenshälfte wird das Immunsystem – schon ohne Covid-19-Erkankung –  auf natürliche Weise schwächer. Durch eine Corona-Infektion werden vermutlich die verbliebenen Immunzellen zusätzlich geschädigt – zumindest vorübergehend. Auf diese Weise kann es dann beispielsweise auch zum Ausbruch einer Gürtelrose kommen.

Das Gürtelrose-Virus im Körper wird reaktiviert

Infolge dieser temporären Immunschwäche kann das für die Gürtelrose verantwortliche „Varizella-Zoster-Virus“, das bei einem Großteil der Bevölkerung im Körper schlummert, reaktiviert werden. Wer sich mit dem Virus ansteckt, bekommt zunächst Windpocken. Nach überstandener Windpocken-Infektion verbleibt das Virus oft jahrzehntelang inaktiv im Körper. Wird das Immunsystem nun alters-, krankheits- oder stressbedingt geschwächt, kann das Virus als Gürtelrose reaktiviert werden. Diesmal kommt die Krankheit von innen.

Insbesondere ältere Personen sind gefährdet und häufig betroffen: Mehr als 95 Prozent der über 60-Jährigen haben das Virus bereits im Körper. Gürtelrose zählt zu einer der häufigsten Erkrankungen im Erwachsenenalter: Eine von drei Personen erkrankt statistisch gesehen im Laufe ihres Lebens an Gürtelrose.

Gürtelrose erzeugt Nervenschmerzen

Eine besonders belastende, aber nicht seltene Folge der Gürtelrose sind langanhaltende, zum Teil irreversible, starke Nervenschmerzen, auch bekannt als Post-Zoster-Neuralgie. Bis zu 30 Prozent der Erkrankten erleiden diese Komplikation, die teilweise sogar stationär behandelt werden muss.

STIKO empfiehlt Gürtelrose-Impfung ab 60

Die STIKO (Ständige Impfkommission) empfiehlt Personen ab 60 Jahren und Menschen mit Grunderkrankungen bereits ab 50 Jahren eine Impfung gegen Gürtelrose. Das typische Nachlassen des Infektionsgeschehens während der Sommermonate gilt als ein idealer Zeitpunkt für die Vorsorge. Seit 2019 ist die Gürtelrose-Impfung Teil des Leistungskatalogs der gesetzlichen Krankenkassen.

Hauptkategorie: Medizin
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