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05.11.2020

Corona: Ansteckungsgefahr in Kitas „extrem gering“

Virologen der Universitätsklinik Frankfurt haben zwölf Wochen lang Corona-Abstriche aus Kindertagesstätten in Hessen untersucht. Das Ergebnis: Zwei Probanden wurden positiv getestet – Erzieherinnen. Von den Kindern war kein einziges infiziert. Das ist deshalb besonders überraschend, weil sich Erkältungen oder die saisonale Grippe in Kitas und Schulen erfahrungsgemäß sehr schnell verbreiten.
Kita-Kinder scharen sich um Erzieherin, die aus einem Buch vorliest.

In Kitas sind Masken, Abstands- und Hygieneregeln schwer durchsetzbar. Trotzdem infizieren sind sehr junge Kinder offenbar seltener mit dem Coronavirus als Erwachsene – und geben es auch nicht häufiger weiter.

Eineinhalb Meter Abstand zu allen Spielkameraden und immer schön die Maske aufbehalten? Bei Kleinkindern in Kindertagesstätten gilt das als Illusion und sogar in Schulen als nicht leicht durchsetzbar. Deshalb wird eine Frage heiß diskutiert: Können Kitas und Schulen in der Corona-Pandemie wirklich offen bleiben? Bildungseinrichtungen mit Kindern sind in der kalten Jahreszeit bekanntermaßen Drehscheiben für Erkältungen oder die saisonale Grippe. Eine repräsentative Studie von Virologen des Universitätsklinikums Frankfurt mit dem Titel „Safe Kids“ gibt jetzt erneut Entwarnung. „In den zwölf Wochen Beobachtungszeitraum hat sich wohl keines der mehr als 800 untersuchten Kinder infiziert", sagt Studienleiterin Ciesek der Wochenzeitung „DIE ZEIT“. „Die Wahrscheinlichkeit scheint also extrem gering zu sein, dass sich Kinder anstecken."

„Je jünger die Kinder, desto weniger verbreiten sie das Virus“

Überraschend ist dieser Befund insofern, als die meisten Infektionskrankheiten wie Erkältungen oder saisonale Grippe sich sehr schnell in Kitas und Schulen verbreiten. „Ausgerechnet bei Sars-CoV-2 scheint das aber nicht so zu sein", sagt Ciesek. Falls es in den kommenden Wochen darum geht, Schulen oder Kitas zu schließen, empfiehlt Ciesek, das Risiko abzuwägen: „Wenn die Zahlen nicht bald zurückgehen, würde ich empfehlen, zunächst die Oberstufenschüler zum Homeschooling zu schicken.Denn das Alter spielt eine große Rolle dabei, ob jemand das Virus verbreitet." Je jünger Kinder seien, desto weniger verbreiteten sie das Virus: „Das Risiko in einer Kita ist geringer als an einer Grundschule, das an einer Grundschule geringer als an einer weiterführenden Schule.“

Das Ergebnis so erwartet hatten die hessischen Forscher nicht. „Als wir die Studie im Sommer begonnen haben, dachten wir, dass die Kitas ein wichtiges Reservoir für den Erreger seien, aus dem heraus er sich verbreitet“, sagt Virologin Ciesek. „Wir waren überzeugt, dass man viele Kitas deswegen würde schließen müssen.“

 

Kinder: Oft ohne Symptome – und trotzdem nicht Virusverbreiter

Ein Ziel der Studie war es herauszufinden, wie empfänglich kleine Kinder grundsätzlich für Infektionen mit dem Coronavirus sind. „Kinder haben meist keine Symptome, auch wenn sie infiziert sind. Deswegen werden sie nur selten getestet“, sagt Studienleiterin Ciesek. „Wir haben aber jetzt mal gezielt solche Kinder ohne Symptome getestet, um zu sehen, ob sie nicht das Virus in sich tragen. Bei keinem von ihnen fiel der Test positiv aus. Das passt sehr gut zu anderen Ergebnissen, etwa aus Mailand. Dort wurden auch asymptomatische Kinder getestet, sehr wenige davon waren Virusträger, weniger als Erwachsene, obwohl die Zahl der Corona-Infektionen zu dem Zeitpunkt dort hoch war."

Studie in Düsseldorf vom Juli gab ebenfalls Entwarnung

Seit der ersten Corona-Welle im Frühjahr 2020 haben sich Wissenschaftler bereits wiederholt mit der Frage beschäftigt, ob Einrichtungen mit quirligen Kindern oder Jugendlichen bei der Weiterverbreitung der COVID-19-Krankheit nicht womöglich eine zentrale Rolle spielen. Kinder zeigen nach einer Infektion mit dem Coronavirus häufig, wie schon beschrieben, keine Symptome. Gerade darin sehen viele ein Risiko, denn Infektionen können so unbemerkt weitergegeben werden. Hinzu kommt, dass insbesondere kleine Kinder kaum Abstands – und Hygieneregeln befolgen können.

Zuletzt im Juli haben Forscher des Universitätsklinikums Düsseldorf über einen Zeitraum von vier Wochen 5.200 Kinder und Mitarbeiter in 115 Düsseldorfer Kitas zweimal wöchentlich auf eine mögliche Infektion mit dem neuartigen Coronavirus getestet. In den innerhalb der Studie ausgewerteten Proben der Düsseldorfer Studie wurde nur bei einem Kind eine Infektion festgestellt. Allerdings gab es weitere Infektionen bei Kindern und Erwachsenen in den Einrichtungen, die nicht an der Studie teilgenommen hatten. Das Gesundheitsamt der Stadt Düsseldorf meldete im Studienzeitraum insgesamt zwei Infektionen beim Personal und acht bei Kita-Kindern. Trotz dieser Fälle war das Infektionsgeschehen in den Kindereinrichtungen der NRW-Landeshauptstadt aber nicht überproportional angestiegen.

Kita-Kinder: Infektionsgeschehen wie in der Gesamtbevölkerung

„Die Häufigkeit von Infektionen bei Kita-Kindern spiegelt am ehesten das Infektionsgeschehen in der Bevölkerung insgesamt wider. Hier zeigt sich in Kitas kein Unterschied zur Häufigkeit von Infektionen außerhalb von Kitas“, sagte damals Jörg Timm, der Direktor des Instituts für Virologie der Uniklinik Düsseldorf. Allerdings ließe sich aus den Daten nicht ablesen, welche Bedeutung Kinder als Infektionsquelle hätten. Die aktuelle Studie aus Frankfurt dagegen erforschte auch diese Frage.

Weitere Studie zu Corona und Kindern in Baden-Württemberg

Wissenschaftler von vier Universitätsklinika in Baden-Württemberg hatten im April und Mai im Auftrag des Landes Eltern-Kind-Paare auf aktuelle oder unbemerkt überstandene Corona-Infektionen hin untersucht. Die Studie ergab, dass die getesteten Kinder seltener mit SARS-CoV-2 infiziert waren als die Erwachsenen  – nämlich weniger als halb so oft.

Foto: AdobeStock/gpointstudio

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Hauptkategorie: Medizin
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