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Corona: Angst vor Infektion am Arbeitsplatz groß

73 Prozent der Beschäftigten in Deutschland wollen in ihr ursprüngliches Arbeitsumfeld zurückkehren, sobald es die Corona-Lage zulässt. Nur: Einer klaren Mehrheit reichen die bisher in den Unternehmen getroffenen Infektionsschutzmaßnahmen nicht aus, um sich am Arbeitsplatz wohl- und sicher zu fühlen. Das ergibt sich aus dem „Randstad Arbeitsbarometer“. Als besonders gefährlich gilt die Arbeit im Großraumbüro.
Arbeitskollegen klatschen sich die Hände ab, um einen Erfolg zu feiern.

Ein Bild wie aus der guten alten Zeit vor Corona. Fast drei Viertel der Arbeitnehmer wünschen sich, dass sie möglichst bald wieder in ihre ursprüngliche Arbeitsumgebung zurückkehren können, zeigt das „Randstad Arbeitsbarometer".

Im beruflichen Umfeld steigt die Zahl der Corona-Infektionen nach Beobachtungen des Robert Koch-Instituts weiter an. Ansteckung am Arbeitsplatz macht inzwischen elf Prozent der nachvollziehbaren Corona-Ausbrüche aus. Damit ist die Wahrscheinlichkeit größer, sich im Büro anzustecken als im Krankenhaus oder im Alten- und Pflegeheim. Dies führt zu vielen Arbeitnehmern zu Verunsicherung, denn: Die meisten Arbeitnehmer wünschen sich bei einem möglichen baldigen Abklingen der Covid-19-Pandemie in Deutschland eine Rückkehr zur Normalität im Job. Das ergibt sich aus dem aktuellen „Randstad Arbeitsbarometer 1. Hj. 2021“.

„Arbeitsplätze müssten viel sicherer sein“

 „73 Prozent der Arbeitskräfte wollen wieder in ihr ursprüngliches Arbeitsumfeld zurückkehren, sobald es die Situation zulässt“, heißt es in der jetzt veröffentlichten Studie des Personaldienstleisters Randstad, die seit 2003 durchgeführt und halbjährlich neu aufgelegt wird. „Allerdings glauben die meisten, dass Arbeitsplätze viel sicherer sein müssen, als sie es jetzt sind.“ 60 Prozent fühlen sich demnach an stationären Arbeitsplätzen nicht sicher, solange die Kollegen um sie herum nicht gegen Covid-19 geimpft sind. Eine Mehrheit von 53 Prozent zieht es aus diesem Grund auch vor, weiterhin von zu Hause aus zu arbeiten, bis flächendeckend geimpft ist.

 

Im Großraumbüro: Besonders große Infektionsgefahr

Forscher der TU Berlin haben errechnet, wo sich die meisten Menschen mit dem Coronavirus infizieren. Demnach kommt es fast ausschließlich in geschlossenen Räumen zu Virusübertragungen. Als Arbeitsplatz mit besonders hohem Infektionsrisiko gilt dabei das Großraumbüro. Den Zahlen der TU Berlin zufolge ist die Gefahr, sich anzustecken, im Großraumbüro (mit Abstand, aber ohne Maske) achtmal so groß wie beim Einkaufen im Supermarkt (mit Maske) und 16-mal so groß wie beim Friseur (mit Maske).

Rückkehrwille erst bei Eindämmung des Coronavirus

 „Zahlreiche Unternehmen ermöglichen ihrer Belegschaft wo möglich Fernarbeit“, sagt Klaus Depner, Manager Health & Safety bei Randstad Deutschland. Im aktuellen Arbeitsbarometer berichteten 50 Prozent der Arbeitskräfte von strengen Sicherheitsprotokollen für die Arbeit zu Hause oder vor Ort. Doch bleibe das Risiko einer Corona-Infektion am stationären Arbeitsplatz bestehen, solange das Virus nicht ausreichend eingedämmt sei. „Aus diesem Grund werden die Impfstoffe von vielen Menschen als essenziell für den Schutz der Belegschaft angesehen, wenn diese in die Büros und andere Einrichtungen zurückkehren sollen", sagt der Experte für Sicherheit am Arbeitsplatz weiter.

Jeder Vierte sagt: Vorgesetzte motivieren zu Covid-19-Impfung

Von 17 Prozent der Beschäftigten verlangt ihr Arbeitgeber, sich impfen zu lassen. 27 Prozent berichten davon, dass ihre Vorgesetzten versuchten, Anreize zu schaffen, um sie zur Impfung zu motivieren. „Eine allgemeine Impf-Pflicht in Unternehmen ist ein schwieriges Unterfangen – und vermutlich nur in Ausnahmefällen möglich. Ein Belohnungssystem für eine Impfung verspricht einen größeren Mehrwert. Doch für Überlegungen wie diese muss die Impf-Priorisierung erst einmal aufgehoben werden", erklärt Klaus Depner.

Bessere Arbeitsplatzsicherheit – bessere Personalbindung

Bei einem ist der Randstad Gesundheitsexperte sich sicher: „Wenn Unternehmen das Thema Arbeitssicherheit nicht ganz oben auf ihre Agenda setzen, kann das langfristig dazu führen, dass sie Mitarbeiter:innen verlieren." Bislang sieht es jedoch gut aus für deutsche Unternehmen: 50 Prozent der Beschäftigten wollen aufgrund ihrer Corona-Erfahrungen langfristig bei ihrem aktuellen Arbeitgeber bleiben.

Kontakte bei der Arbeit: „R-Wert deutlich über 1“

Die mit Abstand größte Infektionsgefahr machen Wissenschaftler der TU Berlin bei Zusammenkünften im privaten Bereich aus. Einen deutlichen Anteil am Infektionsgeschehen sehen sie aber auch in Schulen und bei den Vor-Ort-Arbeitsplätzen. Grundsätzlich gelten alle Formen von Treffen in Innenräumen als besonders infektionstreibend. Für Kontakte bei der Arbeit errechneten die Forscher (wenn nicht in Einzelbüros gearbeitet wird und ohne Maske) mit „einen R-Wert deutlich über 1“. Der R-Wert (Basis-Reproduktionszahl), ist der Indikator für die Dynamik einer Pandemie. Ein R-Wert von 1 bedeutet, dass ein Infizierter „nur“ eine weitere Person ansteckt und die Zahl der Infizierten unterm Strich stagniert. Ein R-Wert von über eins dagegen bedeutet, dass infizierte Personen das Virus weiterverbreiten und das Infektionsgeschehen an Fahrt gewinnt.

Foto: AdobeStock/Jacob Lund

Hauptkategorie: Corona
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