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COPSY-Studie zeigt, wie Kinder unter der Pandemie leiden

Mittwoch, 16. Februar 2022 – Autor:
Trotz leicht rückläufiger Zahlen sind Kinder und Jugendliche weiterhin psychisch stark belastet. Das geht aus der dritten Befragungsrunde der COPSY-Studie hervor. Psychische Auffälligkeiten finden sich erneut vor allem bei Kindern und Jugendlichen aus sozial benachteiligten Familien.
Die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die sich durch die Corona-Pandemie psychisch belastet fühlen, ist weiterhin hoch.

Die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die sich durch die Corona-Pandemie psychisch belastet fühlen, ist weiterhin hoch. – Foto: © Adobe Stock/ Gargonia

Kinder haben in dieser Pandemie enormes in Kauf nehmen müssen, um Erwachsene und insbesondere ältere Menschen zu schützen. Die COPSY-Studie untersucht seit dem ersten Lockdown die psychischen Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche zwischen 7 und 17 Jahren. Nun liegen die Ergebnisse der dritten Befragungsrunde vor. Die Studienergebnisse beziehen sich auf den Zeitraum von Mitte September bis Mitte Oktober 2021. Mehr als 1100 Kinder und Jugendliche und mehr als 1600 Eltern wurden dafür online befragt.

Dritte Befragung bildet Situation im Herbst 2021 ab

Danach hat sich die Lebensqualität der Kinder und Jugendlichen im Herbst 2021 insgesamt etwas verbessert. Dennoch fühlen sich auch eineinhalb Jahre nach Pandemiebeginn mehr als ein Drittel der Kinder und Jugendlichen in ihrer Lebensqualität eingeschränkt. Ebenfalls leicht zurückgegangen sind Ängstlichkeit und depressive Symptome. Es waren aber immer noch etwa zehn Prozentpunkte mehr als vor der Pandemie.

Acht von zehn Kindern fühlen sich nach wie vor durch die Pandemie belastet. Diese Belastungen zeigen sich etwa an Stresssymptomen wie Gereiztheit, Einschlafproblemen, Niedergeschlagenheit oder Kopf- und Bauchschmerzen.

 

Psychische Belastung weiterhin höher als vor der Pandemie

„Nach einer langen Phase der Belastung zu Beginn der Pandemie haben sich die Lebensqualität und das psychische Wohlbefinden der Kinder und Jugendlichen im Herbst 2021 leicht verbessert“, resümiert COPSY-Studienleiterin Prof. Dr. Ulrike Ravens-Sieberer, Forschungsdirektorin der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). Die Zahlen seien im Vergleich zu präpandemischen Daten zwar immer noch hoch, „wir wissen aber auch, dass nicht alle Kinder, die belastet sind, mit einer Angststörung oder Depression reagieren.“

Die Studie zeige, so Ravens-Sieberer, „dass die Öffnung der Schulen sowie der Sport- und Freizeitangebote und das Ende der strikten Kontaktbeschränkungen, zum psychischen Wohlbefinden und zur Steigerung der Lebensqualität der Kinder und Jugendlichen beitragen." Stabile Familienverhältnisse seien aber immens wichtig.

Lernen immer noch schwierig

So belegt die COSPY-Studie, dass vor allem Kindern und Jugendlichen aus sozial benachteiligten Familien besonders häufig von psychischen Störungen betroffen sind.

Die Belastungen in der Familie und der Schule haben sich im Vergleich zu den ersten beiden Befragungen leicht verbessert. Die Kinder und Jugendlichen berichtet über weniger Streit in der Familie, über weniger schulische Probleme und ein besseres Verhältnis zu ihren Freunden. Dennoch: Trotz überwiegend geöffneter Schulen erlebt rund die Hälfte der Kinder und Jugendlichen Schule und Lernen weiterhin als anstrengender im Vergleich zu vor Corona.

Die COPSY (Corona und Psyche) ist eine Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE). Sie ist bundesweit die erste bevölkerungsbasierte Längsschnittstudie. Die Ergebnisse der dritten Befragung “Child and adolescent mental health during the COVID-19 pandemic: Results of the three-wave longitudinal COPSY study”, sind soeben auf einem Preprint-Server erschienen.

Hauptkategorien: Corona , Medizin
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