Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

COPD dritthäufigste Todesursache, aber wenig gegoogelt

Die Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) ist weltweit die dritthäufigste Todesursache. Trotzdem fehlt ein öffentliches Bewusstsein für die Erkrankung, die fast immer durch Rauchen verursacht wird. Das berichten Forscher nach einer Analyse von Google-Trends.
COPD, Todesursache

Beim Vergleich der Google-Suchanfragen unter den zehn, nach WHO-Klassifikation häufigsten Todesursachen rangiert COPD nur auf Platz 8

Die Chronisch obstruktive Lungenerkrankung - kurz COPD - weist hohe Sterblichkeitsraten auf. Mittlerweile steht die „Raucherkrankheit“ an dritter Stelle der weltweit häufigsten Todesursachen. Dennoch scheint die COPD in den Köpfen der Menschen viel zu wenig verankert zu sein. „Obwohl die Prävalenz und die Sterblichkeitsrate von COPD weltweit kontinuierlich ansteigen, bleibt die Chronisch obstruktive Lungenerkrankung oft unerkannt und nicht diagnostiziert“, sagt Alex Pizzini, Lungenfacharzt am Universitätsklinikum Innsbruck.

COPD bei Google nur auf Platz 8

Gemeinsam mit Kollegen führte Pizzini eine Analyse von Google-Trends durch, in der überprüft wurde, nach welchen Krankheiten in den Industrienationen am häufigsten gegoogelt wird. Dabei zeigte sich, dass Internetnutzer am häufigsten nach Diabetes, Schlaganfall und Brustkrebs suchen. Die COPD steht im Google-Ranking erst an achter Stelle.

„COPD wird viel seltener gesucht, als Menschen daran erkranken“, schließt Pizzini aus den Studienergebnissen. Immerhin leide in Österreich jeder Zehnte an einer COPD, nach dem 70. Lebensjahr sei es schon jeder Vierte. Den Daten von Statistik-Austria zufolge wurde von 2002 bis 2016 in Österreich ein Anstieg der Todesraten von COPD Patienten von über 60 Prozent registriert.

 

90 Prozent der COPD-Patienten sind Raucher

COPD ist eine typische Rauchererkrankung. Über 90 Prozent der COPD-Patienten sind Raucher oder haben einmal geraucht. Auch Passivrauchen kann eine COPD auslösen. Erste Symptome sind der Raucherhusten.

„Vor dem Hintergrund des fehlenden Krankheitsbewusstseins wird der Raucherhusten allzu oft bagatellisiert“, sagt Studienleiter Ivan Tancevski. Symptome wie erhöhte Schleimbildung und chronischer Husten sollten deshalb vor allem für Raucher und Raucherinnen Grund genug sein, Atemwege und Lunge untersuchen zu lassen.

Die Ergebnisse der Untersuchung wurden jetzt im Fachjournal European Respiratory Journal veröffentlicht.

Umbau der Lunge durch Entzündung

Der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung liegt eine chronische Entzündung der unteren Atemwege zugrunde. Diese andauernde Entzündungsreaktion bewirkt Veränderungen und Umbauprozesse, die eine bleibende Verengung der Bronchien und Bronchiolen bedingen. Chronische Symptome wie Husten, Auswurf und Atemnot sind möglich, fortgeschrittene Stadien sind häufig mit Lungenemphysem assoziiert, betroffene Patienten benötigen häufig eine chronische Sauerstoffversorgung.

Weiter kommt es zu zahlreichen Begleiterkrankungen. Schon eine geringe Abnahme der Lungenfunktion steigert das Herzinfarktrisiko. Das Risiko für eine Herzinsuffizienz ist bei COPD  um das sechsfache erhöht, das Schlaganfallrisiko zehn Mal höher. Sogenannte Exazerbationen (akute Verschlimmerung der Erkrankung), die in der dritten und vierten Krankheitsstufe zunehmend auftreten und in schweren Fällen eine Aufnahme in der Intensivstation notwendig machen, führen in zehn Prozent der Fälle zum Tod, das Sterblichkeitsrisiko bleibt bis zu einem Jahr danach noch um bis zu 40 Prozent erhöht.

„Mit einem höheren Bewusstsein und einer rechtzeitigen Diagnose könnten jedoch Risikofaktoren wie etwa das Rauchen eliminiert, Exazerbationen verhindert und Begleit- bzw. Folgeerkrankungen entsprechend behandelt werden“, so die Studienautoren aus Innsbruck.

Foto: (c)MUI

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Lungenerkrankungen , COPD , Rauchen
 

Weitere Nachrichten zum Thema

19.04.2020

Raucher und Patienten, die als Folge des Rauchens an der chronischen Lungenkrankheit COPD leiden, gehören zu den Risikogruppen bei Covid-19. Wissenschaftler aus Kanada haben jetzt eine weitere Erklärung dafür gefunden, warum das so ist. Ihr Rat: Um mit dem Rauchen aufzuhören, ist es nie zu spät. Wer es jetzt schafft, kann das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf nach einer Coronainfektion senken.

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten

Sich gegen Krebs impfen lassen so wie gegen Masern oder Mumps? Ganz so weit ist die Medizin noch nicht – mit einer Ausnahme: wenn Infektionen bei der Entstehung von Krebs eine Rolle spielen. „Humane Papillomviren“ (HPV) verursachen vor allem Gebärmutterhalskrebs. Sie werden oft beim ersten Sex übertragen und es existiert ein Impfstoff dagegen. Trotzdem ist mehr als die Hälfte der Jugendlichen immer noch nicht geimpft.

 
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin