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Contergan-Opfer fordern Antikorruptionsgesetz

Dienstag, 3. Oktober 2017 – Autor:
Vor 60 Jahren kam das Schlafmittel Contergan auf den Markt. Jetzt fordert der Bund Contergangeschädigter und Grünenthalopfer mit einer Petition ein bundesweites Antikorruptionsgesetz. Damit soll eine weitere Vetternwirtschaft zwischen Politik und Wirtschaft verhindert werden.
Der Conterganskandal liegt lange zurück. Doch an den Verflechtungen zwischen Politik und Wirtschaft hat sich wenig geändert. Viele Conterganopfer leben heute von Sozialhilfe

Der Conterganskandal liegt lange zurück. Doch an den Verflechtungen zwischen Politik und Wirtschaft hat sich wenig geändert. Viele Conterganopfer leben heute von Sozialhilfe

Der Vorsitzende des Bundes Contergangeschädigter und Grünenthalopfer e.V. (BCG) Andreas Meyer fordert den neu gewählten Bundestag durch eine Petition dazu auf, ein bundesweites Antikorruptionsgesetz zu erlassen. Meyer, selbst schwerst contergangeschädigt, erhofft sich davon, dass zweifelhafte Verflechtungen zwischen Wirtschaft und Politik künftig mit empfindlichen Sanktionen belegt und somit verhindert werden. Außerdem soll das Gesetz die Gründung einer Bundesbehörde zur Bekämpfung der Korruption im Spannungsfeld von Wirtschaft und Politik mit staatsanwaltlichen Befugnissen implizieren, teilte der Verein nun mit. „Der Ausgang des Conterganskandals erinnert mich an viele andere Wirtschaftsskandale: Die Hauptschadenslast trägt die steuerzahlende Allgemeinheit, die verursachenden Unternehmen zahlen nur einen Bruchteil oder gar nichts“, sagt Meyer.

1957 nahm der Conterganskandal seinen Lauf

Zur Erinnerung: Am 1. Oktober 1957 brachte die Firma Grünenthal in Stolberg bei Aachen das Schlaf- und Beruhigungsmittel Contergan auf den Markt. Das thalidomidhaltige Präparat hatte sich zuvor keiner ordnungsgemäßen Prüfung unterzogen und war vom Hersteller als sicher eingeschätzt worden. Eine fatale Fehleinschätzung: Denn Schwangere, die das Mittel einnahmen, brachten Kinder mit schweren Missbildungen, etwa fehlenden Armen und Beinen, zur Welt. Erst 1961 zog Grünenthal Contergan aus dem Handel, nachdem die Presse den Skandal aufgedeckt hatte.

Bis der Conterganstrafprozess eröffnet wurde, dauerte es weitere sieben Jahre. Maßgeblichen Einfluss auf das Verfahren nahm der damalige Justizminister des Landes Nordrhein-Westfalen, Josef Neuberger (SPD). Dessen Anwaltssozietät vertrat im Prozess einen der Grünenthalverantwortlichen. 1970 wurde der Strafprozess schließlich "wegen Geringfügigkeit" eingestellt.

 

Aberwitzige Entschädigung für die Opfer

Doch das ist nur der erste Teil des Conterganskandals. Der zweite besteht darin, wie die Conterganopfer entschädigt wurden. Das 1972 erlassene Conterganstiftungsgesetz sprach den Geschädigten eine Mini-Rente zu, die nicht annähernd zum Leben reichte. Viele Conterganopfer müssen bis heute von Sozialhilfe leben. Mit dem Gesetz wurde ihnen zugleich das Recht genommen, Grünenthal auf Schadensersatz zu verklagen. Erst im Jahr 2013 - also 41 Jahre später - wurde die Rente versechsfacht. Die Rente und die Sozialhilfe zahlen aber nicht Grünenthal, sondern die Steuerzahler. 

Andreas Meyer hofft deshalb auf breite Solidarität: „Ich bin von Politikern dieses Landes durch das Conterganstiftungsgesetz zugunsten Grünenthals hinsichtlich meiner Schadensersatzansprüche enteignet und zur zwangsweisen Wohlfahrtsannahme verurteilt worden“, sagt er. „Das ist entwürdigend. Und der Steuerzahler zahlt die Zeche. In Wirklichkeit bin ich Grünenthalopfer."

Die Petition von Andreas Meyer kann  unter dem folgenden Link unterschrieben und weitergeleitet werden. www.openpetition.de/petition/online/60-jahre-contergan-fuer-ein-bundesweites-antikorruptionsgesetz

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