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08.10.2021

Conn-Syndrom: Heilbarer Bluthochdruck wird oft erst spät erkannt

Bluthochdruck kann durch die Überproduktion des Hormons Aldosteron in den Nebennieren ausgelöst werden. Dieses Conn-Syndrom wird oft erst spät oder gar nicht diagnostiziert. Dabei ist es heilbar.
Eine Störung in den Nebennieren (gelb) kann Bluthochdruck verursachen

Bluthochdruck kann durch die Überproduktion des Hormons Aldosteron in den Nebennieren ausgelöst werden. Dieses Conn-Syndrom wird oft erst spät oder gar nicht diagnostiziert. Dabei ist es heilbar. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) hin.

1,5 bis 2 Millionen Deutsche seien unerkannt daran erkankt. Diagnostiziert werden aber nur etwa 1.000 Patienten pro Jahr. Dabei gibt es effektive Therapien gegen die Hormonstörung. Etwa ein Drittel der Patienten muss nach der Behandlung keine Hochdruckmedikamente mehr einnehmen.

Überproduktion des Hormons Aldosteron

Das Hormon Aldosteron verhindert, dass beim Wasserlassen Natrium über die Niere verloren geht. Damit verbunden hält es auch Wasser zurück, wodurch der Blutdruck steigt. "Normalerweise ist die Produktion von Aldosteron in ein hormonelles Netzwerk eingebunden, das Blutdruck und Flüssigkeitshaushalt reguliert", erklärt Prof. Martin Reincke von der Ludwig-Maximilians-Universität München.

In den Nebennieren, kleine Drüsen, die die Nieren wie winzige Mützen bedecken, werden gleich mehrere Hormone gebildet. Eines davon ist Aldosteron. Beim Conn-Syndrom hat sich Aldosteron der Kontrolle durch andere Hormone entzogen. Es kommt zur Überproduktion, der Blutdruck steigt. Gleichzeitig verliert der Körper Kalium. Das Blut wird alkalisch, der pH-Wert steigt auf über 7,45.

 

Conn-Syndrom: Heilbarer Bluthochdruck oft erst spät erkannt

Diese Alkalose gehört zusammen mit einem Kaliummangel und einem Bluthochdruck zu den drei klassischen Zeichen eines Conn-Syndroms. In den meisten Fällen sei jedoch nur der Blutdruck erhöht, berichtet Reincke. Daher wird der heilbare Bluthochdruck oft erst spät erkannt. "Im Durchschnitt liegen zwischen der Erstdiagnose des Bluthochdrucks und des Conn-Syndroms zehn Jahre", erklärt der Mediziner.

Dies ist bedauerlich, da der Hochdruck beim unerkannten Conn-Syndrom fünf- bis zehnmal häufiger zu Herzinfarkt, Schlaganfall oder Herzversagen führt als bei anderen Hochdruckerkrankungen. Ein Grund ist die schlechte Wirkung der üblicherweise eingesetzten Medikamente.

Warnhinweise für das Conn-Syndrom

Ein Blutdruck, der trotz drei verschiedener Medikamente auf Dauer über 140/90 mmHg liegt, ist deshalb ein Warnhinweis, ebenso wie ein Kaliummangel im Blut, eine Vergrößerung der Nebenniere im Ultraschall, bekannte Erkrankungen in der Familie oder ein Schlaganfall vor dem 40. Lebensjahr.

Sechs Prozent der Bluthochdruckpatienten in der Allgemeinarztpraxis leiden am Conn-Syndrom, zehn Prozent der Patienten in spezialisierten Blutdruckzentren und bis zu 30 Prozent der Betroffenen mit therapieresistentem Bluthochdruck. Der erste Schritt zu Diagnose sind Labortests. Neben einer Hormon-Bestimmung gehört dazu ein Kochsalzbelastungstest, bei dem normalerweise der Aldosteron-Wert sinkt.

Aldosteron-Konzentration in den Nebennieren geprüft

Ist dies nicht der Fall, sollten die Patienten zur abschließenden Diagnose an eine Fachklinik überwiesen werden. Dort wird mit einem Katheter die Aldosteron-Konzentration in den Venen der beiden Nebennieren bestimmt. Ist die Konzentration nur auf einer Seite erhöht, kann das Conn-Syndrom durch die Entfernung einer Nebenniere geheilt werden. Dies ist laut Reincke bei etwa einem Drittel der Patienten der Fall. Viele benötigen nach der Operation dann keine Blutdrucksenker mehr. 

Wenn beide Nebennieren zu viel Aldosteron produzieren, ist eine Operation nicht möglich. Dann helfen Aldosteron-Antagonisten, die das Hormon durch die Blockade der Rezeptoren auf den Zellen ausschalten.

Patienten-Register verbessert die Behandlung

Die Behandlungsergebnisse des Conn-Syndroms hätten sich auch durch das von ihm gegründete Patienten-Register verbessert, das seit 2006 alle Daten aus führenden Behandlungszentren in Deutschland sammelt. "Das Register hilft uns, die Diagnostik, Behandlung und Betreuung dieser Patienten zu verbessern sowie Standards für eine Qualitätskontrolle festzulegen", so der Münchner Mediziner.

Foto: Adobe Stock/Shidlovski

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