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Computergestützte Vorhersagemodelle in der Schlaganfall-Forschung

Prävention und Therapie des Schlaganfalls verbessern und die Lebensqualität von Schlaganfallpatienten erhöhen – das ist das Ziel der neuen internationalen Precise4Q-Studie an der Berliner Uniklinik Charité.
Im Test: computergestützte Vorhersagemodelle in der Schlaganfall-Forschung

Auch Bild-Daten fließen in die Computermodelle ein.

Um dieses Ziel zu erreichen, setzen die internationalen Wissenschaftler unter der Leitung von Dr. Dietmar Frey von der Klinik für Neurochirurgie der Charité auf computergestützte Vorhersagemodelle in der Schlaganfall-Forschung. Sie sollen perspektivisch eine personalisierte, optimierte medizinische Betreuung ermöglichen. Das Projekt startet jetzt im Mai und wird auf EU-Ebene über das Forschungs- und Innovationsprogramm „Horizon 2020“ finanziert.

Precise4Q hat das Ziel, die Belastung durch Schlaganfall zu senken – und das sowohl für die betroffenen Patienten und ihre Angehörigen als auch für die Gesellschaft insgesamt. Denn ein Schlaganfall ist mit hohen gesundheitsökonomischen Belastungen verbunden.

„Precise4Q wird klinisch messbare und nachhaltige Auswirkungen haben und zu einem besseren Verständnis von Risiko- und Gesundheitsfaktoren, sowie der individuellen Widerstandsfähigkeit von Schlaganfallpatienten führen. Wir wollen in Zukunft während aller Krankheitsphasen des Schlaganfalls eine präzise personalisierte Therapiestrategie anbieten, die die Lebensqualität des individuellen Menschen, dessen Rechte und Autonomie im Fokus haben“, so Frey über das Projekt.

Big Data in der Schlaganfall-Forschung

Für Precise4Q werden europaweit große Datenmengen gesammelt und in selbstlernende Computermodelle integriert. Diese Vorhersagemodelle sollen personalisierte Präventions- und Behandlungsstrategien für Schlaganfall-Patienten möglich machen. Personalisierte Bewältigungsstrategien sind ebenso Bestandteil des Forschungsprojektes wie die Unterstützung des subjektiven Wohlbefindens und die Wiedereingliederung der Betroffenen in das soziale Leben.

Die selbstlernenden Computermodelle werden dafür mit den verschiedensten medizinischen Daten gespeist. Auch Daten aus der medizinischen Bildgebung fließen ein. Für die Analyse werden alle Daten standardisiert. Auf diese Weise entstehen strukturierte Datensätze, die das Futter für die computergestützten Vorhersagemodelle bilden. Die Vorhersagekraft der Modelle und Simulationen überprüfen die Wissenschaftler anhand von Vergleichen mit Daten von Gesunden und Patienten in retrospektiven und prospektiven Studien.

 

Computergestützte Vorhersagemodelle in der Schlaganfall-Forschung als Entscheidungshilfen

Die entstandenen Vorhersagemodelle sollen in eine umfassende digitale Informationsplattform integriert werden, die sogenannte Digital Stroke Patient Platform. Diese Plattform sollen Ärzte und Krankenhäuser als Unterstützungssystem für klinische Entscheidungen nutzen können.

„Mit Precise4Q werden wir einen entscheidenden Impuls zur personalisierten, zielgerichteten und verantwortungsvollen Nutzung von digitalen Daten für die Medizin geben“, zeigt sich Projektkoordinator Frey überzeugt.

Außerdem ist geplant, eine europäische Modellplattform für Schlaganfall-Forschung zu entwickeln. Unter dem Titel Europe-Stroke soll sie als offene Forschungsplattform zur Förderung der Wissenschaft im Sinne von Open Science beitragen.

Foto: psdesign1 - fotoliacom

Autor: Angela Mißlbeck
Hauptkategorien: Berlin , Medizin
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