Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
20.04.2019

Comics können Aufklärung vor OP verbessern

Patienten müssen vor einer Operation umfassend über den geplanten Eingriff aufgeklärt werden. Forscherinnen der Charité – Universitätsmedizin Berlin konnten jetzt am Beispiel der Herzkatheteruntersuchung zeigen, dass ein Comic dabei helfen kann.
Herzkatheteruntersuchung, Stent, Comic, Aufklärung, Operation

Comics können die Aufklärung vor einer OP verbessern und Angstgefühle reduzieren

Vor einem operativen Eingriff müssen Patienten umfassend über den Verlauf informiert werden. Zudem werden sie über den medizinischen Nutzen sowie potenzielle Risiken aufgeklärt. Bei Menschen mit koronarer Herzkrankheit hat sich aber beispielsweise gezeigt, dass sie das Grundprinzip einer anstehenden Herzkatheteruntersuchung trotz Aufklärung oft nicht vollständig erfassen können und somit den Nutzen dieser Maßnahme falsch einschätzen. Forscherinnen der Charité – Universitätsmedizin Berlin konnten nun zeigen, dass bildliche Darstellungen im Stil eines Comics das Verständnis der Patienten für den Eingriff erhöhen und damit und damit Angstgefühle reduzieren können.

Mehr Zufriedenheit nach Aufklärung durch Comic

Die Kardiologinnen Prof. Dr. Verena Stangl und Dr. Anna Brand entwickelten gemeinsam mit der Wissenschaftskommunikatorin Alexandra Hamann und der Illustratorin Sophia Martineck ein 15-seitiges Comic, das die Herzkatheteruntersuchung sowie die Einsetzung eines Stens bildlich veranschaulicht. Um den Nutzen zu untersuchen, wurden 121 Patienten vor der Herzkatheteruntersuchung entweder nur in einem ärztlichen Gespräch anhand des offiziellen Aufklärungsbogens informiert oder zusätzlich durch die bildliche Darstellung. Mit Hilfe von Fragebögen vor und nach dem Gespräch wertete das Wissenschaftlerteam aus, wie gut die Betroffenen den Eingriff verstanden hatten, wie stark ihr Angstgefühl ausgeprägt war und ob sie mit der Aufklärung zufrieden waren.

Wie sich zeigte, erwies sich die Aufklärung durch das Comic in allen Bereichen als hilfreich: Patienten, die zusätzlich die bebilderte Broschüre bekommen hatten, konnten mehr Fragen zur Vorgehensweise, den Risiken und wichtigen Verhaltensregeln nach dem Eingriff korrekt beantworten als diejenigen, die nur die klassische Aufklärung erhalten hatten. Zudem gaben die Befragten nach der Comic-Lektüre an, weniger besorgt zu sein als vor dem Aufklärungsgespräch. Insgesamt zeigten sich rund 72 Prozent der Probanden mit der Comic-Aufklärung zufrieden und fühlten sich gut auf die Herzkatheteruntersuchung vorbereitet – nach der Standard-Aufklärung waren es nur 41 Prozent.

 

Neue Aufklärungsmethode hilft Patienten

„Wie wir in unserer Pilotstudie jetzt zeigen konnten, eignet sich dieses Comic tatsächlich dazu, die Betroffenen besser auf den Eingriff vorzubereiten“, erklärte Prof. Stangl, und Dr. Brand fügte hinzu: „Ein Comic ermöglicht, komplexe Inhalte sowohl textlich als auch visuell zu erfassen und dies verbessert erwiesenermaßen das Verstehen bei den verschiedenen Lerntypen.“ Außerdem lasse ein Comic – im Gegensatz zu einem Video – den Lesern so viel Zeit zum Erfassen der Inhalte wie sie benötigen. „Unsere Studie konnte jetzt erstmals nachweisen, dass medizinische Comics als ergänzendes Aufklärungsmaterial sehr wirkungsvoll sind“, so Brand. „In Zukunft wollen wir untersuchen, ob sich diese positiven Effekte auch auf andere medizinische Eingriffe übertragen lassen.“

Grafik: Brand, Gao, Hamann, Martineck, Stangl/Charité

Autor: anvo
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Operation , Gefäßerkrankungen , Stent , Kardiologie
 

Weitere Nachrichten zum Thema Arzt-Patienten-Kommunikation

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Sommerhitze kann Spaß und Freibad bedeuten –aber auch in der Notaufnahme enden. Der Körper trocknet aus, mit der Folge, dass der Kreislauf verrücktspielt, Menschen verwirrt sind oder die Reaktionsfähigkeit im Straßenverkehr sinkt. Das Wichtigste ist: viel trinken, aber nicht zu Kaltes. Denn das verstärkt das Schwitzen – und damit das Problem.


Covid-Patienten scheinen schneller zu genesen, wenn sie ACE-Hemmer vorübergehend absetzen. Entsprechende Hinweise liefert eine klinische Studie. Vor allem ältere Patienten mit Herz-Kreislauf-Problemen profitieren demnach von einer Pause.
 
Interviews
Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.


Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.
Logo Gesundheitsstadt Berlin