. Entzündliche Darmerkrankungen

Colitis ulcerosa: Stuhltransplantation kann helfen – zumindest vorübergehend

Eine Stuhltransplantation kann Patienten mit leichter bis mittelschwerer Colitis ulcerosa helfen. In einer randomisierten klinischen Studie wurde bei jedem dritten Patienten ein Rückgang der Symptome festgestellt. Meist war die Verbesserung jedoch nicht von Dauer.
Colitis ulcerosa, entzündliche Darmerkrankungen, Stuhltransplantation, fäkale Bakterientherapie, Mikrobiom

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen haben vermutlich verschiedene Ursachen - ein gestörtes Mikrobiom gehört auch dazu

Colitis ulcerosa ist eine chronisch entzündliche Darmerkrankung. Bei den Patienten ist neben einer genetischen Veranlagung, Umweltfaktoren und einer Fehlregulierung des Immunsystems die natürliche Bakterienbesiedelung des Darmes gestört, was zu Symptomen wie starken Durchfällen, Bauchschmerzen und zum Teil auch zu Fieber führt. Die Erkrankung verläuft in Schüben, die Wochen, Monate oder auch Jahre anhalten können. Seit einiger Zeit erproben Mediziner eine neue Therapie, die Stuhltransplantation. Dabei werden Fäkalkeime gesunder Menschen auf den Patienten übertragen. Nun konnte in einer randomisierten klinischen Studie gezeigt werden, dass eine solche Übertragung fäkaler Bakterien bei jedem dritten Patienten mit leichter bis mittelschwerer Colitis ulcerosa eine Remission erzielt wurde. Sie hielt jedoch nur bei wenigen Patienten über 12 Monate an.

Behandlung auf eine Woche verkürzt

Bisher sind zur Stuhltransplantation bei Colitis ulcerosa vor allem Fallberichte publiziert worden sowie einige kleinere randomisierte Studien durchgeführt worden. Dabei waren meist mehrere Übertragungen notwendig, um eine Remission der Symptome zu erreichen. Dadurch zog sich die Behandlung bisher über mehrere Wochen bis Monate hin.

Nun ist es Forschern um Samuel Costello vom Queen Elizabeth Hospital in Adelaide gelungen, die Prozedur auf eine Woche verkürzen. An der Studie nahmen 73 Patienten mit leichter bis mittelschwerer Colitis ulcerosa teil. Dazu wurde jeweils eine Darmspiegelung durchgeführt, bei der 200 ml einer fäkalen Bakterien­suspension in das Kolon eingeführt wurden, gefolgt von zwei weiteren Einläufen mit jeweils 100 ml einige Tage später. Nach einer Woche war die Behandlung abgeschlossen.

 

Anaerobe Bakterien helfen bei Colitis ulcerosa

Für die Studie nutzten die Wissenschaftler eine andere Methode zur Gewinnung der Bakteriensuspension als sonst, nämlich unter anaeroben Bedingungen. Dadurch können auch Bakterien übertragen werden, die unter Sauerstoffeinfluss absterben. Da die anaeroben Bakterien im Darm jedoch in der Mehrheit sind, erhofften sich die Forscher durch diese Art der Herstellung eine bessere Wirksamkeit. Um eine doppelte Verblindung zu erreichen, erhielten alle Patienten eine Stuhltransplantation; bei der Hälfte der Probanden wurde dies jedoch aus den eigenen Stuhlproben hergestellt, so dass hier keine Wirkung erwartet wurde.

Symptomfreiheit teilweise bis zu einem Jahr

Nach acht Wochen zeigte die Koloskopie, dass eine steroidfreie Remission der Colitis ulcerosa bei 12 von 38 Patienten (32 Prozent), die eine Stuhltransplantation von gesunden Spendern erhalten hatten, zu verzeichnen war. In der Kontrollgruppe kam es nur bei drei von 35 Probanden (9 Prozent) zur Remission. Von den Patienten, bei denen die Stuhltransplantation angeschlagen hatte, waren nach 12 Monaten noch fünf symptomfrei.

Eine Teilremission erreichten nach der fäkalen Bakterientherapie 21 von 38 (55 Prozent der mit der Bakterientransplantation behandelten Patienten gegenüber acht von 35 Patienten in der Kontrollgruppe. Bei vier Patienten waren die Entzündungen bei der Kontrollkoloskopie komplett abgeheilt; das erreichte kein Patient in der Placebogruppe. Im Allgemeinen wurde die Behandlung gut vertragen.

Erfolg der Stuhltransplantation nur begrenzt

Um festzustellen, wie sich die Stuhltransplantation auf die Diversität der Bakterien im Darm auswirkte, untersuchten die Forscher die Stuhlproben mehrfach auf Veränderungen im Mikrobiom. Es zeigte sich, dass nach vier bis acht Wochen eine Zunahme der Bakterienvielfalt zu verzeichnen war, die allerdings nicht unbedingt mit dem Behandlungserfolg korrelierte. Besonders stark hatten die anaeroben Bakterien zugenommen. Allerdings war nach 12 Monaten die Diversität wieder reduziert.

In einem Kommentar erklärte Colleen Kelly von der Brown University in Providence/Rhode Island, dass die fäkale Bakterientherapie vermutlich nur in Ausnahmefällen zu einer Ausheilung der Colitis ulcerosa führen würde. Es sei falsch, die Erkrankung nur mit einer Störung der Darmflora zu erklären. Allerdings könne die Stuhltransplantation eine sinnvolle Ergänzung zu anderen Therapien, wie zum Beispiel mit Immunmodulatoren und Biologika sein. Um das zu bestätigen, müssten aber noch weitere Analysen durchgeführt werden. Die aktuelle Studie wurde im Journal JAMA veröffentlicht.

Foto: © Sebastian Kaulitzki - Fotolia.com

Autor:
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Morbus Chron , Autoimmunerkrankungen , Darm
 

Weitere Nachrichten zum Thema Colitis ulcerosa

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Die chronisch obstruktive Lungenkrankheit, kurz COPD, gilt als typische Raucherkrankheit. Doch auch Nichtraucher können daran erkranken. Forscher haben nun eine mögliche Ursache gefunden.
Mindestens 192 Menschen sind in den ersten sieben Monaten dieses Jahres beim Baden in deutschen Gewässern ertrunken. Angesichts der Hitzewelle rechnet die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) mit einem Anstieg der Fälle und gibt Tipps, damit aus dem Badespaß kein Ernst wird. An Flüssen, Seen und am Meer lauern ganz unterschiedliche Gefahren.
 
 
. Interviews
Hitzewellen sind eine reale Gefahr für die Gesundheit und lassen die Mortalitätsrate ansteigen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem wissenschaftlichen Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Freiburg, Prof. Dr. Andreas Matzarakis, über Hitzewarnsysteme und die Auswirkungen von Hitzewellen auf unsere Gesundheit gesprochen.
Das Essen in deutschen Krankenhäusern hat keinen besonders guten Ruf. Dabei lässt sich mit wenig Mehraufwand viel erreichen. Der Internist und Ernährungsmediziner Prof. Dr. Christian Löser erklärt die medizinischen und ökomischen Effekte einer gesunden Ernährung im Krankenhaus.
Pflegekräfte sind in der Coronakrise wichtiger denn je und gleichzeitig besonders gefährdet. Das persönliche Engagement ist und bleibt dennoch hoch. Über Wertschätzung, Sicherheitsrisiken und die Gefahr der Selbstausbeutung in Pflegeberufen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Pflegeexperten Thomas Meißner gesprochen.