. Deutsche Umwelthilfe warnt

Coffee-to-go-Pappbecher: Kaffeegenuss mit Chemikalien

Dank Corona-Krise ist die Luft in Städten besser geworden. Die Verwendung von umwelt- und klimaschädlichen Einwegverpackungen ist dagegen in die Höhe geschnellt. Jeder Kaffee aus einem plastikbeschichteten Pappbecher ist ein Kontakt zu Chemikalien, die gesundheitsschädlich sind, warnt die Deutsche Umwelthilfe: für Erwachsene und Jugendliche – und sogar für ungeborene Kinder.
Coffee-to-go-Becher

2,8 Milliarden Wegwerfbecher fallen jährlich in Deutschland an. 60 Prozent davon sind plastikbeschichtete Pappbecher, die gesundheitsschädliche Chemikalien enthalten können.

1,6 Milliarden Pappbecher mit Kunststoffbeschichtung fallen in Deutschland jedes Jahr an – für den unkomplizierten Coffee-to-go zwischendurch aus der Bäckerei, am Bahnhof oder an der Tankstelle. Das Problem: Die einmal und nie wieder verwendeten Becher belasten nicht nur die Umwelt; sie können auch die Gesundheit schädigen.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) warnt jetzt vor giftigen Chemikalien, die in der Kunststoffbeschichtung des Einweggeschirrs nachgewiesen wurden und beim Kaffeetrinken in den Organismus gelangen können. „Die per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS) aus Einwegbechern reichern sich in Organismen an und können schädlich für Menschen sein, da sie sehr langsam ausgeschieden werden und sich vor allem an Proteinen im Blut, in der Leber und Niere anlagern“, heißt es in einer Mitteilung der Umwelthilfe. Besonders bedenklich sei, dass die Substanzen während Schwangerschaft und Stillzeit ungewollt von der Mutter zum Kind weitergegeben werden könnten. Mögliche Folgen: ein geringes Geburtsgewicht bei Säuglingen. Bei Erwachsenen können die Gifte demnach die Infektanfälligkeit erhöhen.

Kaffeebecher-Chemikalien im Blut von Kindern nachgewiesen

Anlass für DUH zur Warnung vor Giftstoffen in Kaffeebechern ist eine aktuelle Studie des Umweltbundesamts, die die Verwendung von per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen in kunststoffbeschichtetem Einweggeschirr bestätigt. PFAS werden eingesetzt, um die darin enthaltene Polythylenfolie wasserabweisend zu machen. Laut DUH wurden die giftigen Substanzen bereits im Blut von Kindern und Jugendlichen nachgewiesen. Trotz möglicher Gesundheitsrisiken sei die Verwendung dieser Chemikaliengruppe aber bisher weitgehend unreguliert, kritisiert die Umwelthilfe. Die Umweltorganisation fordert deshalb – ebenso wie das Umweltbundesamt – ein Verbot des Einsatzes von PFAS in Verpackungen mit Lebensmittelkontakt und rät Verbraucherinnen und Verbrauchern dazu, für die Gesundheit unbedenkliche und klimafreundliche Mehrwegbecher zu nutzen.

 

Alternativen zum Coffee-to-go-Pappbecher:

  • Kaffee nicht mitnehmen, sondern vor Ort aus Porzellantassen trinken
  • eigenen Mehrwegbecher zur Wiederbefüllung mitbringen (Edelstahl, Porzellan)
  • lebensmittelechte Mehrweg-Kunststoffbecher nutzen, die Coffee-to-go-Anbieter inzwischen gegen Pfand anbieten.

„Wer auf Nummer sicher gehen und seinen Tee, Kakao oder Kaffee ohne Chemikalien genießen will, der sollte das aus Mehrwegbechern, zum Beispiel aus Edelstahl oder Porzellan, tun. Aber auch lebensmittelechte Mehrweg-Kunststoffbecher aus Polypropylen sind unbedenklich", erklärt der DUH-Leiter für Kreislaufwirtschaft, Thomas Fischer.

Corona-Krise: Ungebremster Anstieg von To-go-Verpackungen

„Angesichts des ungebremsten Anstiegs von to-go-Verpackungen für Speisen und Getränke und der möglichen Gesundheitsgefahren ist es notwendig, das vor zwei Wochen vom Bundeskabinett beschlossene Verbot für Einweg-Kunststoffprodukte auch auf Einwegbecher und -essensboxen aus kunststoffbeschichteter Pappe auszuweiten“, sagte die stellvertretende Bundesgeschäftsführerin der DUH, Barbara Metz. Nach Angaben der Umwelthilfe beteiligt sich bisher nur eine Minderheit von großen Café-Ketten, Bäckereien, Tankstellen oder Gastronomiebetrieben an Mehrwegbechersystemen. Da Freiwilligkeit trotz vielfacher Werbung mit Umweltfreundlichkeit und Nachhaltigkeit nicht wirklich funktioniere, fordert die Umwelthilfe die Festlegung einer gesetzlichen Mehrwegquote. Große Coffee-to-go-Ketten, Bäckereien und Kantinenbetreiber sollten dazu verpflichtet werden, ein flächendeckendes System mit Mehrwegpfandbechern aufzubauen.

Deutschland: 2,8 Milliarden Wegwerfbecher pro Jahr

Nach Angaben der Deutschen Umwelthilfe erzeugen die Deutschen im Jahr einen Müllberg von rund 2,8 Milliarden Einweg-Bechern. Das sind 320.000 Becher für Kaffee, Tee oder andere Heißgetränke pro Stunde und 5.300 in der Minute. Allein in Berlin werden jeden Tag etwa 460.000 Coffee-to-go-Becher verbraucht, heißt es in einer Studie des Marktforschungsgesellschaft TNS Emnid. Von den insgesamt 2,8 Milliarden Bechern sind 1,66 Milliarden Pappbecher mit Kunststoffbeschichtung, 1,14 Milliarden sind Kunststoffbecher aus Polystyrol, die häufig über Kaffeeautomaten ausgegeben werden.

Weggeworfene Einwegbecher kehren als Mikroplastik im Essen zurück

Nach Angaben der DUH werden die Pappbecher größtenteils aus neuen Rohstoffen hergestellt und sind – wegen der Vermischung von Materialien – auch nur schwer zu recyceln. Viele benutzte Einwegbecher für Heißgetränke werden demnach achtlos weggeworfen und verschmutzen Straßen, öffentliche Plätze und die Natur. Wenn weggeworfene Pappbecher in der Umwelt verbleiben, dann baut sich die Pappe zwar ab, nicht jedoch der Kunststoff. Das Plastik zerfällt in winzige Teilchen und gelangt als Mikroplastik in die Umwelt und kann sich in Nahrungskreisläufen anreichern.

Foto: AdobeStock/Robert Kneschke

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Hauptkategorie: Medizin
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