Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
27.11.2019

Clostridium difficile: Wie sich ein Bakterium auf Krankenhäuser spezialisiert hat

Europaweit tauchen immer häufiger Infektionen mit Clostridium difficile in Krankenhäusern auf. Folgen sind meist Durchfälle, Bauchschmerzen und Fieber. Forscher haben nun herausgefunden, wie sich das Bakterium durch genetische Veränderungen auf das Überleben in Krankenhäusern spezialisiert hat.
Clostridium difficile, Krankenhauskeim

Der Keim Clostridium difficile ist überall zu finden. Doch erst, wenn er sich stark vermehrt, macht er Probleme.

Das Bakterium Clostridium difficile kommt weltweit vor und findet sich in der Umwelt und im Darm gesunder Menschen und Tiere. Bei längerer Einnahme von Antibiotika kann sich der Keim vermehren und Giftstoffe ausscheiden. Die Folgen können Darmentzündungen mit zum Teil schweren Durchfällen sein. Am häufigsten treten Infektionen mit Clostridium difficile bei Patienten in Kliniken auf. Der Keim gehört zu den am stärksten verbreiteten Krankenhauskeimen.

Hohe Ansteckungsgefahr

Clostridium diffice ist hoch ansteckend. Die Übertragung erfolgt meist über eine Schmierinfektion: Die Bakterien werden mit dem Stuhl ausgeschieden, und kleinste Reste können dann von Erkrankten über die Hände weitergereicht werden. Allerdings wird nicht jeder nach einer Ansteckung krank.

Sehr widerstandsfähige Dauerformen des Bakteriums, sogenannte Sporen, können auch außerhalb des Magen-Darm-Traktes überleben, manchmal sogar jahrelang. Die Übertragung dieser Sporen kann über Gegenstände oder Flächen wie Toiletten, Türklinken oder Handläufe erfolgen. Die Sporen sind oft schwierig zu beseitigen und können auch eine Behandlung mit Desinfektionsmitteln überleben.

 

Auf menschliche Ernährung eingestellt

Wie es dem Erreger gelungen ist, so „erfolgreich“ zu werden, haben Forscher um Trevor Lawley vom Wellcome Sanger Institute in Hinxton bei Cambridge untersucht. Dabei stellten sie fest, dass sich in Krankenhäusern ein Stamm ausgebreitet hat, der besonders widerstandsfähige Sporen bildet.

Dieser Stamm namens Clade A kann zudem Glukose leichter verwerten. Dies sei in Anbetracht der heutigen Ernährungs­gewohn­heiten einen Selektionsvorteil gegenüber anderen Bakterien, so die Forscher. Die Ergebnisse ihrer Untersuchungen veröffentlichten sie im Fachmagazin „Nature Genetics“

Spezielle Ernährung könnte Infektionsrisiko senken

Die Wissenschaftler konnten auch zeigen, dass sich Clade A nach einer Antibiotikabehandlung schneller im Darm vermehrt als andere Keime. Darin könnte einer seiner Hauptvorteile bestehen. Clade A macht den Forschern zufolge heute etwa 70 Prozent der in Kliniken isolierten Vertreter von Clostridium difficile aus.

Für die Behandlung von Patienten könnten die Erkenntnisse wertvoll sein. So wäre es unter Umständen möglich, durch die Ernährung während einer Antibiotikabehandlung das Risiko für eine Infektion mit Clostridium difficile zu senken. Das müsste allerdings noch durch weitere Studien bestätigt werden.

Foto: © Kateryna_Kon - Fotolia.com

Autor: anvo
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Krankenhauskeime
 

Weitere Nachrichten zum Thema Clostridium difficile

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten

Long-Covid stellt Ärzte vor ein Rätsel. Wegen der enormen Krankheitslast –- etwa jeder zehnte Covid-Patient ist betroffen – wird immerhin intensiv daran geforscht. Was Ärzte inzwischen über das komplexe Krankheitsbild wissen, hat Gesundheitsstadt Berlin Experten gefragt. Eine Zusammenfassung der aktuellen Erkenntnisse.

Patienten mit Immunerkrankungen: Bildet ihr Immunsystem nach einer Corona-Impfung überhaupt genügend Antikörper? Und falls nein: Was kann man tun? Diese Fragen haben Wissenschaftler des „Deutschen Zentrums Immuntherapie“ untersucht. Ein überraschendes Ergebnis: Viele Immunkranke vertragen die Impfung offenbar besser als mancher Gesunde.
 
Kliniken
Interviews
Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.


Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.
Logo Gesundheitsstadt Berlin