Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Cladribin kurz vor Zulassung

Dienstag, 27. Juni 2017 – Autor: anvo
Zur Behandlung der schubförmig-remittierenden Multiplen Sklerose könnte bald eine weitere orale Therapie zur Verfügung stehen. Das wissenschaftliche Beratergremium der Europäischen Arzneimittelagentur hat für Cladribin ein positives Votum gegeben.
Tabletten gegen MS

Bei MS stehen mittlerweile auch Tabletten als Therapien zur Verfügung – Foto: ©BestForYou - stock.adobe.com

In den vergangenen Jahren sind mehrere orale Medikamente zur Behandlung von Multipler Sklerose (MS) auf den Markt gekommen. Auch für Cladribin gibt es einen Antrag auf Zulassung. Diesen hat der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) nun positiv für die Behandlung der hochaktiven schubförmigen MS positiv beurteilt, wie der Hersteller Merck mitgeteilt hat. Cladribin soll die Anzahl der weißen Blutkörper, der Lymphozyten, verringern, die bei der Entstehung und dem Verlauf von MS eine große Rolle spielen.

Cladribin kann Schubfrequenz reduzieren

Bereits im Jahr 2011 wurde für Cladribin ein Antrag auf Zulassung gestellt, der jedoch negativ beschieden wurde. Merck hatte daraufhin angekündigt, die damals noch laufenden Studien fortzuführen, um weitere Erkenntnisse zu erhalten. Nun hat das Unternehmen aufgrund der neuen Datenlage einen erneuten Zulassungsantrag gestellt, der am 22. Juni 2017 von der CHMP ein positives Votum erhalten hat. Damit ebnet das Gremium den Weg zur europaweiten Zulassung durch die Europäische Kommission.

Nach Einschätzung der CHMP ist Cladribin in der Lage, die Schubfrequenz bei MS zu reduzieren sowie die Behinderungs-Progression zu verlangsamen. Der Wirkstoff stört die Synthese der DNA bei der Zellteilung der Lymphozyten, so dass diese zugrunde gehen. Zu den bedeutendsten Nebenwirkungen des Medikaments zählen schwere und langanhaltende Lymphopenien sowie ein erhöhtes Risiko für Infektionen, wie zum Beispiel die Reaktivierung von Herpes Zoster.

 

Mehr orale Therapien bei MS

Wird Cladribin tatsächlich zugelassen, wäre es die vierte orale Therapie der MS in Deutschland. Weitere oral verfügbare Wirkstoffe sind Dimethylfumarat, Teriflunomid und Fingolimod. Andere MS-Therapien werden als Injektion gegeben und müssen von den Patienten meist mehrmals wöchentlich selbst gespritzt werden oder werden in größeren Abständen per Infusion beim Arzt verabreicht. Die Entscheidung der Europäischen Kommission über die Zulassung von Cladribin wird bis spätestens Ende des nächsten Quartals erwarten. In der Regel folgt die EMA den Empfehlungen des Beratergremiums.

Foto: © BestForYou - Fotolia.com

Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Multiple Sklerose
 

Weitere Nachrichten zum Thema Multiple Sklerose

05.09.2018

Multiple Sklerose entsteht nach landläufiger Meinung durch körpereigene T-Zellen. Offenbar spielen aber auch andere Abwehrzellen eine Rolle. Forscher konnten erstmals nachweisen, dass B-Zellen die angriffslustigen T-Zellen im Blut aktivieren. Das könnte den Wirkmechanismus neuer MS-Medikamente erklären.

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten

Während es die Evolution so eingerichtet hat, dass Babys gern geknuddelt werden, um sich gesund zu entwickeln, sind Berührungen unter Erwachsenen nicht mehr so selbstverständlich. Dabei sind für sie genauso wichtig und gesund. Beispiel: Stressabbau.

 
Interviews
Affenpocken verlaufen in der Regel harmlos. Doch nicht immer. Dr. Hartmut Stocker, Chefarzt der Klinik für Infektiologie am St. Joseph Krankenhaus in Berlin Tempelhof, über die häufigsten Komplikationen, die Schutzwirkung der Impfung und den Nutzen von Kondomen.

Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin