. Schmerzen

Chronische Schmerzen nach Operation häufig

Auch zwei Jahre nach einer Operation leiden viele Menschen unter Schmerzen, die auf den Eingriff zurückzuführen sind. Das fanden Forscher der Universität Witten-Herdecke heraus. Am häufigsten treten dabei Schmerzen an Rücken und Knie auf.
Chronische Schmerzen nach OP häufig

Eine Operation kann Auslöser für chronische Schmerzen sein.

Auch wenn die Wunden verheilt sind, leiden viele Patienten nach einer Operation noch langfristig unter Schmerzen. Wie Ärzte der Universität Witten-Herdecke berichten, klagen zwei Jahre nach einer Operation fast 15 Prozent der Patienten über ständige Schmerzen, die auf den Eingriff zurückzuführen sind.

Für ihre Studie hatten die Forscher Fragebögen an alle 3.020 Patienten, die innerhalb eines Jahres im Lehrkrankenhaus der Universität operiert worden waren, verteilt. 911 ausgefüllte Fragebögen erhielten die Wissenschaftler zurück. Darin berichteten 522 Patienten auch längere Zeit nach der Operation über Schmerzen, deren Intensität auf einer Skala von eins bis zehn bei mindestens drei Punkten lag.

Über zwei Jahre nach Operation noch Schmerzen

Bei 215 Personen hielten die Schmerzen mehr als zwei Jahre an und wurden daher als chronisch bezeichnet. Nach genauerer Analyse stellte das Forscherteam um Dr. Christian Simanski fest, dass die Schmerzen von 83 Teilnehmern eindeutig auf die Operation zurückzuführen waren.

Überraschenderweise führten nicht nur größere Operationen, sondern auch minimal-invasive Eingriffe wie eine Arthroskopie zu chronischen Schmerzen. 50 Prozent der Patienten, die unter CPSP (Chronic Postsurgical Pain) litten, waren wegen eines Unfalls oder orthopädischer Probleme behandelt worden, 33 Prozent wurden am Bauch und 17 Prozent an den Gefäßen operiert. Insgesamt war bei über 30 Prozent der Teilnehmer mehr als ein Jahr nach der Operation ein erneuter Eingriff notwendig.

Wund- und Nervenschmerzen vermeidbar

Die größten Probleme bereiteten den Patienten nach der Operation Schmerzen an den Gelenken, vor allem am Rücken und am Knie. An zweiter Stelle kamen Wundschmerzen (37,7 Prozent), dicht gefolgt von Nervenschmerzen. Gerade Wund- und Nervenschmerzen sind den Forschern zufolge potenziell vermeidbar, da sie meistens durch eine Verletzung der Nerven während des Eingriffs induziert werden. Es können aber auch entzündliche Prozesse im Bereich der Wunde eine Rolle spielen.

Die Forscher stellten auch fest, dass bei Patienten, die bereits kurz nach der Operation unter starken Schmerzen litten, das Risiko für eine Chronifizierung besonders hoch war. Vermutlich kommt es durch die anhaltenden Schmerzreize zu Umformungen und schließlich zu einer Übererregbarkeit im zentralen Nervensystem. Die Autoren empfehlen daher schon während einer Operation, die als besonders schmerzträchtig gilt, eine intraoperative Nervenblockade.

Foto: © Tobilander - Fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorie: Medizin

Weitere Nachrichten zum Thema Operation

| Jede zehnte von jährlich 160.000 Knie-Operationen in Deutschland ist aus Expertensicht überflüssig. Die Barmer GEK rät ihren Versicherte daher, vor dem Eingriff eine Zweitmeinung einzuholen. Dazu hat die Krankenkasse Verträge mit Spezialisten abgeschlossen.

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Bei Frauen mit genetisch bedingtem Lungenhochdruck kann Östrogen eine Rolle bei der Erkrankung spielen. Experimente zeigen nun, dass Medikamente, die das Östrogen hemmen, der Erkrankung vorbeugen und auch zu ihrer Behandlung dienen können.
Knapp drei Millionen Tiere sterben in Deutschland jedes Jahr für die Forschung – viele davon umsonst, weil sich die Ergebnisse aus Tierversuchen oft nicht auf Menschen übertragen lassen. Nun wurde ein Modellsystem ausgezeichnet, das Tierversuche in der Schlaganfallforschung ersetzen soll.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Die Blutvergiftung, fachsprachlich „Sepsis“, ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Und sie gilt als die am häufigsten vermeidbare. Gesundheitsstadt Berlin hat anlässlich des Welt-Sepsis-Tags am 13. September mit Prof. Konrad Reinhart von der Universität Jena über das Thema gesprochen. Der Vorsitzende der deutschen Sepsis-Stiftung vertritt die These: Die tatsächliche Zahl der Sepsis-Fälle ist doppelt so hoch wie die der registrierten.
Kinder suchtkranker Eltern sind besonderen Belastungen ausgesetzt und haben ein hohes Risiko, später selbst eine Sucht oder andere psychische Erkrankungen zu entwickeln. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Marlene Mortler über die Situation betroffener Kinder und die Notwendigkeit von Unterstützungsangeboten gesprochen.
Die Berichterstattung über Methadon als Krebsmittel weckt große Hoffnungen. Doch wie sieht eigentlich die rechtliche Seite aus, wenn Ärzte ein Medikament außerhalb des Zulassungsbereichs (Off-Label) verschreiben? Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Medizinrechtler Prof. Dr. Christian Dierks gesprochen, welche Risiken Ärzte eingehen und ob Patienten einen Anspruch auf einen individuellen Heilversuch mit Methadon haben.