Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Chronische Schmerzen können Suizid-Ursache sein

Mittwoch, 27. März 2019 – Autor: anvo
Viele Millionen Menschen in Deutschland leiden unter chronischen Schmerzen. Nicht selten sind diese für die Betroffenen so unerträglich, dass sie sich das Leben nehmen. Eine US-Studie zeigt: Fast neun Prozent der Menschen, die sich das Leben genommen haben, hatten vorher chronische Schmerzen.
Chronische Schmerzen

Chronische Schmerzen können zermürbend sein; eine fachkundige Behandlung ist daher unbedingt notwendig – Foto: ©fizkes - stock.adobe.com

Schätzungen zufolge leiden zehn bis zwanzig Prozent der Bundesbürger, also etwa 12 Millionen Menschen, unter chronischen Schmerzen. Damit zählen chronische Schmerzen zu den größten Gesundheitsproblemen in Deutschland. Jährlich verursachen sie Kosten in Höhe von 38 Milliarden Euro – allein 28 Milliarden aufgrund von Arbeitsunfähigkeit und Berentung. Zudem schränken chronische Schmerzen die Lebensqualität extrem ein, und das häufig so stark, dass sich Betroffene das Leben nehmen. In einer Studie konnten Forscher nun zeigen, dass fast neun Prozent der Personen, die Suizid begangen haben, chronische Schmerzen in der Vorgeschichte hatten. Die Ergebnisse ihrer Studie veröffentlichten die Wissenschaftler in den „Annals of Internal Medicine“.

Schmerzen können eigenständiger Grund für Suizid sein

Das Forscherteam  um Emiko Petrosky vom Center for Disease Control and Prevention (CDC) hatte die Daten von über 120.000 Suiziden ausgewertet. Bei über 10.000 Personen (8,8 Prozent) fanden sich Hinweise auf eine chronische Schmerzerkrankung. Am häufigsten litten die Patienten unter Rückenschmerzen, Schmerzen durch Krebs oder Arthritis. Mehr als die Hälfte hatte sogar mehrere Erkrankungen, die mit Schmerzen einhergingen.

Nicht überraschend war, dass bei vielen Suizid-Opfern auch psychische Erkrankungen eine Rolle spielten. Doch sie waren bei den Schmerzpatienten, die sich das Leben nahmen, nicht häufiger als bei denen ohne Schmerzerkrankung. Alkohol- oder Drogenprobleme, Partnerkonflikte oder eine akute Lebenskrise waren sogar seltener, was dafür spricht, dass die Schmerzen ein wichtiger und eigenständiger Beweggrund für den Suizid waren.

Die Forscher vermuten, dass der Anteil der Menschen, die sich wegen chronischer Schmerzen das Leben nehmen, tatsächlich noch wesentlich höher sein könnte, da nicht alle Menschen über ihre Schmerzprobleme sprechen. In den Abschiedsbriefen, welche den Wissenschaftlern zur Auswertung vorlagen, hatten sogar zwei Drittel der Betroffenen angegeben, dass Schmerzen ein wesentlicher Grund für ihre Tat waren.  

 

Chronische Schmerzen beim Spezialisten behandeln

Von chronischen Schmerzen spricht man, wenn der Schmerz länger als 12 Wochen anhält oder über diesen Zeitraum regelmäßig wiederkehrt. Der chronische Schmerz hat dann häufig seine Funktion als Warnsignal verloren und lässt nicht mehr notwendigerweise eine Zusammenhang mit den ursprünglichen Ursachen erkennen. Chronische Schmerzen gelten daher nicht als Symptom, sondern als eigenständiges Krankheitsbild.

Häufig entwickelt sich bei den Betroffenen auch ein sogenanntes Schmerzgedächtnis. Dabei werden die Nervenzellen durch die ständigen Schmerzreize überempfindlich und reagieren irgendwann auf kleinste, selbst harmlose Reize mit Schmerzsignalen. Deshalb ist es so wichtig, akute Schmerzen angemessen und vor allem rechtzeitig zu behandeln. Sind die Schmerzen bereits chronisch geworden, raten Experten, einen ausgebildeten Schmerzmediziner oder ein Schmerzzentrum aufzusuchen. Allerdings fehlen in Deutschland Schätzungen zufolge Tausende solcher speziell ausgebildeten Ärzte.

Foto: © fizkes - Fotolia.com

Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Depression , Suizid , Schmerzen
 

Weitere Nachrichten zum Thema Chronische Schmerzen

26.10.2020

Die Studie PAIN2020 steht ab sofort allen Patienten mit chronischen Schmerzen offen. Die Teilnehmer profitieren von einer interdisziplinären Behandlung und verschiedenen Therapiemodulen. Zudem unterstützen sie die Wissenschaft.

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Die Wirkungen und Nebenwirkungen der Schutzmaßnahmen in der Corona-Krise seien kaum zu beurteilen. Das erklärte Prof. Hendrik Streeck am Freitag in Berlin. Der Virologe gehört zu der Sachverständigenkommission, die diese evaluieren sollte.

Hunde haben einen außergewöhnlichen Geruchssinn. In Studien wurde bereits gezeigt, dass sie eine akute Covid-19-Infektion erkennen können. Jetzt wurde das auch für Long-Covid gezeigt. Über das Phänomen berichtet die Tierärztliche Hochschule Hannover.

 
Interviews
Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin