. Interstitielle Zystitis

Chronische Harnblasenentzündung: Neun Jahre bis zur richtigen Diagnose

Die Interstitielle Zystitis ist eine chronische Entzündung der Harnblasenwand. Dass die Betroffenen einen langen Leidensweg haben, zeigt eine Studie aus Deutschland. Danach vergehen im Schnitt neun Jahre bis zur richtigen Diagnose.
Die Interstitielle Zystitis wird oft mit einem Harnwegsinfekt verwechselt

Die Interstitielle Zystitis wird oft mit einem Harnwegsinfekt verwechselt, ist jedoch eine chronische Entzündung der Harnblasenwand.

Die Symptome ähneln einem Harnwegsinfekt: Häufiger Harndrang, Blasenkrämpfe und Schmerzen beim Wasserlassen und im Unterleib. Doch die interstitielle Zystitis ist weder ein Harnwegsinfekt noch eine Reizblase: Es handelt sich um eine chronische Entzündung der Harnblasenwand, dem keine bakterielle Infektion zugrunde liegt. Antibiotika sind deshalb hier nicht wirksam. Dennoch werden sie oft verschrieben, weil Ärzte eben meist einen Harnwegsinfekt vermuten. Das Tückische: Liegt zusätzlich ein Harnwegsinfekt vor, hilft ein Antibiotikum zunächst und die Beschwerden gehen zurück. Die Krankheitsursache, die Interstitielle Zystitis, bleibt jedoch unentdeckt.

So kehren die vermeintlichen Harnwegsinfektionen immer wieder – bis sich im Laufe der Jahre die typischen Symptome der Interstitiellen Zystitis zeigen: Die Schmerzen werden immer stärker, der Harndrang immer häufiger, vor allem nachts.  Im späteren Krankheitsverlauf kann ein dauerhaft vorhandener „Grundschmerz“ entstehen, der durch Schmerzspitzen noch verstärkt wird.

Langer Leidensweg

Wegen den Parallelen zu anderen Erkrankungen wird die Interstitielle Zystitis meist lange nicht erkannt. Fast die Hälfte der Patienten sucht über 20-mal einen Arzt auf, ehe die richtige Diagnose gestellt wird. Durchschnittlich vergehen so neun Jahre. Diese Zahlen legt eine Studie aus Deutschland offen. Basis bildete eine Umfrage unter 270 Betroffenen mit Interstitieller Zystitis aus dem Jahr 2013. Die Patienten waren überwiegend Frauen (94 %). Das Durchschnittsalter der Frauen lag bei knapp über 50 Jahren. Die Experten gehen davon aus, dass etwa ein Drittel der Patienten schon vor ihrem 30. Lebensjahr erste Beschwerden haben, die sich über die Jahre der Erkrankung unbehandelt verschlimmern.

 

Wie wird eine Interstitielle Zystitis diagnostiziert

Entscheidend ist zunächst die Abgrenzung zum Harnwegsinfekt. Dabei hilft ein sogenanntes Miktionstagebuch, in dem Trink- und Toilettenverhalten sowie Dauer, Zeitpunkt und Stärke der Schmerzen über einige Tage aufgezeichnet  werden. Für eine sichere Diagnose der Interstitiellen Zystitis sind dann eine Blasenspiegelung (Zystoskopie) beim Urologen notwendig, da sich damit krankheitstypische Veränderungen des Blasengewebes (Hunner-Läsionen oder Glomerulationen) erkennen lassen. Die Leitlinie „Diagnostik und Therapie der Interstitiellen Zystitis IC/BPS“ empfiehlt außerdem eine Biopsie, um andere Erkrankungen wie zum Beispiel einen Blasenkrebs auszuschließen. Je früher die Interstitielle Zystitis erkannt wird, desto besser kann sie behandelt werden.

Behandlung

Die Autoren der Patientenleitlinie empfehlen für die medikamentöse Behandlung den Wirkstoff Pentosanpolysulfat (PPS). Das als Kapsel verfügbare Pentosanpolysulfat repariert die geschädigte Blasenschleimhaut und verhindert so, dass Harnbestandteile in die Blasenschleimhaut eindringen und dort Reizungen und Entzündungen verursachen. 

Die Studie: Jocham D, Froehlich G, Sandig F, Ziegler A. Die Versorgungssituation von Patienten mit Interstitieller Zystitis in Deutschland. Urologe. 2013

Foto: © andriano_cz - Fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorien: Medizin , Gesundheitspolitik
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Blasenstörung
 

Weitere Nachrichten zum Thema Blasentzündungen

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Der Countdown läuft: Am1. Januar 2020 muss das Bundesteilhabegesetz in großen Teilen umgesetzt sein. Wo steht Berlin und wo gibt es noch offene Baustellen? Gesundheitsstadt Berlin hat darüber mit Repräsentanten des Landes Berlin, Kassenvertretern und Leistungserbringern diskutiert. Eine Bestandsaufnahme.
Wenn sich winterliche Temperaturen durchsetzen, leiden viele Menschen vermehrt unter wetterbedingten Beschwerden. Besonders häufig sind dabei Kopfschmerzen, die durch Kälte und Wind hervorgerufen werden. Ausreichender Kopfschutz, aber auch Abhärtung und eine gesunde Lebensweise können helfen.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

Friedrich von Bodelschwingh-Klinik Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Landhausstraße 33 – 35, 10717 Berlin

Französische Friedrichstadtkirche (Französischer Dom) | Gendarmenmarkt 5 | 10117 Berlin (Mitte)
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

Campus Charité Mitte, Charité Comprehensive Cancer Center, Invalidenstraße 80, 10115 Berlin, Barrierefreier Zugang über Virchowweg 23 auf dem Campusgelände Ebene 3 | Konferenzraum (Raum 03 001)
 
. Interviews
Senioren fühlen sich heute jünger als früher – und sind es Studien zufolge auch. Doch woran liegt das und was bedeutet Alter heute überhaupt? Über diese und andere Fragen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem renommierten Alternspsychologen Prof. Dr. Hans-Werner Wahl gesprochen.