Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Chronische Harnblasenentzündung: Neun Jahre bis zur richtigen Diagnose

Die Interstitielle Zystitis ist eine chronische Entzündung der Harnblasenwand. Dass die Betroffenen einen langen Leidensweg haben, zeigt eine Studie aus Deutschland. Danach vergehen im Schnitt neun Jahre bis zur richtigen Diagnose.
Die Interstitielle Zystitis wird oft mit einem Harnwegsinfekt verwechselt

Die Interstitielle Zystitis wird oft mit einem Harnwegsinfekt verwechselt, ist jedoch eine chronische Entzündung der Harnblasenwand.

Die Symptome ähneln einem Harnwegsinfekt: Häufiger Harndrang, Blasenkrämpfe und Schmerzen beim Wasserlassen und im Unterleib. Doch die interstitielle Zystitis ist weder ein Harnwegsinfekt noch eine Reizblase: Es handelt sich um eine chronische Entzündung der Harnblasenwand, dem keine bakterielle Infektion zugrunde liegt. Antibiotika sind deshalb hier nicht wirksam. Dennoch werden sie oft verschrieben, weil Ärzte eben meist einen Harnwegsinfekt vermuten. Das Tückische: Liegt zusätzlich ein Harnwegsinfekt vor, hilft ein Antibiotikum zunächst und die Beschwerden gehen zurück. Die Krankheitsursache, die Interstitielle Zystitis, bleibt jedoch unentdeckt.

So kehren die vermeintlichen Harnwegsinfektionen immer wieder – bis sich im Laufe der Jahre die typischen Symptome der Interstitiellen Zystitis zeigen: Die Schmerzen werden immer stärker, der Harndrang immer häufiger, vor allem nachts.  Im späteren Krankheitsverlauf kann ein dauerhaft vorhandener „Grundschmerz“ entstehen, der durch Schmerzspitzen noch verstärkt wird.

Langer Leidensweg

Wegen den Parallelen zu anderen Erkrankungen wird die Interstitielle Zystitis meist lange nicht erkannt. Fast die Hälfte der Patienten sucht über 20-mal einen Arzt auf, ehe die richtige Diagnose gestellt wird. Durchschnittlich vergehen so neun Jahre. Diese Zahlen legt eine Studie aus Deutschland offen. Basis bildete eine Umfrage unter 270 Betroffenen mit Interstitieller Zystitis aus dem Jahr 2013. Die Patienten waren überwiegend Frauen (94 %). Das Durchschnittsalter der Frauen lag bei knapp über 50 Jahren. Die Experten gehen davon aus, dass etwa ein Drittel der Patienten schon vor ihrem 30. Lebensjahr erste Beschwerden haben, die sich über die Jahre der Erkrankung unbehandelt verschlimmern.

 

Wie wird eine Interstitielle Zystitis diagnostiziert

Entscheidend ist zunächst die Abgrenzung zum Harnwegsinfekt. Dabei hilft ein sogenanntes Miktionstagebuch, in dem Trink- und Toilettenverhalten sowie Dauer, Zeitpunkt und Stärke der Schmerzen über einige Tage aufgezeichnet  werden. Für eine sichere Diagnose der Interstitiellen Zystitis sind dann eine Blasenspiegelung (Zystoskopie) beim Urologen notwendig, da sich damit krankheitstypische Veränderungen des Blasengewebes (Hunner-Läsionen oder Glomerulationen) erkennen lassen. Die Leitlinie „Diagnostik und Therapie der Interstitiellen Zystitis IC/BPS“ empfiehlt außerdem eine Biopsie, um andere Erkrankungen wie zum Beispiel einen Blasenkrebs auszuschließen. Je früher die Interstitielle Zystitis erkannt wird, desto besser kann sie behandelt werden.

Behandlung

Die Autoren der Patientenleitlinie empfehlen für die medikamentöse Behandlung den Wirkstoff Pentosanpolysulfat (PPS). Das als Kapsel verfügbare Pentosanpolysulfat repariert die geschädigte Blasenschleimhaut und verhindert so, dass Harnbestandteile in die Blasenschleimhaut eindringen und dort Reizungen und Entzündungen verursachen. 

Die Studie: Jocham D, Froehlich G, Sandig F, Ziegler A. Die Versorgungssituation von Patienten mit Interstitieller Zystitis in Deutschland. Urologe. 2013

Foto: © andriano_cz - Fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorien: Medizin , Gesundheitspolitik
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Blasenstörung
 

Weitere Nachrichten zum Thema Blasentzündungen

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Wegen niedriger Corona-Fallzahlen wird die Forderung nach einem Ende der Maskenpflicht immer lauter. Nun plädiert auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn für eine schrittweise Lockerung des Mund-Nasen-Schutzes.


 
Interviews
Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.


Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.
Logo Gesundheitsstadt Berlin