. Projektförderung

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen: Innovationsfonds fördert neue Versorgungsform

Patienten mit Chronisch entzündlichen Darmerkrankungen sind oft nicht optimal versorgt. In Schleswig-Holstein wird nun eine neue Versorgungsform erprobt. Dafür stellt der Innovationsfonds 5,4 Millionen Euro bereit.
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Innovationsfonds fördert neue Versorgungsform für Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen

In Deutschland leiden aktuell rund 400.000 Menschen an einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung (CED) wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa. Die Erkrankung führt zu zahlreichen körperlichen Beschwerden wie Bauchschmerzen und zu häufigen, zum Teil blutigen Durchfällen. Bei länger anhaltenden Schüben können Gewichtsverlust und Schwäche hinzukommen sowie andere Organe in Mitleidenschaft gezogen werden, etwa die Haut oder die Gelenke. Wenn sich die Krankheitsschübe mit Basis-Medikamenten nicht ausreichend kontrollieren lassen, werden entzündungshemmende Biologika eingesetzt.

Chronisch entzündlichen Darmerkrankungen haben eine große psychosoziale Dimension

„Die psychosoziale Dimension ist neben den körperlichen Beeinträchtigungen ein wesentlicher Faktor bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen“, sagt PD Dr. Bernd Bokemeyer von der Medizinischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität Kiel. Der Gastroenterologe ist medizinischer Leiter eines neuen Projekts, das die Versorgung von Patienten mit schweren Krankheitsverläufen, die auf Biologika angewiesen sind, verbessern will. Das Projekt wird vom Innovationsfonds mit 5,4 Millionen Euro in den kommenden vier Jahren gefördert.

 

Mit persönlichem CED-Assistenten

Kern des Konzeptes ist es, dem Patienten eine spezialisierte pflegerische, bzw. im ambulanten Bereich eine spezielle mitbetreuende Assistenz „CED-Versorgungsassistenz“ an die Seite zu stellen, die sich um alle Belange des Patienten kümmert. Vorbild ist die IBD-Nurse - Inflammatory Bowel Disease Nurse, die es in anderen Ländern gibt. Zugleich soll eine stärkere Einbeziehung der Patienten in Planung und Organisation der eigenen Behandlung diese zu einer aktiveren Rolle bei medizinischen Problemsituationen befähigen, etwa bei der Therapieeinleitung, einer Therapieumstellung bei Wirkungsverlust der Biologika-Therapie oder beim Auftreten von Nebenwirkungen.

„Eine solche patientenzentrierte Betreuung unter Einbeziehung der individuellen somatischen wie psychosozialen Belastungen und Risiken entspricht exakt dem Anspruch unserer Klinik, ein umfassendes, integriertes Versorgungskonzept für CED-Patienten zur Verfügung zu stellen. Diese intensive Begleitung kann u.a. die krankheitsspezifische Lebensqualität der Patienten steigern“, sagt Prof. Stefan Schreiber, Direktor der Medizinischen Klinik am Campus Kiel.

Projekt wird wissenschaftlich untersucht

Die neue Versorgungsform wird begleitend in einer randomisierten Studie wissenschaftlich evaluiert. Das ist Voraussetzung, um Fördergelder aus dem Innovationsfonds zu bekommen.

Die Projektkoordination erfolgt durch das vom Uniklinikum Schleswig Holstein ausgeründete Kompetenznetz Darmerkrankungen in Kiel. Weitere Projektpartner sind: Berufsverband Niedergelassener Gastroenterologen Deutschlands e.V. (bng), Fachgesellschaft für Assistenzpersonal Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen e.V. (FA-CED), Techniker Krankenkasse, Hamburg Center for Health Economics der Universität Hamburg, Institut für Sozialmedizin/Zentrum für Bevölkerungsmedizin und Versorgungsforschung und die Universität zu Lübeck.

Foto: © Miriam Dörr - Fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
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