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Chronisch-entzündliche Darmerkrankung steht Kinderwunsch nicht im Wege

Dienstag, 24. Mai 2022 – Autor:
Menschen mit einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung wie Morbus Crohn oder Colitis Ulcerosa bleiben häufiger kinderlos. Bei guter Betreuung steht dem Kinderwunsch nichts entgegen.
Auch Menschen, die an einer CED leiden. können sich den Kinderwunsch erfüllen

– Foto: pixabay/ekseaborn0

Menschen mit einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung wie Morbus Crohn oder Colitis Ulcerosa bleiben häufiger kinderlos. Bei guter Betreuung steht dem Kinderwunsch nichts entgegen.
 
Darauf macht die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) aufmerksam. Nach Schätzung gibt es in Deutschland bis zu 470.000 Menschen, die an einer CED leiden. Sie zählen zu den Autoimmunerkrankungen.

CED wird oft in jungen Jahren diagnostiziert

Jede chronische Erkrankung nimmt einen großen Teil des Lebens der Betroffenen in Anspruch. Vor allem in Schüben verlaufende Krankheiten wie die CED sind scheinbar unberechenbar, entziehen sich der Planung und verunsichern die Patienten zusätzlich.

Eine CED wird bei den meisten Betroffenen zwischen dem 15. und dem 35. Lebensjahr diagnostiziert - in einer Lebensphase also, in der oft zunächst noch die Lebensplanung ansteht, in der sich aber früher oder später auch Fragen zu Familienplanung und Kinderwunsch stellen.

 

Chronisch-entzündliche Darmerkrankung steht Kinderwunsch nicht im Wege

"Viele Menschen mit CED bleiben gewollt kinderlos, da sie Angst haben, die Krankheit zu vererben. Auch die Angst, dass die eingenommenen Medikamente dem ungeborenen Leben schaden könnten, ist groß", erklärt Dr. Elena Sonnenberg, Gastroenterologin und Leiterin der CED-Ambulanz am Campus Benjamin-Franklin an der Charité Berlin. Schuld daran sei allerdings meist eine unzureichende Aufklärung durch die Behandelnden, heißt es weiter in einer Pressemitteilung.

Betroffenen, die an einer CED erkrankt sind und einen Kinderwunsch haben, rät die Gastroenterologin, das Gespräch mit den behandelnden Ärzten zu suchen. Viele Ängste seien unbegründet, beruhigt sie. In Phasen der Remission, also bei geringer Krankheitsaktivität, seien die Aussichten auf eine Erfüllung des Kinderwunsches in der Regel genauso groß wie bei Gesunden; dies gelte für Männer wie für Frauen. Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen stehen dem Kinderwunsch also nicht im Wege.

Schwangerschaft auch mit Stoma und Pouch möglich

Allerdings hätten die Betroffenen häufig auch mit sexuellen Funktionsstörungen und einer eingeschränkten Libido zu kämpfen, die die Erfüllung des Kinderwunsches erschweren könnten. Bei Frauen kann die Fruchtbarkeit beeinträchtigt sein, wenn ausgedehnte Operationen im kleinen Becken vorangegangen sind. Prinzipiell ist eine Schwangerschaft aber sowohl mit Stoma als auch nach Pouchanlage möglich.

Naturgemäß haben Fragen zur medikamentösen Behandlung der CED für Frauen mit Kinderwunsch eine wesentlich größere Bedeutung als für erkrankte Männer. "Mit Ausnahme von Methotrexat, Ozanimod und den JAK-Inhibitoren kann und sollte die Medikation jedoch auch während der Schwangerschaft fortgeführt werden", betont Sonnenberg. Denn ein Schub der Erkrankung stelle ein größeres Risiko für das ungeborene Kind dar als die Medikamente, mit denen die CED in Schach gehalten werde.

Engmaschige Betreuung durch Gastroenterologen

Aus diesem Grund rät die Expertin auch zu einer engmaschigen Betreuung schwangerer CED-Patientinnen durch ihren Gastroenterologen. So könne ein Aufflammen der Erkrankung frühzeitig erkannt und behandelt werden. Wie gesunde Frauen auch, sollten CED-Patientinnen bereits bei Kinderwunsch mit der Einnahme von Folsäure beginnen. Während der Schwangerschaft sollte dann zusätzlich auch Jod eingenommen und auf eine ausgewogene Ernährung geachtet werden.

Auch in Bezug auf die Entbindung gibt es für die meisten CED-Patientinnen keine Einschränkungen. "Von einer vaginalen Entbindung wird heute nur noch dann abgeraten, wenn ein aktives Analfistelleiden besteht", sagt Sonnenberg. Selbst bei Patientinnen mit einer ileoanalen Pouchanlage, für die bislang immer ein Kaiserschnitt empfohlen wurde, sei eine vaginale Entbindung nicht mehr ausgeschlossen. Generell sollte die Entscheidung über den Geburtsmodus jedoch gemeinsam mit den behandelnden Geburtshelfern getroffen werden.

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