. Herzinfarkt-Risiko

Cholesterin-Wert senken bereits bei jungen Menschen wichtig

Insbesondere bei jungen Menschen vergrößert ein erhöhter Cholesterinspiegel ihr Risiko, später im Leben einen Herzinfarkt zu erleiden. Deswegen ist wichtig, früh über eine Behandlung nachzudenken, die den Cholesterin-Wert senkt.
cholesterin, cholesterin-werte, blutfett-werte, HDL-Cholesterin, LDL-Cholesterin

Erhöhte Cholesterinwerte schon in jungen Jahren können Jahrzehnte später das Herzinfarkt-Risiko erhöhen

Insbesondere bei jungen Menschen vergrößert ein erhöhter Cholesterinspiegel  ihr Langzeitrisiko, einen Herzinfarkt zu erleiden. Deswegen ist wichtig, früh über eine Behandlung nachzudenken, die den Cholesterin-Wert senkt. Das ergab eine Studie von Forschern der Klinik und Poliklinik für Kardiologie des Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE).

Für die Studie wurden Daten von rund 400.000 Teilnehmern aus 38 Untersuchungen aus 19 Ländern (Europa, USA, Australien) berücksichtigt. Die Studie griff dabei auf die Rohdaten und nicht auf bereits veröffentlichte Ergebnisse zu, betont Klinikleiter Prof. Stefan Blankenberg. Sie ließen Rückschlüsse über die Entwicklung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Bezug auf die gemessenen Blutfettwerte über einen Verlauf von bis zu 43 Jahren zu.

Non-HDL-Wert im Blut wichtiger Marker

Das für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verantwortliche Cholesterin, das nicht zum "guten" HDL-Cholesterin gehört - im Blut gemessen als non-HDL-Wert -, ist nach Ergebnissen der Studie ein besonders guter Marker für kardiovaskuläre Ereignisse wie Herzinfarkte oder Schlaganfälle, die unter Umständen erst in mehreren Jahrzehnten eintreten werden.

Schon ein leicht erhöhter non-HDL-Wert zwischen 3,7 und 4,8 Millimol pro Liter (das entspricht etwa 145 bis 185 Milligramm pro Deziliter, der in Deutschland geläufigen Messweise) bei einer 40-jährigen Frau führt zu einem 1,8-fach erhöhten Infarktrisiko in ihrem Leben. Bei einem Mann gleichen Alters erhöht sich das Risiko um das Zweifache gegenüber Personen mit nicht erhöhten Cholesterinwerten, heißt es weiter in einer Pressemitteilung.

 

Ungünstige Effekte der schädlichen Blutfette akkumulieren sich

Kommen weitere Faktoren wie Diabetes oder Rauchen hinzu, liegt die Wahrscheinlichkeit bei demselben Cholesterinwert im Laufe des Lebens einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden, bei bis zu 29 Prozent.

"Der ungünstige Effekt der schädlichen Blutfette auf die Gefäße scheint sich mit steigendem Lebensalter zu akkumulieren, sodass auch geringe Grenzwertüberschreitungen, gerade bei jüngeren Menschen, über die Jahre negative Auswirkungen haben können", erklärt Dr. Fabian Brunner von der Klinik und Poliklinik für Kardiologie und einer der Erstautoren der Studie, die in der Fachzeitschrift The Lancet veröffentlicht wurde.

Cholesterin-Wert senken bereits bei jungen Menschen wichtig

Bisher wurde das Herzinfarktrisiko bei Personen mit erhöhten Blutfettwerten nur für die nächsten zehn Jahre errechnet. Dabei ergab sich, gerade bei jüngeren Menschen, häufig kein signifikant erhöhtes Risiko. Basierend auf der durchgeführten Studie lässt sich nun nahezu das Lebenszeit-Risiko vorhersagen.

Mit dem neu entwickelten Risikomodell haben die Forscher auch das hypothetische Risiko für dieselben Personen mit einem um 30 beziehungsweise um 50 Prozent gesenkten non-HDL-Wert errechnet - dies verringert das Infarktrisiko erheblich. Im Fall eines 40-jährigen Mannes ohne weitere Risikofaktoren von 19 auf nur noch gut 4 Prozent. Den Cholesterin-Wert zu senken ist folglich bereits bei jungen Menschen wichtig.

Mögliche Behandlung mit Statinen

Das UKE-Modell kann künftig Patienten und Ärzten bei der Entscheidung unterstützen, ob cholesterinsenkende Maßnahmen, wie beispielsweise die Einnahme eines Cholesterinsenkers (Statine), sinnvoll sind. "Die bisher verwendeten Risikorechner können das relevante Lebenszeitrisiko junger Patienten unterschätzen. Unser Modell schließt hier eine Wissenslücke und ermöglicht eine Veranschaulichung des individuellen Langzeitrisikos sowie des potentiellen Langzeitnutzens einer Cholesterinsenkung", fasst Dr. Christoph Waldeyer, ebenfalls Erstautor der Studie, zusammen.

Foto: jarun011/adobe.com

Autor: bab
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Cholesterin
 

Weitere Nachrichten zum Thema Cholesterin

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Die chronisch obstruktive Lungenkrankheit, kurz COPD, gilt als typische Raucherkrankheit. Doch auch Nichtraucher können daran erkranken. Forscher haben nun eine mögliche Ursache gefunden.
Mindestens 192 Menschen sind in den ersten sieben Monaten dieses Jahres beim Baden in deutschen Gewässern ertrunken. Angesichts der Hitzewelle rechnet die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) mit einem Anstieg der Fälle und gibt Tipps, damit aus dem Badespaß kein Ernst wird. An Flüssen, Seen und am Meer lauern ganz unterschiedliche Gefahren.
 
 
. Interviews
Hitzewellen sind eine reale Gefahr für die Gesundheit und lassen die Mortalitätsrate ansteigen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem wissenschaftlichen Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Freiburg, Prof. Dr. Andreas Matzarakis, über Hitzewarnsysteme und die Auswirkungen von Hitzewellen auf unsere Gesundheit gesprochen.
Das Essen in deutschen Krankenhäusern hat keinen besonders guten Ruf. Dabei lässt sich mit wenig Mehraufwand viel erreichen. Der Internist und Ernährungsmediziner Prof. Dr. Christian Löser erklärt die medizinischen und ökomischen Effekte einer gesunden Ernährung im Krankenhaus.
Pflegekräfte sind in der Coronakrise wichtiger denn je und gleichzeitig besonders gefährdet. Das persönliche Engagement ist und bleibt dennoch hoch. Über Wertschätzung, Sicherheitsrisiken und die Gefahr der Selbstausbeutung in Pflegeberufen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Pflegeexperten Thomas Meißner gesprochen.