. Cholesterinwerte

Cholesterin: besser als sein Ruf

Der Ruf von Cholesterin ist schlecht: Zu hohe Werte machen krank und erhöhen das Herzinfarkt-Risiko. Je niedriger der Cholesterinspiegel, desto besser für die Gesundheit?
Spiegeleier, Speck, Cholesterin

Ein genereller Verzicht auf Eier und Speck senkt das Herzinfarktrisiko nicht

„Cholesterin ist kein Schadstoff und wird zu Unrecht verdammt“, sagt der Kardiologe Michel de Lorgeril vom Netzwerk THINCS (The International Network of Cholosterol Sceptics: www.thincs.org). Cholesterin ist kein Gift, sondern überlebenswichtig. Für den menschlichen Organismus ist Cholesterin ein wichtiger Baustein und kommt überall im Körper vor. Cholesterin ist eine weiche, fettähnliche Substanz und ein Grundbaustein für Zellmembranen, Gallensäuren, Hormone und Vitamin D. Zwei Drittel bildet der Körper selbst. Pflanzen haben kein Cholesterin, es ist eine tierische Substanz. Jeder Mensch kommt mit einem intakten Cholesterin-Spiegel auf die Welt. Der Körper produziert täglich ca. 1.000 Milligramm (mg) Cholesterin, größtenteils in der Leber. Der durchschnittliche Mann nimmt täglich 307 mg Cholesterin über die Nahrung auf; die durchschnittliche Frau 219 mg. Die Deutsche Herz Gesellschaft rät das täglich mit der Nahrung aufgenommene Cholesterin unter 300 mg zu halten. Generell kann der Körper seinen Cholesterinbedarf somit durch Eigenproduktion decken.

Wenn der Cholesterinspiegel steigt

Cholesterin gilt als Verursacher der Atherosklerose, die Hauptursache für Herzinfarkte und Schlaganfälle. Beide gehören zu den häufigsten Todesursachen. Die Blutgefäße verengen und versteifen, weil sie Cholesterin einlagern. „Diese Plaques können in Abhängigkeit vom Cholesteringehalt aufbrechen. In der Folge entsteht ein Verschluss des Gefäßes und damit ein Herzinfarkt“, so Thomas Münzel, Professor für Kardiologie am Universitätsklinikum Mainz. „Ein hoher Cholesterinspiegel ist für Menschen, die ansonsten gesund sind, gar kein Problem. Studien mit Cholesterinsenkern haben das immer wieder gezeigt.“ Gefährlich wird es, wenn die Cholesterinwerte ansteigen und ein zu hohes Niveau erreichen: durch fettbetontes Essen oder weil eine genetische Störung vorliegt. 

Auf zwei Werte kommt es an

Cholesterin wird von speziellen Transportern, sogenannte Lipoproteine (Fetteiweiss), über das Blut zu den Körperzellen transportiert. Dabei stehen zwei Eiweiße im Mittelpunkt: Das LDL- und das HDL-Cholesterin. Das LDL-Cholesterin ist das schlechte Cholesterin. LDL steht für „Low-Density-Lipoprotein“ und sorgt dafür, dass Cholesterin in die Zellen gelangt. Indem es überschüssiges Cholesterin an den Wänden der Blutgefäße lagert, erhöht es die Gefahr für eine Arterien-Verkalkung. Verschließt sich ein Gefäß, kann es zum Infarkt kommen. Das HDL-Cholesterin („High-Density-Lipoprotein“)  dagegen ist das gute, schützende Cholesterin. Überschüssiges Cholesterin wird von ihm aus den Blutgefäßen zur Leber gebracht und dort abgebaut. Ideal sind also ein niedriger LDL-Wert und ein hoher HDL-Wert. Maßgeblich dafür ist die eigene Gesundheit. Gefährlich wird es erst bei weiteren Risikofaktoren: Bluthochdruck, Rauchen, Übergewicht und Diabetes.

Die Mythen: Fett, Eier und Speck sind ungesund

Für jeden Menschen ist es wichtig, seine Cholesterinwerte in einem gesunden Rahmen zu halten. Das gilt für Männer und Frauen, jung wie alt und unabhängig davon, ob bereits eine Herzerkrankung vorliegt. Die Ursachen für einen erhöhten Cholesterin-Spiegel sind vielseitig: zu viele tierische Fette, zu wenig Bewegung, angeborene Störungen des Fettstoffwechsels wie zum Beispiel Erkrankungen der Schilddrüse, der Nieren oder der Leber. Wer generell auf Fett, Eier und Speck verzichtet, senkt das Risiko eines Herzinfarkts oder einer Gefäßerkrankung nicht. Wer Fette in der Nahrung vermeidet, erhöht automatisch die Zufuhr von Kohlehydraten. Die wiederum erhöhen das Körpergewicht und führen zu einer deutlichen Verschlechterung von Neutralfetten und HDL-Cholesterin.

Ist Margarine besser als Butter?

Ein Mythos ist auch, dass Margarine besser als Butter ist. Das Gegenteil stimmt: das Risiko für eine koronare Erkrankung steigt mit dem Verzehr von Margarine. Margarine enthält Kunstfett und weist eine andere chemische Struktur auf. Ein höherer Konsum führt zu einem hohen LDL-Spiegel und sorgt für einen Abfall des HDL-Spiegels. Den Cholesterin-Spiegel dagegen erhöhen Fertiggerichte. Fertigprodukte wie Puddingpulver, Mikrowellenmenüs. Mayonnaisen, Nudeln oder Eis enthalten statt frischer Eier getrocknetes Eipulver und damit Oxycholesterin.

Vorsicht ist auch geboten bei Plätzchen, Knabbereien wie Kräckern oder Chips sowie Pommes frites, Reibekuchen und anderen frittierten Lebensmitteln, die kommerziell hergestellt wurden und einen hohen Anteil an Trans-Fettsäuren aufweisen. Die Deutsche Herz-Gesellschaft empfiehlt den Anteil der ungesättigten und Trans-Fettsäuren unter 10 Prozent der täglich zugeführten Kalorienmenge zu halten.

Senkt Rotwein den Cholesterin-Spiegel?

Ja, in Maßen. Laut der Augsburger Kohorten-Studie, der MONICA-Studie, fand sich die geringste Sterblichkeit bei Männern, die 20 bis 40 Gramm Alkohol täglich konsumieren, das sind 0,25 bis 0,5 Liter. Bei Frauen sind es bis zu 30 Gramm Alkohol. Erst ab etwa 80 Gramm Alkohol, also etwa einem Liter Wein, war das Risiko hoch. Dabei kommt es nicht darauf an, ob Wein, Bier oder Schnaps: alkoholische Getränke erhöhen das „gute“ HDL, verbessern die Fließeigenschaften des Blutes, hemmen Entzündungen und reduzieren die Verklumpungsneigung der Blutplättchen.

Wie lässt sich Cholesterin senken?

Wer an zu hohen Cholesterin-Werten leidet, muss seinen Lebensstil ändern und anpassen. Gesunde und ausgewogene Ernährung, Bewegung und weniger Stress sind die drei wichtigsten Punkte. Bei der Ernährung sollte unbedingt auf ungesättigte Fette geachtet werden. Im Unterschied zu den gesättigten Fetten sind sie leichter verdaulich. Enthalten sind sie meist in pflanzlichen und einigen tierischen Produkten. Einige wie Soja- und Lupinen-Eiweiß, Nüsse und Vollkornprodukte können den Cholesterin-Spiegel sogar senken. Durch eine komplette Umstellung der Ernährung lässt sich das Cholesterin um bis zu 30 Prozent senken. Zu den gesunden tierischen Fetten gehört zum Beispiel Lachs. Auch Sport, mehr Bewegung und Entspannungsübungen aktivieren den Fettstoffwechsel und wirken sich günstig auf den Cholesterin-Spiegel aus. Positiv wirken sich auch Ballaststoffe, Vitamine und Anti-Oxidanten aus.

Statine können helfen

Wenn diese Änderungen nichts bewirken, kommen Medikamente in Frage. Statine bewirken, dass sich weniger körpereigenes Cholesterin bildet und helfen dabei, dass sich Arteriosklerose zurückbildet. Sie sind die einzigen Medikamente, deren Nutzen klar belegt ist. Statine senken nicht nur das „böse“ LDL-Cholesterin, sondern haben noch weitere günstige Wirkungen. Sie mildern Entzündungen im Körper oder schützen die Gefäße. Allerdings sollten sie nicht präventiv eingenommen werden. Nur Herzkranke sollten sie nehmen.

Den Cholesterinspiegel regelmäßig kontrollieren

Entscheidend sind am Ende das Gesamtbild und das Wissen um die eigenen Werte. Ein hoher Cholesterinwert allein ist noch nicht gefährlich. Mit speziellen Risikorechnern kann der Arzt die Wahrscheinlichkeit für Gefäßschäden für einen Patienten abschätzen. Die Cholesterinmessung ist Bestandteil der Vorsorgeuntersuchung, die ab dem 35. Lebensjahr alle zwei Jahre in Anspruch genommen werden kann. Falls der eigene Vater vor dem 55. Lebensjahr oder die eigene Mutter vor dem 65. Lebensjahr an einem Herzinfarkt oder einem Hirnschlag erkrankt oder gestorben ist, sollte die Messung früher durchgeführt werden.

Dabei kommt es nicht nur auf die Cholesterinwerte an. Auch Blutfette und weitere Faktoren der Arteriosklerose werden berücksichtigt: das Alter, Vorerkrankungen, die Familiengeschichte, Blutdruck, Diabetes und Rauchen. Erst wenn das Risiko größer als 20 Prozent ist, sollte mit einer cholesterinsenkenden Therapie begonnen werden.

Cholesterin ist wichtig für die:

•    Funktion der Zellmembranen
•    Bildung der Gallensäuren zur Fettverdauung
•    Bildung der Sexual- und Stresshormone
•    Unterstützung des Immunsystems
•    Elastizität der roten Blutkörperchen
•    Gehirnentwicklung beim Baby
•    Entwicklung des Embryos
•    Stimmung.

Foto: © weyo

Autor: Dr. Daniel Dettling
Hauptkategorien: Prävention und Reha , Medizin

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