Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
06.01.2014

Chemosaturation neue Therapieoption bei Leberkrebs

Die Chemosaturation-Therapie ist ein neues Verfahren gegen Leberkrebs. Bislang wird es nur an wenigen Kliniken in Deutschland eingesetzt. Ärzte attestieren der lokalen Chemotherapie indes ein großes Potenzial.
Chemosaturation, Leberkrebs, Therapie

So wird die Leber während der Chemosaturation-Therapie vom restlichen Kreislauf abgekoppelt

Jedes Jahr erkranken in Deutschland etwa 8.400 Menschen neu an Leberkrebs. Nur jeder zehnte Patient überlebt die nächsten fünf Jahre. Mit einem neuen Verfahren der so genannten Chemosaturation gehen Ärzte jetzt primäre Lebertumore und Metastasen in der Leber an, wenn andere Therapien ausgeschöpft sind. Hierbei handelt es sich um eine lokal begrenzt wirkende, hochdosierte Chemotherapie, die über einen Katheter direkt in die Leber geleitet wird.

Wenige deutsche Kliniken bieten neue Therapie

In Deutschland wurde die Chemosaturation-Therapie erstmals im Februar 2013 am Universitätsklinikum Frankfurt am Main eingesetzt. Inzwischen wird das äußerst aufwändige Verfahren an einigen wenigen deutschen Kliniken angeboten. „Im Gegensatz zur herkömmlichen Chemotherapie können wir hier eine wesentlich höhere Dosierung einsetzen – denn die Therapie wirkt lokal begrenzt; praktisch nur die Leber kommt in Kontakt mit der chemotherapeutischen Substanz“, erläutert Prof. Dr. Roland Brüning, Chefarzt der Radiologie der Asklepios Klinik Barmbek die Vorteile des Verfahrens.

 

Chemosaturation: Chemikalien gelangen nicht in andere Organe

Damit das Chemotherapeutikum nicht in den Blutkreislauf und an benachbarte Organe gelangt, wird das chemisch behandelte Blut der Leber über ein Kathetersystem abgesaugt, in einem Filter außerhalb des Körpers gereinigt und dann der Leber wieder zugeführt. Die Leber sei zur Chemosaturation-Therapie sehr gut geeignet, da die spezielle Anatomie die nahezu vollständige Isolation des Organs vom Körperkreislauf ermögliche, sagt Professor Brüning, der das neue Verfahren erstmals im Oktober 2013 in der Asklepios Klinik Barmbek bei einer 38-jährigen Patientin einsetzte.  „So kommen andere Organe fast nicht mit den Zytostatika in Berührung, was eine höhere Dosierung der Chemotherapie ermöglicht und gleichzeitig Nebenwirkungen deutlich minimiert.“

Intensive Schulung für Chemosaturation nötig

Ärzte und Wissenschaftler der Frankfurter Uniklinik hatten das Verfahren gemeinsam mit der US-amerikanischen Firma Delcath entwickelt. Nach Auskunft von Prof. Thomas J. Vogl, Direktor des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie der Uniklinik Frankfurt, bedarf es einer intensiven Schulung des ärztlichen und pflegerischen Personals, um die Chemosaturation-Therapie durchführen zu können. Frankfurter Mediziner hatten auch den Barmbeker Kollegen bei ihrem ersten Eingriff im Oktober zur Seite gestanden.

In Zukunft könnte das Verfahren ausgeweitet werden

Der Eingriff dauert etwa drei Stunden und wird derzeit nur in Einzelfällen von den Kassen bezahlt. Prof. Thomas J. Vogl, der an der Entwicklung mitgewirkt hat, sieht in dem Verfahren eine vielversprechende Behandlungsalternative:  „Diese Technologie hat signifikantes Potenzial, Krebs in der Leber zu kontrollieren.“ Zudem wollen die Frankfurter Krebsspezialisten die Rolle des Verfahrens auch bei anderen Tumorarten untersuchen, dazu gehöre etwa der Einsatz bei Brustkrebs.

Bild: Asklepios Klinik Barmbek

Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Krebs , Leber , Leberkrebs
 

Weitere Nachrichten zum Thema Leberkrebs

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
 
Weitere Nachrichten
Vitamin C ist das bekannteste Vitamin überhaupt. Es ist an über 150 Stoffwechselprozessen beteiligt, gut für Zähne und Knochen, die Verdauung und die Entgiftung der Leber. Und es hemmt die Bildung von krebsauslösenden Nitrosaminen. Anders als vielfach angenommen, hat seine wichtigste Wirkung aber nicht mit dem Schutz vor Erkältungen zu tun – sondern mit Anti-Aging.

Reizüberflutung und Stress sind die Schattenseiten der Digitalisierung. Da hilft nur die digitale Entgiftung. Ein Psychologe gibt Tipps, wie der Entzug trotz Homeoffice und Homeschooling umgesetzt werden kann.

Zahnpflege ist wichtig. Auf lange Sicht natürlich zum Schutz vor Zahnausfall; aber auch, weil Entzündungen im Mund Krankheiten im gesamten Körper begünstigen können. Manche Lebensmittel aber schwächen beim Essen vorübergehend die Widerstandskraft des Zahnschmelzes. Deshalb gilt hier: Eine halbe Stunde warten. Oder die Zähne VOR dem Essen putzen – beim Frühstück vor allem.
 
Interviews
Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.


Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.
Logo Gesundheitsstadt Berlin