. Serratien-Ausbruch

Charité wehrt sich gegen diffamierende Vorwürfe

Nach dem Serratien-Ausbruch an der Charité und am Deutschen Herzzentrum hat sich die Lage offenbar beruhigt. Vorwürfe der Schlamperei weisen Spitzenvertreter des Universitätsklinikums scharf zurück.
Charité wehrt sich gegen diffamierende Vorwürfe

Ulrich Frei: Wir haben nicht geschlampt

Auf den beiden Neugeborenen-Intensivstationen des Campus Virchow Klinikums der Charité herrscht weiterhin Aufnahmestopp. Noch befinden sich dort 22 Säuglinge, die mit dem Serratien-Keim besiedelt sind, sechs davon sind an einer Sepsis erkrankt. Der Keim sei sehr ansteckend – an einen Normalbetrieb sei noch lange nicht zu denken, hieß es am Mittag auf einer Pressekonferenz der Charité. Um eine weitere Ausbreitung zu verhindern, habe man gleich nach Ausbruchsbeginn die infizierten Säuglinge isoliert. Seither haben sich keine weiteren Babys angesteckt.

Bei den erkrankten Babys handelt es sich um Frühgeborene mit einem Geburtsgewicht von unter 1.000 Gramm. Alle Kinder seien in einem stabilen Zustand und hätten gut auf die Therapie angesprochen, sagte der Leiter der Neugeborenen-Intensivstationen Christoph Bührer. Ein Frühchen konnte inzwischen entlassen werden. Am Deutschen Herzzentrum, das eng mit der Frühchenstation zusammenarbeitet, hat sich ein zweites Kind mit demselben Serratien-Keim angesteckt, an dem ein Neugeborenes nach einer Herzoperation am 5.Oktober verstorben war. Nach Auskunft des Direktors der Klinik für Angeborene Herzfehler und Kinderkardiologie, Felix Berger, sei das Kind erfolgreich mit Antibiotika behandelt worden und könne in den nächsten Tagen entlassen werden.

Ein Ausbruchsteam klärt, wie der Darmkeim ins Blut der Frühchen gelangen konnte

Wie die Keime die geschwächten Säuglinge infizieren konnten, ist gegenwärtig noch offen. Ein Team aus Bezirksmitarbeitern, Charité-Medizinern und Experten des Robert-Koch-Instituts sucht derzeit intensiv nach der Infektionsquelle. Vieles deutet nach Angaben des Ärztlichen Direktors Ulrich Frei darauf hin, dass der Serratien-Keim im Juli durch eine Frau eingeschleppt worden ist, die den Keim bei der Geburt auf ihr Kind übertragen hat. Das Kind sei dann an einer Hirnhautentzündung erkrankt, aber erfolgreich behandelt worden. Warum der Keim dann drei Monate später wieder aufgetaucht ist – das müssen die Ausbruchsermittler jetzt klären. Die Keime würden von Mensch zu Mensch übertragen oder über Gegenstände, erklärte die Leiterin des Hygieneinstituts Petra Gastmeier. „Wir prüfen derzeit alle in Frage kommenden Infektionsquellen.“

Ulrich Frei verwahrte sich indes gegen Vorwürfe, an der Charité werde geschlampt. „Die Mitarbeiter auf den neonatologischen Intensivstationen sind hochqualifiziert und machen einen exzellenten Job“, sagte Frei. Die Händedesinfektion liege über dem Durchschnitt anderer neonatologischer Stationen in Deutschland. Wer jetzt Entlassungen fordere und Schlamperei kolportiere, der disqualifiziere sich selbst. Am Montag hatte der Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) Klaus Dieter Zastrow in einem Interview mit dem Tagesspiegel die Entlassung der verantwortlichen Charité-Ärzte und Schwestern gefordert und von Schlamperei gesprochen.

Kritik zurückgewiesen

Auch Kritik am Personalschlüssel wies Frei zurück. Die vom Robert Koch-Institut geforderte Quote von drei Pflegekräften auf ein Neugeborenes (3:1) werde mit einem Verhältnis von 2,8:1 fast erreicht. Die Neonatologie der Charité wie auch das Deutsche Herzzentrum seien nun mal hoch spezialisiert und versorgten Notfälle aus ganz Deutschland. Von einer Überfüllung könne aber keine Rede sein, die Auslastung der Neonatologie liege in der Regel bei 90 Prozent.

Die Klinik für Geburtshilfe am Campus Virchow-Klinikum ist von dem Infektionsausbruch nicht betroffen. Dort kann weiterhin entbunden werden. Für gesunde Neugeborene über zwei Kilogramm Geburtsgewicht stellen die Serratien-Keime keine Gefahr dar, betonte Christoph Bührer. Nur für schwerkranke Säuglinge oder extrem kleine Frühgeborene könne der Keim gefährlich werden.

Terminhinweis 6. Nationaler Qualitätskongress Gesundheit

Der Infektionsschutz in Krankenhäusern steht beim 6. Nationalen Qualitätskongress Gesundheit am 29. und 30. November 2012 in Berlin im Mittelpunkt. Am ersten Kongresstag findet um 14:30 Uhr ein Symposium „Multiresistente Erreger und nosokomiale Infektionen“ statt und um 16:30 Uhr ein Symposium „Umsetzung des Infektionsschutzgesetzes“

Foto: Charité

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