. Krankenhausreform

Charité unterstützt Aktionswoche der Unikliniken

Die Berliner Charité unterstützt die aktuelle Aktionswoche der Universitätskliniken. Damit hat sich auch die größte Uniklinik Deutschlands dem bundesweiten Protest gegen die Unterfinanzierung der Hochschulmedizin angeschlossen, der am gestrigen Montag unter dem Motto „Wir leisten mehr“ gestartet ist.
Nicht nur die Berliner Charité protestiert für eine bessere Finanzierung der Hochschulmedizin

Auch an der Charité: Aktionswoche für bessere Finanzierung der Unikliniken

Mit der Aktionswoche machen die Verbände der Hochschulmedizin – genau genommen der Verband der Universitätsklinika Deutschlands (vud) und der Medizinische Fakultätentag (MFT) auf die Geldprobleme der Unikliniken aufmerksam. Die Unikliniken kritisieren bereits seit mehreren Jahren eine deutliche Unterfinanzierung. In diesem Jahr erwarten nach Angaben der Verbände knapp zwei Drittel von ihnen ein Minus (61 Prozent). Das sind insgesamt 19 von gut 30 Unikliniken. Das Gesamtdefizit der Häuser für 2012 und 2013 beziffern vud und MFT auf mehr als eine Viertel Milliarde Euro. Im laufenden Jahr 2014 rechnen nach ihren Angaben nur noch fünf Häuser mit einem positiven Jahresabschluss.

Hauptursachen der Finanzierungskrise sind nach Ansicht der Verbände der Hochschulmedizin die steigenden Kosten für Personal, Medikamente und Energie, in Verbindung mit rückläufigen Investitionszuschüssen der meisten Länder und unzureichender Kompensation für die Mehrleistung der Unikliniken. Von den strukturellen Defiziten seien die Unikliniken besonders betroffen, weil sie mehr leisten wollten und müssten als ein ganz normales Krankenhaus.

"Spezialleistungen der Unikliniken besser abbilden"

„Die Hochschulmedizin eröffnet Patienten neben der hochqualifizierten Versorgung einen Zugang zu neuesten Behandlungsmethoden aus der aktuellen Forschung. Diagnostische und therapeutische Möglichkeiten werden weiterentwickelt und neue Verfahren unmittelbar ans Krankenbett gebracht. In den forschenden Universitätskliniken wird der Großteil der ärztlichen Führungskräfte von morgen ausgebildet“, so Professor Ulrich Frei, Ärztlicher Direktor der Charité. Er zeigte am Beispiel fachübergreifender Tumorkonferenzen, was Unikliniken leisten. Aus wirtschaftlicher Sicht seien damit ein erhöhter organisatorischer Aufwand, ein umfassendes Qualitätsmanagement und deutlich erhöhte Personalkosten verbunden, weil mehrere Spezialisten verschiedener Fachrichtungen gleichzeitig mit einem Patienten beschäftigt seien. „Trotz der gesetzlichen Regelung, die eine Finanzierung von Zuschlägen für interdisziplinäre Behandlungszentren durch die Kostenträger vorsieht, wird gegen die berechtigten finanziellen Ansprüche der Uniklinika großer Widerstand geleistet“, so Frei.

Aktionswoche Unikliniken: "Finanzierung der Hochschulmedizin sichern"

Die Verbände haben anfangs einen Systemzuschlag für die Unikliniken gefordert. Diese Forderung hat Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe jedoch bereits im Vorfeld der Bund-Länder-Gespräche für eine umfassende Krankenhausreform abgelehnt. Auf der Agenda der Reform-Kommission stehen aber Hochschulambulanzen, Extremkostenfälle, Notfallversorgung und Zentrenzuschläge. „Egal ob Systemzuschlag oder Veränderungen im Detail: Jede Maßnahme muss sich daran messen lassen, ob sie geeignet ist, die Finanzierung der Hochschulmedizin langfristig zu sichern“, so die Devise der Verbände. Dabei spiele die Aktionswoche eine wichtige Rolle. Sie setze „ein Zeichen gegen das wachsende Ungleichgewicht von Spitzenleistungen und immer schlechterer Vergütung“.

Foto: Charité

Hauptkategorien: Berlin , Gesundheitspolitik
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