Charité-Studie zu Corona: Viruslast bei Kindern genauso hoch wie bei Erwachsenen

Kinder, die sich mit dem SARS-COV-2 Virus infiziert haben, weisen die gleichen Virusmengen im Rachenabstrich auf wie Erwachsene. Das geht aus einer Studie des Charité-Virologen Christian Drosten hervor. Das Ergebnis könnte politische Konsequenzen haben.
So ansteckend wie ein Erwachsener: Eine Studie der Charité zeigt, dass infizierte Kinder hohe Mengen des Coronavirus in sich tragen

So ansteckend wie ein Erwachsener: Eine Studie der Charité zeigt, dass infizierte Kinder hohe Mengen des Coronavirus in sich tragen

Zu Beginn der COVID-19-Pandemie galten Kinder als Superspreader. Dann hieß es, es gebe gar keine gesicherten Erkenntnisse zu Kindern und Corona, was nicht ganz stimmte. Eine Studie aus China hatte bereits vor Wochen gezeigt, dass Kinder aller Altersgruppen und Erwachsene die gleichen Infektionsraten in Haushalten hatten.

Kein Unterschied bei der Viruslast

Mit einer aktuellen Studie der Charité gibt es nun belastbare Daten aus Deutschland: Analysen von Nasen-Rachenabstrichen unterschiedlicher Altersgruppen zeigen, dass die Viruslast bei infizierten Kindern und Jugendlichen im Schnitt genauso hoch ist wie bei Erwachsenen. Aufgrund der Ergebnisse warnt Studienleiter Prof. Christian Drosten vor der unreflektierten Öffnung von Schulen und Kindergärten. „Kinder sind vermutlich genauso infektiös wie Erwachsene“, so Drosten.

Für die Studie wurden knapp 60.000 Patientenproben herangezogen, die zwischen Januar und dem 26. April an der Charité mittels PCR-Test untersucht worden waren. Davon waren 3.712 Proben SARS-COV-2 positiv. 127 der positiv Getesteten waren Kinder und Jugendliche mit folgender Altersverteilung:

37 zwischen 0 und 6 Jahren

16 zwischen 7 und 11 Jahren

74 zwischen 12 und 19 Jahren

Der Anteil der Kinder und Jugendlichen in dieser Studie ist gering, was die Studienautoren darauf zurückführen, dass die Jüngsten oft asymptomatisch sind und nur selten getestet werden. Auf keinen Fall würden die Daten die tatsächlichen Fallzahlen wiederspiegeln.

 

Schulen und Kindergärten sind Ansteckungsquelle

Vielmehr legten die Ergebnisse ein hohes Ansteckungspotenzial nahe, dass es bei der Öffnung von Schulen und Kindergärten zu bedenken gebe, schreibt das Team um Drosten. Dem Argument, dass asymptomatische Kinder das Virus nicht durch Husten weitergeben können und ein kleineres Ausatmungsvolumen haben als Erwachsene, stehe ein anderes gegenüber: Kinder sind körperlicher aktiver und halten weniger Distanz. Insofern sei davon auszugehen, dass Kinder nicht weniger ansteckend seien als die erwachsene Bevölkerung, schlussfolgern die Autoren. 

Die Studie kommt zu einem Zeitpunkt, an dem erste Schulen schon wieder geöffnet wurden, ohne Schüler und Lehrer systematisch zu testen, und laut über die Öffnung von Kindergärten nachgedacht wird. Sie könnte ein Warnschuss für die Politik sein.

Foto: © Adobe Stock/ Animaflora PicsStock

Hauptkategorien: Berlin , Gesundheitspolitik , Medizin , Corona
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