. Gewaltprävention

Charité startet neues Projekt gegen Kindesmissbrauch

Auch Jugendliche mit pädophilen Neigungen können zu Tätern werden. Um das zu verhindern, hat die Berliner Universitätsklinik Charité jetzt ein weiteres Projekt gegen Kindesmissbrauch gestartet. Unter dem Titel „Primäre Prävention von sexuellem Kindesmissbrauch durch Jugendliche“ wendet es sich speziell an 12- bis 18-Jährige.
Bundesfamilienministerium fördert neues Charité-Projekt gegen Kindesmissbrauch

Die Charité hat ein neues Projekt gegen Kindesmissbrauch gestartet

„Wir müssen dafür sorgen, dass es gar nicht erst zu sexueller Gewalt kommt. Zu einem umfassenden Kinderschutz gehört daher auch, dass potenzielle Täter möglichst früh therapeutische Hilfen erhalten“, so Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) beim Start des Projektes in Berlin. Ihr Ministerium finanziert das Programm in den ersten drei Jahren mit 676.000 Euro.

Das neue Angebot für Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren baut auf den Erfahrungen mit dem inzwischen bundesweit etablierten Präventionsprogramm „Kein Täter werden“ auf, das die Charité 2005 ins Leben gerufen hat. Aus dem Projekt sei die Erkenntnis gewonnen worden, dass therapeutische Hilfen so früh wie möglich ansetzen müssen, erläuterte Projektleiter Professor Klaus M. Beier vom Institut für Sexualwissenschaft und Sexualmedizin der Charité. Daher soll das neue Projekt speziell Jugendlichen mit pädophilen Neigungen helfen, Verantwortung für ihre sexuellen Fantasien zu übernehmen und ihr Verhalten zu kontrollieren.

Prävention von Kindesmissbrauch soll früher einsetzen

„Erwachsene mit dieser sexuellen Neigung verweisen immer wieder auf den Beginn ihrer auf Kinder bezogenen sexuell erregenden Fantasien im Jugendalter“, so Beier zur Begründung für das neue Angebot. Tatsächlich könnten auch Jugendliche aufgrund einer sexuellen Ansprechbarkeit durch den kindlichen Körper zu Tätern werden. „Der Großteil aller Fälle wird den Ermittlungsbehörden aber gar nicht bekannt, sondern findet im so genannten Dunkelfeld statt. Wir wissen, dass rechtzeitige Hilfe möglich ist - und damit auch ein selbstbestimmtes Leben ohne Übergriffe oder Nutzung von Missbrauchsabbildungen im Internet“, so Beier weiter.

 

Jugendpsychiatrie bei Diagnose der Pädophilie eingebunden

Die größte deutsche Uniklinik kooperiert bei dem neuen Projekt mit der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des Berliner Vivantes Klinikums am Friedrichshain. Dort sollen vor allem Begleiterkrankungen erfasst und behandelt werden. „Eine sorgfältige kinder- und jugendpsychiatrische Diagnostik ist erforderlich, um den Entwicklungsaspekten der Jugendlichen ausreichend Rechnung zu tragen und auch die Angehörigen bzw. involvierte Einrichtungen adäquat einzubinden“, so der zuständige leitende Oberarzt von Vivantes Tobias Hellenschmidt. Das Programm umfasst nach einer differenzierten Diagnostik therapeutische Einzelgespräche. Den Kontakt zu den Jugendlichen und erste Informationen soll eine Internetseite mit dem Slogan „Du träumst von ihnen“ ermöglichen.

Foto: Gerhard Seybert - Fotolia

Autor: Angela Mißlbeck
Hauptkategorien: Prävention und Reha , Berlin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Prävention , Charité , Vivantes , Psychiatrie
 

Weitere Nachrichten zum Thema Prävention

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Digitale Innovationen ans Krankenbett bringen: Alexander Meyer vom Deutschen Herzzentrum Berlin ist das gelungen - dank des BIH Digital Health Accelerator-Programms. Am Dienstag ging die „Talentshow“ für digitale Ideen in die zweite Runde.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Interviews
Die akute Aortendissektion ist immer ein Notfall. Einer Studie zufolge könnte vielen Menschen das Leben gerettet werden, wenn sie rechtzeitig und adäquat behandelt werden würden. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Dr. Stephan Kurz vom Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB) über die Versorgungssituation und das erfolgreiche Projekt „Aortentelefon“ gesprochen.
Dr. Iris Hauth, Chefärztin des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Berlin-Weißensee, berichtet in Ihrem Buch "Keine Angst!" über Ursachen und Behandlung von Depressionen - und wie man sich davor schützen kann.