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Charité-Professor Michalsen über Osteopathie: Wirksames Verfahren, aber ohne finanzielle Lobby

Der Professor für Klinische Naturheilkunde der Charité, Andreas Michalsen, sieht in der Osteopathie ein wirksames naturheilkundliches Verfahren. Bislang fehlten aber klinische Studien, weil keine finanzstarke Industrie dahintersteht.
Prof. Andreas Michalsen von der Charité hat nach eigenen Angaben "Viele gute persönliche Erfahrungen mit Osteopathie gemacht"

Prof. Andreas Michalsen von der Charité hat nach eigenen Angaben "Viele gute persönliche Erfahrungen mit Osteopathie gemacht"

Die Osteopathie verkörpert nach Ansicht von Prof. Andreas Michalsen in hervorragender Weise den ganzheitlichen Ansatz guter komplementärer und integrativer Medizin. „Sie verbindet eine ganzheitliche, ursachenzentrierte Sicht auf Beschwerden und Krankheitskomplexe und behandelt in besonderer und umfassender Weise patientennah und manuell“, sagte der Professor für Klinische Naturheilkunde der Charité im Interview mit Prof. Marina Fuhrmann vom Verbandes der Osteopathen Deutschland (VOD).

Gute Erfahrungen mit Osteopathie gemacht

In der Bevölkerung sei die Osteopathie sehr geschätzt und nachgefragt, in der Verankerung der modernen Medizin teile sie aber das Schicksal vieler komplementärer und naturheilkundlicher Methoden: „Es steht keine finanzstarke Industrie dahinter und es ist schwierig angemessene Förderung, gerade auch für den wissenschaftlichen Bereich und die Durchführung von Studien, zu generieren“, bedauert Michalsen, der Chefarzt der Abteilung Innere Medizin und Naturheilkunde am Immanuel Krankenhaus Berlin ist. Er selbst habe viele persönliche gute Erfahrungen mit Osteopathie gemacht. „Auch bei unterschiedlichsten Indikationen waren es sehr gute und erfolgreiche Behandlungen“, so Michalsen. „Ich hatte selbst sehr früh mitbekommen, dass es eine wirksame Therapie für viele Patienten sein kann.“

Generell sieht der Professor für Naturheilkunde in der Bevölkerung ein wachsendes Interesse an seinem Fachgebiet. Dies decke sich mit der immer deutlich werdenden Erkenntnis, dass wir als Menschheit mit fast acht Milliarden Bevölkerung nicht gegen die Natur und die Biologie leben könnten. „Das ist weder für die Umwelt und den Planeten gut, noch für den eigenen Körper.“

Naturheilkunde hat vorteilhaften Placeboeffekt

So sei die Naturheilkunde wirklich ganzheitlich und mit einzelnen Maßnahmen wie Kneippgüssen, manueller Therapie oder Fasten ließen sich gleichzeitig gesundheitliche Effekte auf mehrere Beschwerden und Erkrankungen erzielen. „Dies ist in der konventionellen pharmakologischen, chirurgischen Therapie fast nie der Fall“, meint Michalsen.

Zum anderen fördere die Naturheilkunde die weitere Eigenaktivität der Patienten und stärke die Selbstheilungskräfte. Viele Naturheilkundeverfahren zeigten neben ihrem spezifischen Effekt, einen deutlichen Placebo Effekt. „Dies ist kein Nachteil, sondern zeigt im besonderen Maße, wie stark die Selbstheilungskräfte in der Naturheilkunde angesprochen werden.“

Angesichts der geringen Kosten und ihrer Nachhaltigkeit sei es schwer zu verstehen, warum die Naturheilkunde in einem auf Ökonomie getrimmten Gesundheitssystem immer noch zu wenig Beachtung finde.

Foto: ©Verband der Osteopathen Deutschland e.V.

Autor: ham
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