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Charité erforscht neues Konzept gegen Delir

Dienstag, 17. November 2015 – Autor:
Das Delir ist eine ernsthafte Komplikation, die besonders häufig bei Intensivpatienten auftritt. An der Charité wird nun ein neues Konzept erprobt. Im Mittelpunkt steht eine stressfreie Umgebung.
Neues Konzept gegen Delir: Charité setzt auf Raumgestaltung statt Medikamente

Neues Konzept gegen Delir: Charité setzt auf Raumgestaltung statt Medikamente

Wenn Menschen aufgrund einer körperlichen Erkrankung an Verwirrtheit leiden, sprechen Ärzte von einem Delir. Intensivpatienten sind besonders häufig von der Funktionsstörung des Gehirns betroffen, die gravierende Bleibeschäden bis hin zum Tod zur Folge haben kann. Während man früher Intensivpatienten meist sedierte, weiß man heute, dass gerade die ruhigstellenden Medikamente das Risiko eines Delirs erhöhen. Medikamente können also nicht die Lösung sein.

Den Tag-Nacht-Rhythmus aufrechterhalten

„Wir wissen inzwischen, dass die Aufrechterhaltung des natürlichen Schlaf-Wach-Rhythmus das Wohlbefinden von Patienten steigert und das Risiko für die Entwicklung von Delirien reduzieren kann“, betont Prof. Claudia Spies Direktorin der Klinik für Anästhesiologie an der Charité. Damit Intensivpatienten möglichst früh ihr volles Bewusstsein wiedererlangen, setzt die Intensivmedizinerin auf ein neues Konzept, in dessen Mittelpunkt eine angenehme, stressfreie Raumumgebung steht: Intensivzimmer werden so beleuchtet, dass der natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus der Patienten aufrechterhalten wird. Zudem rücken medizinische Geräte optisch in den Hintergrund und störende Geräusche werden weitgehend ausgeschaltet.

Raumgestaltung als Therapie gegen Delir

Zwei Intensivzimmer der Charité wurden bereits 2010 im Rahmen eines Pilotprojekts entsprechend patientenorientiert umgestaltet. Nun setzt die Charité das Forschungsvorhaben gemeinsam mit der Firma Philips für fünf Jahre fort. „Unsere fünfjährige Forschungskooperation wird an die bisher gewonnenen Erkenntnisse anknüpfen und weitere Studien zur nicht-pharmakologischen Vermeidung von Delirien bei Intensivpatienten durchführen“, erläutert Spies das Vorhaben. Ziel sei es, die Genesungschancen von Intensivpatienten zu erhöhen – fernab von weiteren Medikamentengaben.

Das Forschungsvorhaben wird durch eine neu eingerichtete Stiftungsprofessur ergänzt. Neben der räumlichen Umgebung werden hier auch die Beziehung der Patienten zu den Angehörigen sowie die Interaktion mit dem medizinischen Personal in den Blick genommen.

Foto: © Photographee.eu - Fotolia.com

Hauptkategorien: Berlin , Medizin
 

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