. Personelle Konsequenzen an der Charité

Charité-Dekanin Grüters-Kieslich nimmt den Hut

Annette Grüters-Kieslich wird ihr Amt als Dekanin der Charité zum Jahresende aufgeben. Anlass ist der Streit um Drittmittel, die nach Auffassung von Wirtschaftsprüfern falsch verbucht worden sein sollen.
Charité-Dekanin Grüters-Kieslich nimmt den Hut

Hielt dem Druck nicht mehr Stand: Prof. Dr. Annette Grüters-Kieslich gibt ihren Posten an der Charité zum Jahresende auf

Im Streit um die Verbuchung von Drittmitteln hat die Dekanin der Fakultät Prof. Dr. Annette Grüters-Kieslich angeboten, ihr Amt zum Jahresende zur Verfügung zu stellen. Der Aufsichtsrat hat dies in seiner heutigen Sitzung angenommen. Die Dekanin begründete diesen Schritt damit, dass sie weiteren Schaden von der Charité abwenden wolle, der durch die öffentliche Diskussion insbesondere um die Verwendung der Drittmittel entstanden sei. Grüters kündigte an, sich neuen Aufgaben stellen zu wollen.

Die Wirtschaftsprüfer hatten vor allem der Dekanin die Hauptschuld für die aus ihrer Sicht fragwürdig verbuchten Forschungsmittel gegeben. Seither stand Grüters-Kieslich massiv unter Druck. Nach Tagesspiegel-Informationen müssen aber auch Vorstandschef Karl-Max Einhäupl und Finanzvorstand Matthias Scheller um ihre Ämter fürchten. Insbesondere Finanzsenator Nußbaum verlange neue Führungsfiguren, schrieb das Blatt am Freitag unter Berufung auf Insider. Nußbaum wolle die Charité ausschließlich an wirtschaftlichen Interessen ausrichten, die „Wissensvermehrung“ und die Ausbildung der Ärzte würden dann schwer beschädigt werden, zitiert der Tagesspiegel einen Professor.

Noch ist unklar, ob die Drittmittel wirklich falsch verbucht worden sind

Die Fakultät hatte, was auch an anderen Kliniken nicht unüblich ist, Forschungsmittel als Verbindlichkeiten gebucht. Jahrelang hatte das Wirtschaftsprüfungsunternehmen keinen Anstoß daran genommen, im Frühjahr ließ es nun eine Bombe platzen. Mittlerweile ermittelt die Staatsanwaltschaft  gegen Einhäupl und Grüters-Kieslich wegen Vorwürfen des Bilanzbetrugs. Ob die angesparten Mittel in Höhe von 34 Millionen Euro nun tatsächlich falsch gebucht worden sind, um sie vor dem Aufsichtsrat zu verschleiern, werden nun Juristen klären müssen.

Aus Fakultäts-Sicht kann von schwarzen Kassen, wie behauptet wird, keine Rede sein. In einer offiziellen Mitteilung der Charité heißt es zumindest, eine Fehlverwendung der Mittel habe es aus Sicht der Zuwendungsgeber nicht gegeben.  Ziel des Aufsichtsrates sei es, dass die Charité wieder in ruhiges Fahrwasser komme. Deshalb habe der Aufsichtsrat der Charité die Entscheidung von Frau Grüters-Kieslich mit Respekt zur Kenntnis genommen.

 
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