. Aktionsbündnis Patientensicherheit

Charité bekommt Preis für Patientensicherheit 2015

Das Risikomanagement der Charité zur Dekubitus- und Sturzprophylaxe hat beim Deutschen Preis für Patientensicherheit 2015 den ersten Platz belegt. Der Preis wurde am Donnerstag vom Aktionsbündnis Patientensicherheit in Berlin verliehen.
Charité bekommt den Preis für Patientensicherheit 2015

Das Aktionsbündnis Patientensicherheit hat die Charité für ihr Risikomanagement zur Dekubitus- und Sturzprophylaxe ausgezeichnet

Mehr Sicherheit für Patienten, dafür kämpft das Aktionsbündnis Patientensicherheit (APS) seit über zehn Jahren. Mit dem Deutschen Preis für Patientensicherheit will das Bündnis Mitstreiter belohnen, die sich für dieselben Ziele einsetzen. Erster Preisträger in diesem Jahr ist die Charité mit ihrem Risikomanagement zur Dekubitus- und Sturzprophylaxe. 10.000 Euro gibt es für diesen ersten Platz. Weitere Preise im Wert von 6.000 bzw. 4.000 Euro erhielten ein Projekt zur Verbesserung der Versorgung Frühgeborener, das „Asklepios CIRS-Netz – Einrichtungsübergreifendes Lernen aus Fehlern“ sowie simparteam®, ein Notfalltraining für geburtshilfliche Teams.

Risikomanagement zum Schutz vor Wundliegen und Sturz

Mit ihrem Risikomanagement zum Schutz vor Wundliegen und Sturz konnte die Charité nach eigenen Angaben schon viel bewirken. Das Auftreten von Druckgeschwüren sank seit Einführung im Jahr 2009 um mehr als 10 Prozent auf unter 0,8 Prozent. Insbesondere tiefe Druckgeschwüre des höchsten Grades 4 konnten nach Charité-Angaben erfolgreich vermieden werden. Bei der Reduktion von Stürzen erwartet das Team ähnlich gute Ergebnisse.

Druckgeschwüre – Dekubitus – entstehen bei langen Liegezeiten und unzureichender Mobilisation. Etwa 72. 000 Krankenhaus-Patienten in Deutschland sind jedes Jahr davon betroffen. Ebenso stürzen vier Prozent aller Krankenhaus-Patienten, neun Prozent von ihnen erleiden dabei schwere Verletzungen. „Beide Ereignisse sind vermeidbar, sie können aber schwerwiegende Folgen nach sich ziehen - von verlängerten Krankenhausaufenthalten über bleibende Beeinträchtigungen bis hin zum Tod“, erklärte Prof. Hartmut Siebert, stellvertretender Vorsitzender des APS.

Charité: Intensivstationen nutzen das Risikomanagement

Wie das Projekt der Charité zeigt, lassen sich diese Risiken jedoch größtenteils vermeiden. „Bereits bei der Eingangsuntersuchung erfassen wir systematisch das individuelle Risikoprofil unserer Patienten, beispielsweise ihre Mobilität und Begleiterkrankungen wie Demenz“, erläuterte Projektleiter Armin Hauss vom Klinischen Qualitäts- und Risikomanagement der Charité bei der Preisverleihung auf der APS-Jahrestagung in Berlin. „Aus dem persönlichen Risikoprofil werden dann maßgeschneidert Vorbeugungsstrategien erstellt, von besonders geschultem Pflegefachpersonal umgesetzt und regelmäßig kontrolliert.“ Inzwischen würden die Vorbeugemaßnahmen auf Intensivstationen zu 95 Prozent umgesetzt. Das sei ein fantastischer Wert, meinte Hauss.

Best-Practice-Beispiele sollen Nachahmer finden

Berlins Wissenschaftssenatorin Sandra Scheeres lobte die Charité für ihr Projekt, das bundesweit Vorbildcharakter habe. Eine Jury mit Vertretern aus Pflege, Ärzteschaft, Apotheken, Selbsthilfe, Forschung, Industrie und Kostenträgern hatte aus 44 Bewerbungen die Preisträger ausgewählt. Kriterien für die Preisvergabe waren zukunftsweisende Ansätze zur Verbesserung der Patientensicherheit in allen Bereichen des Gesundheitswesens. „Wir möchten Best-Practice-Beispiele zur Beförderung der Patientensicherheit sichtbar machen und dadurch Nachahmer gewinnen“, so Hedwig François-Kettner, erste Vorsitzende des APS. Das Preisgeld wurde unterdessen von verschiedenen Industrieunternehmen bereitgestellt. 

Hauptkategorien: Berlin , Gesundheitspolitik
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