Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
12.11.2018

CGRP-Antikörper: Neue Option in der Migräneprophylaxe

Zur Prophylaxe der Migräne steht eine neue Substanzklasse zur Verfügung, die CGRP-Antikörper. Die Erwartungen an den neuen Wirkstoff sind hoch, doch nicht alle Migränepatienten werden von den Medikamenten profitieren.
Migräne, Migräneprophylase, CGRP-Antikörper

Migränepatienten können möglicherweise von einer neuen Wirkstoffklasse profitieren

Migräne ist die häufigste neurologische Erkrankung in Deutschland. Etwa zehn bis 25 Prozent aller Frauen und acht bis zehn Prozent der Männer hierzulande leiden an den heftigen Kopfschmerzattacken – oft so stark und häufig, dass die Betroffenen eine Prophylaxe benötigen. Doch nur wenige Patienten erhalten diese. Nun steht für einige Betroffene eine neue Substanzklasse zur Verfügung: die CGRP-Antikörper. Es sind die ersten Wirkstoffe, die Migräneanfällen spezifisch vorbeugen.

„Die Erwartungen sind hoch, doch einige Patientinnen und Patienten werden nicht von der neuen Generation der Migräneprophylaktika profitieren“, erklärte Professor Hans-Christoph Diener von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) beim diesjährigen DGN-Kongress. Zu den Antikörpern, die gegen Migräne eingesetzt werden können, gehören Eptinezumab, Erenumab, Fremanezumab und Galcanezumab. In Europa wurde Erenumab als erster Antikörper gegen den CGRP-Rezeptor zugelassen.

Neue Antikörper haben weniger Nebenwirkungen als andere Medikamente

„Amitriptylin, die Antiepileptika Topiramat, Valproinsäure und Flunarizin sowie Betablocker sind zweifelsfrei wirksam in der Migräneprophylaxe. Sie haben aber auch erhebliche unerwünschte Arzneimittelwirkungen“, sagt  Diener. „Die Compliance der Medikamenteneinnahme beträgt in der Prophylaxe nach zwölf Monaten nur noch etwa 30 Prozent. Bei einem Teil der Patienten ist dies durch eine nicht zufriedenstellende Wirksamkeit der Medikamente erklärt, beim überwiegenden Anteil allerdings durch Nebenwirkungen“, so der Neurologe.

In indirekten Vergleichen sind die Antikörper zwar nicht wirksamer als die traditionellen Migräneprophylaktika, doch offenbar verträglicher - bedingt durch die hohe Spezifität der Antikörper mit einer fehlenden Interaktion mit anderen Neurotransmittern und Medikamenten. In den Studien haben nur zwischen zwei und vier Prozent aller Patienten die Behandlung wegen unerwünschter Arzneimittelwirkung abgebrochen.

 

Warnung vor zu hohen Erwartungen

Von einer Revolution der Migräneprophylaxe könne in Anbetracht offener Fragen, unter anderem zu den Kosten, aber auch zur Sicherheit bei bestimmten Vorerkrankungen, dennoch noch nicht gesprochen werden, so Diener. Derzeit sei daher auch nicht abzusehen, welche Migränepatienten nach Beschluss der Krankenkassen und des gemeinsamen Bundesausschusses die neue Therapie erhalten werden.

Bisher war in der Migräneprophylaxe die Wirksamkeit der Betablocker Metoprolol und Propranolol, des Kalziumantagonisten Flunarizin, der Antikonvulsiva Topiramat und Valproinsäure und des trizyklischen Antidepressivums Amitriptylin am besten belegt. Medikamentöse Therapien sollten allerdings unbedingt durch nicht nichtmedikamentöse Verfahren ergänzt werden. Dazu gehören vor allem Ausdauersport, Entspannungsverfahren und Stressmanagement.

Foto: © sebra - Fotolia.com

Autor: anvo
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Migräne
 

Weitere Nachrichten zum Thema Migräne

Frauen erleiden fünfmal so häufig Migräne-Attacken wie Männer – und oft helfen nur noch Rückzug und Ruhe. Eine Migräne-App der Techniker Krankenkasse verspricht, die Behandlungsergebnisse zu verbessern - auch durch eine aktivere Rolle der Patienten. Laut einer Studie verringert die TK-App die Tage mit Kopfschmerzen im Monat immerhin um drei. Das entspricht einem Viertel.

10.04.2019

Forscher haben jetzt herausgefunden, dass Rotwein als Migräne-Trigger überschätzt wird. Doch Migräne-Patienten sollten lieber auf ihren Bauch als auf die neuen Studienergebnisse hören. Denn Alkohol, und insbesondere Rotwein, kann sehr wohl eine Migräneattacke auslösen.

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Ein gutes Patientengespräch kann offenbar postoperative Schmerzen lindern. Das konnten Wissenschaftler jetzt in einer Studie zeigen. Je besser die Patienten in die Schmerztherapie einbezogen wurden, desto seltener wünschten sie zusätzliche Schmerzmittel.


 
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin