. Chronisches Erschöpfungssyndrom

CFS-Patienten in Notaufnahmen oft nicht fachgerecht behandelt

Das Personal in Notaufnahmen kennt sich häufig nicht mit dem Chronischen Erschöpfungssyndrom (CFS) aus. Das ist das Ergebnis einer Online-Umfrage unter Patienten. Betroffene werden demnach in Notaufnahmen oft nicht adäquat behandelt.
Chronisches Fatigue Syndrom, CFS

In Notaufnahmen stoßen viele CFS-Patienten auf Unverständnis

Die Symptome eines Chronischen Erschöpfungssyndroms (Chronic Fatigue Syndrom, CFS) sind vielfältig. Dazu gehören unerträgliche Erschöpfung, die sich auch durch Schlaf nicht beheben lässt, Sprachstörungen, Lähmungen, Schmerzen und einiges mehr. Die Ursachen der Erkrankung liegen noch größtenteils im Dunkeln.

Da Symptome und Behandlungsmöglichkeiten von CFS selbst bei medizinischem Personal häufig nicht bekannt ist, haben Betroffene oft Schwierigkeiten, eine angemessene Behandlung zu erhalten. Eine Umfrage sollte daher klären, in welchen Situationen CFS-Patienten die Notaufnahmen von Krankenhäusern aufsuchen und welche Unterstützung sie dort erfahren.

80 Prozent des Personals kannte sich mit CFS nicht aus

Die Umfrage von Forschern der Georgetown Universität in Washington DC wurde online durchgeführt. Teilnehmer waren 282 Patienten mit einer gesicherten CFS-Diagnose. Ihre Angaben vergleichen die Ärzte mit einer vorher durchgeführten Umfrage zu Notaufnahmen mit 1.495 Probanden, die nicht unter CFS litten. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse im OpenAcess-Journal „Dove Medical Press“.

56 Prozent der Patienten mit Chronischem Erschöpfungssyndrom berichteten, wegen ihrer Symptome schon einmal eine Notaufnahme aufgesucht zu haben. Hauptgründe waren Schwindel und Benommenheit, allgemeine Schwäche, Ohnmachtsanfällen und Herzrasen. Nach Angaben der Befragten war die Erkrankung CFS bei etwa 80 Prozent des Personals in den Notaufnahmen unbekannt. Häufig wurde das Krankheitsbild nicht ernst genommen.

 

Autoren schlagen 5-Punkte-Plan vor

In 57 Prozent der Fälle stellten die Notärzte fälschlicherweise eine psychosomatische Diagnose. 40 Prozent der Betroffenen wurde mitgeteilt, dass sich „alles nur in ihrem Kopf“ abspiele. Wie die Umfrage auch zeigte, sagen viele Patienten dem Notfallpersonal nicht, dass sie unter CFS leiden – aus Angst, stigmatisiert und nicht ernst genommen zu werden.  

Nach Auffassung der Autoren muss sich die Versorgung von CFS-Patienten in den Notaufnahmen wesentlich verbessern. Dafür schlagen sie einen 5-Punkte-Plan vor, der folgende Maßnahmen enthält:

  1. Das Personal in den Notaufnahmen muss über CFS aufgeklärt werden.
  2. Akut lebensgefährliche Leiden wie ein Herzinfarkt müssen sofort ausgeschlossen werden.
  3. Es sollte immer eine ausführliche Anamnese inklusive chronischer und psychiatrischer Vorerkrankungen erhoben werden.
  4. CFS ist anhand der Kardinalsymptome zu identifizieren (z. B. mithilfe des CFS-Severity-Scores).
  5. Die Symptome sollten nach einem Standardprozedere behandelt werden.

CFS unbedingt ernst nehmen

CFS ist eine schwere Erkrankung, welche die Lebensqualität der Betroffenen stark beeinträchtigt und bis zu Berufsunfähigkeit führen kann. Neben den körperlichen Symptomen bedeutet die Verständnislosigkeit vieler Mitmenschen eine zusätzliche große Belastung für die Erkrankten.

Dabei gibt es heute bereits gute Kriterien für eine Diagnose und auch einige, wenn auch eingeschränkte Behandlungsmöglichkeiten. Zunächst sind allerdings andere Erkrankungen auszuschließen. Denn viele Krankheiten gehen mit ähnlichen Symptomen einher wie beispielsweise chronische Infektionen, Autoimmunerkrankungen, Multiple Sklerose, Krebs oder Depressionen.

Foto: © toodtuphoto - Fotolia.com

Autor: anvo
Hauptkategorie: Gesundheitspolitik
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