. Chronische Erschöpfung

CFS: Immer mehr Hinweise auf Autoimmunerkrankung

Die Pathogenese von CFS/ME ist bisher noch ungeklärt. Es gibt jedoch Hinweise, dass es sich dabei um eine Autoimmunerkrankung handelt. Eine Studie von Wissenschaftlern der Charité konnte nun zeigen, dass vieles für diese Annahme spricht.
CFS, Chronisches Erschöpfungssyndrom, ME, Autoimmunerkrankung

Die Hinweise, dass CFS eine Autoimmunerkrankung ist, mehren sich

Das Chronische Erschöpfungssyndrom (CFS) ist gekennzeichnet durch eine bleierne Müdigkeit bis zur Bewegungsunfähigkeit. Hinzu kommen häufig weitere sehr belastende Symptome wie Lähmungen, Sprachstörungen und Schmerzen. Typisch für CFS ist zudem die Post Exertional Malaise, eine ausgeprägte Verstärkung aller Symptome nach nur geringer körperlicher oder geistiger Anstrengung.

Die genaue Ursache des Erschöpfungssyndroms, das auch als myalgische Enzephalomyelitis (ME) bezeichnet wird, ist bislang unklar. Sicher scheint zu sein, dass bei CFS eine schwere Stoffwechselstörung im Energiehaushalt der Zellen vorliegt. Zudem mehren sich die Hinweise, dass es sich um eine Autoimmunerkrankung handelt. Eine Studie von Wissenschaftlern der Charité, an der auch die CFS-Expertin Professor Carmen Scheibenbogen beteiligt war und die im Auftrag des European Network on ME/CFS (EUROMENE) durchgeführt wurde, hat die wissenschaftliche Evidenz dafür zusammengefasst, dass CFS eine Autoimmunkrankheit ist.

Autoantikörper weisen auf Autoimmunerkrankung hin

Die Ergebnisse: Das Chronische Erschöpfungssyndrom beginnt häufig mit einer Virusinfektion, zum Beispiel mit dem Epstein-Barr-Virus, und einem damit einhergehenden Pfeifferschen Drüsenfieber. Diese Infektion ist ein bekannter Risikofaktor für Autoimmunerkrankungen, denn das EBV weist Ähnlichkeiten mit vielen menschlichen Autoantigenen auf. Werden also Antikörper gegen die Virusinfektion gebildet, können diese aufgrund der Ähnlichkeit auch körpereigene Strukturen angreifen.

Ein weiterer Hinweis: Bei CFS-Patienten wurden Veränderungen der Immunzellen festgestellt; zudem wurden Autoantikörper gefunden, die körpereigene Zellkerne, Membranen und Rezeptoren für Neurotransmitter angreifen. Dies kann zu Störungen des Zell- und Energiestoffwechsels, Muskelschwäche, Entzündungsreaktionen, und orthostatischen Syndromen führen.

Dafür, dass es sich bei CFS um eine Autoimmunerkrankung handelt, spricht auch, dass diese Erkrankungen mit Störungen Energiestoffwechsels und einer chronischen Entzündungsreaktion verbunden sind – auch hierfür gibt es bei ME/CFS-Patienten Anzeichen. Und nicht zuletzt weist das Chronische Erschöpfungssyndrom Komorbiditäten mit anderen Autoimmunerkrankungen an. So haben Betroffene ein erhöhtes Risiko für Fibromyalgie, Hashimoto-Thyreoditis, orthostatischer Dysregulation und weisen zudem familiäre Häufungen von Autoimmunerkrankungen.

 

Neue Therapieansätze in der klinischen Erprobung

Für die Studienautoren ist eines besonders wichtig: Wenn CFS tatsächlich eine Autoimmunerkrankung ist, dann könnten auch damit verbundene Therapieansätze genutzt werden. Dazu gehört unter anderem die Immunsuppression, zum Beispiel durch Rituximab, das die Bildung von Autoantikörpern verringert. Zwar konnte eine groß angelegte klinische Studie bisher keine signifikanten Therapieeffekte des Wirkstoffs nachweisen, doch die bisher vorhandene Evidenz spricht dafür, dass es verschiedene Subgruppen von CFS-Patienten gibt, die auch verschiedene Behandlungsansätze benötigen. Weitere Studien mit immunmodulierenden Medikamenten laufen zurzeit noch. Die aktuelle Analyse wurde in der Fachzeitschrift Autoimmunity Reviews veröffentlicht.

Foto: © Zerbor - Fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Autoimmunerkrankungen
 

Weitere Nachrichten zum Thema Chroniches Erschöpfungssyndrom

| Schon länger werden die Symptome des Chronischen Erschöpfungssyndroms (CFS) mit einem gestörten Energiestoffwechsel in den Mitochondrien in Verbindung gebracht. Eine klinische Studie hat nun erste Hinweise auf die Wirksamkeit einer Therapie mit KPAX002 gezeigt, welches ein Stimulans mit Nährstoffen zur Regulation der Mitochondrien kombiniert.
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
Unerträgliche Erschöpfung, die sich auch durch Schlaf nicht beheben lässt, Sprachstörungen, Lähmungen, Schmerzen – All das können Symptome eines Chronischen Erschöpfungssyndroms (Chronic Fatigue Syndrom, CFS) sein. Der internationale CFS-Tag am 12. Mai macht auf das Schicksal der Betroffenen aufmerksam.
Das Chronische Fatigue Syndrom (CFS) bedeutet für viele Patienten meist einen weitgehenden Verlust ihres bisherigen Lebens. Dennoch gibt es bisher kaum wirksame Therapien und zu wenig Forschung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen über die Erkrankung und ihre Behandlungsmöglichkeiten gesprochen.
 
. Weitere Nachrichten
Die chronisch obstruktive Lungenkrankheit, kurz COPD, gilt als typische Raucherkrankheit. Doch auch Nichtraucher können daran erkranken. Forscher haben nun eine mögliche Ursache gefunden.
Mindestens 192 Menschen sind in den ersten sieben Monaten dieses Jahres beim Baden in deutschen Gewässern ertrunken. Angesichts der Hitzewelle rechnet die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) mit einem Anstieg der Fälle und gibt Tipps, damit aus dem Badespaß kein Ernst wird. An Flüssen, Seen und am Meer lauern ganz unterschiedliche Gefahren.
 
 
. Kliniken
. Interviews
Hitzewellen sind eine reale Gefahr für die Gesundheit und lassen die Mortalitätsrate ansteigen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem wissenschaftlichen Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Freiburg, Prof. Dr. Andreas Matzarakis, über Hitzewarnsysteme und die Auswirkungen von Hitzewellen auf unsere Gesundheit gesprochen.
Das Essen in deutschen Krankenhäusern hat keinen besonders guten Ruf. Dabei lässt sich mit wenig Mehraufwand viel erreichen. Der Internist und Ernährungsmediziner Prof. Dr. Christian Löser erklärt die medizinischen und ökomischen Effekte einer gesunden Ernährung im Krankenhaus.
Pflegekräfte sind in der Coronakrise wichtiger denn je und gleichzeitig besonders gefährdet. Das persönliche Engagement ist und bleibt dennoch hoch. Über Wertschätzung, Sicherheitsrisiken und die Gefahr der Selbstausbeutung in Pflegeberufen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Pflegeexperten Thomas Meißner gesprochen.