Carbetocin stillt Blutungen nach der Geburt genauso gut wie Oxytocin

Weltweit sterben jedes Jahr rund 70.000 Frauen nach der Geburt an unstillbaren Blutungen der Gebärmutter. Das Uterusmittel Carbetocin könnte etliche Todesfälle verhindern, sagen Experten. Denn anders als das Standard-Präparat Oxytocin muss es nicht gekühlt werden.
Geburt, Carbetocin

Blutungen nach der Geburt kosten jedes Jahr tausenden Frauen das Leben. Carbetocin könnte das künftig verhindern

Auch im 21. Jahrhundert sterben Frauen unter oder nach der Geburt eines Kindes. Weltweit gehen allein 70.000 Todesfälle auf eine Uterusatonie zurück, die Blutungen der Gebärmutter zur Folge hat. Üblicherweise bekommen die Mütter dann Oxytocin gespritzt. Es sorgt für Kontraktionen des Uterus und stillt die Blutung. Das Uterusmittel hat jedoch einen Nachteil: Wird es nicht ständig bei acht Grad gekühlt, verliert es seine Wirksamkeit. In Europa ist das kein sonderlich großes Problem. In vielen Regionen der Welt lässt sich eine ununterbrochene Kühlkette jedoch nicht realisieren.

Carbetocin, das ähnliche Eigenschaften wie Oxytocin besitzt, ist dagegen hitzebeständig. Es soll selbst bei Temperaturen von mehr als 41 Grad 30 Jahre lang halten. Nun wurde die Wirksamkeit der beiden Mittel in einer großen Studie unter Federführung der Universität Birmingham miteinander verglichen.

Studie belegt gleiche Wirksamkeit

30.000 Frauen aus zehn verschiedenen Ländern, die die gerade ein Kind geboren hatten und an Gebärmutterblutungen litten, bekamen entweder ungekühltes Carbetocin oder kühl gelagertes Oxytocin verabreicht. Das Ergebnis: Die Wirksamkeit war nahezu identisch. Die Studie wurde unter anderem in Großbritannien, Uganda, Ägypten und Thailand durchgeführt.

 „Diese Studie zeigte, dass das hitzestabile Carbetocin genauso die Haemorrhagie nach einer Geburt verhindern kann wie der Standard unter optimalen Lagerungsbedingen“, sagt Studienleiter Prof. Arri Coomarasamy von der Universität Birmingham. „Es ist fantastisch, dass wir eine Medizin gefunden haben, die das Potenzial hat, das Leben tausender Mütter zu retten.“

 

 Die Kühlung ist das Problem

 In Ländern mit einer schwachen Infrastruktur wie Indien könnte Carbetocin schon bald den Standard Oxytocin ersetzen. Für viele abgelegene Krankenhäuser sei es unmöglich, die Medikamente bei einer Temperatur von höchstens acht Grad aufzubewahren, meint der Mediziner Girija Mohanty aus Cuttack. Ebenso schwierig sei es, eine ununterbrochene Kühlkette auf langen Landwegen aufrechtzuerhalten. "Jeden Tag sehe ich die verheerenden Auswirkungen, die nicht zu stillende Blutungen nach einer Geburt auf die Mutter und ihre Familie haben. Es ist extrem frustrierend zu wissen, dass der Tod in vielen Fällen verhindert werden könnte“, so der Arzt aus Indien. Auch er freut sich über die Studienergebnisse, die eine einfache Lösung eines großen Problems nahelegen.

Foto: pixabay

Autor: ham
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Geburt , Arzneimittel
 

Weitere Nachrichten zum Thema Geburt

| Auch Väter können am Baby-Blues leiden. Das geht aus einer US-Studie hervor. Schon lange bekannt ist, dass einige Mütter nach der Entbindung eine sogenannte postpartale Depression entwickeln.
| Eine grosse Studie mit fast 65.000 Schwangeren in Grossbritannien hat gezeigt, dass die Hausgeburt mit einem erhöhten Risiko für Mutter und Kind verbunden ist. Auch in Deutschland endet jede zehnte Hausgeburt in einer Klinik.
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Braunes Fett gilt als Sattmacher und Kalorienkiller. Jetzt haben Forscher herausgefunden, dass das Darmhormon Sekretin braunes Fettgewebe stimuliert. Unklar ist noch, welche Lebensmittel den Prozess in Gang setzen können.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

Evangelisches Geriatriezentrum Berlin gGmbH, Reinickendorfer Straße 61, 13347 Berlin
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Interviews
Die akute Aortendissektion ist immer ein Notfall. Einer Studie zufolge könnte vielen Menschen das Leben gerettet werden, wenn sie rechtzeitig und adäquat behandelt werden würden. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Dr. Stephan Kurz vom Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB) über die Versorgungssituation und das erfolgreiche Projekt „Aortentelefon“ gesprochen.
Dr. Iris Hauth, Chefärztin des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Berlin-Weißensee, berichtet in Ihrem Buch "Keine Angst!" über Ursachen und Behandlung von Depressionen - und wie man sich davor schützen kann.
Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor für Klinische Naturheilkunde an der Charité, über die Grenzen der Schulmedizin, den Wildwuchs in der Naturheilkunde und warum sich beide Disziplinen gerade näherkommen.