Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
28.04.2017

Cannabis hilft bei Epilepsie

Die Einnahme von Cannabidiol aus der Cannabis-Pflanze kann Kindern und Erwachsenen helfen, die an einer schweren Form von Epilepsie leiden. Das besagt eine US-Studie.
Langzeit-EEG

Bei einem kleinen Epilepsie-Patienten wird die Hirnaktivität gemessen

Die Studie wurde auf der Jahrestagung der American Acadamy of Neurology in Boston präsentiert. Cannabidiol ist der zweite wichtige Wirkstoff der Cannabis-Pflanze. Im Gegensatz zum Hauptwirkstoff Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC) hat er keine psychoaktiven Eigenschaften hat und führt nicht zu Rauschzuständen.

An der Studie nahmen Probanden teil, die am Lennox-Gastaut-Syndrom (LGS) leiden. Dies Form der Epilepsie beginnt meist im Kleinkindalter und ist mit Krampfanfällen verbunden. Dabei ändert sich der Muskeltonus, was zu Stürzen und nicht selten zu Verletzungen und Krankenhaus-Einlieferungen führt. Die Anfälle sind schwer zu kontrollieren und reagieren in der Regel nicht gut auf Medikamente.

Cannabis hilft bei Epilepsie

An der randomisierten, doppelblinden, placebo-kontrollierten Studie nahmen 225 Personen mit einem Durchschnittsalter von 16 Jahren über einen Zeitraum von 14 Wochen teil. Die Teilnehmer hatten durchschnittlich 85 Krampfanfälle pro Monat. Bei ihnen waren bereits durchschnittlich sechs Epilepsie-Medikamente getestet worden, die nicht anschlugen. Sie nahmen während der Studie durchschnittlich drei Epilepsie-Medikamente ein.

Die Teilnehmer erhielten entweder eine höhere Dosis von 20 mg/kg täglich Cannabidiol in Tropfenform, eine niedrigere Dosis von 10 mg/kg täglich als Tropfen oder Placebo-Tropfen, jeweils als Zusatz zu ihren aktuellen Medikamente. Bei denjenigen, die die höhere Dosis einnahmen, halbierte sich bei 40 Prozent der Teilnehmer die Zahl der Anfälle, bei der niedrigeren Dosis, halbierte sich die Zahl der Anfälle bei 36 Prozent der Teilnehmer.  Bei denjenigen, die das Placebo einnahmen, halbierte sich die Zahl der Anfälle bei 15 Prozent der Teilnehmer.

 

Nebenwirkungen Appetitlosigkeit und Schläfrigkeit

Es gab Nebenwirkungen bei 94 Prozent der Teilnehmer mit der höheren Dosis, bei 84 Prozent mit der niedrigeren Dosis und bei 72 Prozent mit Placebo, die meisten wurden als mild bis mäßig angegeben. Die beiden häufigsten waren Appetitlosigkeit und Schläfrigkeit. Cannabidiol könnte Krampfanfälle reduzieren, die sonst schwer zu kontrollieren sind, bilanziert Studienautorin Dr. Anup Patel vom Nationwide Children's Hospital und The Ohio State University College of Medicine in Columbus und sei eine wichtige neue Behandlungsoption. Die Studie wurde von GW Pharmaceuticals, einem Hersteller von Cannabidiol, unterstützt.

In Deutschland sind Blüten oder Extrakte der Cannabis-Pflanze seit März 2017 als Medikament zugelassen, können schwerkranken Patienten auf Rezept verordnet werden und werden von den Krankenkassen erstattet. Cannabis wird eine schmerzlindernde und krampflösende Wirkung zugeschrieben, es wird bei verschiedenen Indikationen wie Krebs oder MS eingesetzt. Der medizinische Nutzen ist allerdings meist noch nicht eindeutig belegt. Daher soll er hierzulande in den nächsten Jahren in einer Begleitstudie zu den Verordnungen weiter erforscht werden.

Foto: tobilander/fotolia.com

Autor: bab
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Arzneimittel
 

Weitere Nachrichten zum Thema Cannabis

Alkohol am Steuer: Da ist klar definiert, was erlaubt ist und was nicht. Bei Medizinalhanf ist es diffiziler. Der ist zwar ein Medikament und seit 2017 legal – aber es fehlt der Beipackzettel mit klaren Instruktionen und Warnhinweisen. Für die Patienten, die ihn nutzen, heißt das: gute Selbsteinschätzung, hohes Verantwortungsbewusstsein.

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
 
Weitere Nachrichten
Klimaanlagen, Zigarettenqualm, langes Sitzen vorm PC-Bildschirm: So können situativ trockene Augen entstehen, die reiben und schmerzen. Trockene Augen können aber auch eine chronische Krankheit sein. Hier ein paar Tipps dazu von Experten.


Im Gegensatz zur Bundespolitik ist offenbar eine klare Mehrheit von Apotheken-Mitarbeitern in Deutschland für eine Legalisierung von sogenanntem Genuss-Cannabis – unter der Bedingung einer streng kontrollierten Abgabe. Das ergibt sich aus einer Studie des Berliner Marktforschungsinstituts Aposcope.
 
Kliniken
Interviews
Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.


Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.
Logo Gesundheitsstadt Berlin