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Cancer Center der Charité erhält Großspende für molekulare Diagnostik

Krebsforscher vom Charité Comprehensive Cancer Center entwickeln ein Verfahren, das künftig die molekulare Tumor-Diagnostik per Bluttest ermöglichen soll. Mit einer Großspende der Sparda-Bank Berlin kann das vielversprechende Projekt nun zu Ende geführt werden.
Cancer Center der Charité erhält Großspende für molekulare Diagnostik

Keilholz, Kohler; Frei: 110.000 Euro bringen das neue Diagnostikverfahren vom CCCC ein gutes Stück weiter

Das Charité Comprehensive Cancer Center (CCCC) hat am Donnerstag eine Spende über 110.000 Euro von der Sparda-Bank Berlin erhalten. Das Geld, das über Gewinnspar-Lose der Bank zusammenkam, wollen die Berliner Krebsforscher nun in die Weiterentwicklung der molekularen Tumor-Diagnostik stecken. „Diese Unterstützung hilft uns sehr, künftig mehr Krebspatienten gezielte Therapien zur Verfügung zu stellen“, sagte der kommissarische CCCC-Direktor Prof. Ulrich Keilholz bei der Spendenscheckübergabe am Donnerstag. Auch der Ärztliche Direktor der Charité Prof. Ulrich Frei dankte dem Vorstandsvorsitzenden der Sparda-Bank Frank Kohler für die großzügige Spende: „Mit dem Geld werden wir ein gutes Stück weiterkommen.“

Für zielgenaue Therapien brauchen Ärzte eine klare Diagnostik

Die Charakterisierung von Tumoren auf molekularer Ebene ist Voraussetzung, damit Patienten mit einem passgenauen Medikament, etwa einem Antikörper, behandelt werden können. Doch derzeit hinken die diagnostischen Möglichkeiten den therapeutischen hinterher. Das liegt nach Auskunft von Ulrich Keilholz unter anderem daran, dass zur Diagnostik bislang Tumorproben benötigt werden, die aber oftmals gar nicht zur Verfügung stehen. Insbesondere in der metastasierten Situation sei es häufig unmöglich, geeignetes Tumormaterial zu bekommen, erläuterte der Krebsmediziner. Zudem seien wiederholte Biopsien für die Patienten sehr belastend.

Aus diesem Grund entwickelt das Forscherteam um Keilholz ein System, das die molekulare Diagnostik künftig aus dem Blut erlauben soll. Das System soll wiederum als Grundlage zur Entwicklung einzelner mutationsspezifischer Bluttests dienen. „Wir haben bereits eine Methode entwickelt, mit der wir tumorspezifische Mutationen anhand von zirkulierenden Tumorzellen und freier DNA im Blut bzw. Blutserum nachweisen können“, erklärte Keilholz. Selbst komplexe Mutationsprofile ließen sich damit charakterisieren. Zudem erlaube das Verfahren auch ein besseres Verständnis, warum viele Tumore gegen die zunächst hochaktiven Substanzen relativ schnell resistent werden.

Patienten aus ganz Deutschland werden von den Bluttests profitieren

Bis Ende des Jahres wollen die Charité-Forscher das Projekt abgeschlossen haben. Dann werde man das Diagnostikverfahren auch anderen Krebszentren zur Verfügung stellen, kündigte Keilholz an. Praktisch bedeutet das, dass Patienten aus dem ganzen Bundesgebiet von der Berliner Neuentwicklung profitieren werden.

Sparda-Bank Chef Kohler findet die Idee klasse und hat darum genau das Diagnostik-Vorhaben des CCCC für die Spende ausgewählt. „Wir freuen uns sehr über die Möglichkeit, auch das CCCC bei der Weiterentwicklung in der Krebstherapie zu unterstützen, um die Therapie für die Patientinnen und Patienten erträglicher zu machen“, sagte er. Das Unternehmen nimmt nach eigenen Angaben über seine Gewinnspar-Aktion jedes Jahr rund eine Million Euro an Spendengeldern ein. Die Million wird ausnahmslos in die Krebshilfe gesteckt, jedoch in kleineren Portionen auf verschiedene Projekte und Organisationen verteilt. Das CCCC habe man auch deshalb ausgewählt, weil es ganz gut sei, „auch mal einen Leuchtturm mit an Bord zu haben“, so Kohler. 

Hauptkategorien: Berlin , Medizin
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