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01.03.2021

Bundestag: Experten warnen vor den Gefahren von Sepsis

Bei einem Fachgespräch im Gesundheitsausschuss des Bundestags haben Gesundheitsexperten vor den Gefahren der Sepsis – allgemein auch als „Blutvergiftung bekannt“ – gewarnt. Sie fordern eine verstärkte Aufklärung von Bevölkerung und medizinischem Personal.
Blutvergiftung

Sepsis fordert jedes Jahr Zigtausende an Todesopfern und ist dennoch weitgehend unbekannt. Experten fordern daher ein Umdenken.

Viele Todesfälle durch Sepsis ließen sich mit gezielter Prävention und mehr Wissen über die Erkrankung verhindern – darin waren sich die Fachleute, die am vergangenen Mittwoch in einem Expertengespräch im Gesundheitsausschuss des Bundestages befragt wurden, einig. Dr. Ruth Hecker vom Aktionsbündnis Patientensicherheit (APS) sagte, durch bessere Aufklärung ließen sich viele Leben retten. Sie verwies dabei unter anderem auf die kürzlich gestartete Kampagne „Deutschland erkennt Sepsis“, die von zahlreichen Partnern unterstützt wird und das Wissen um Sepsis in der Bevölkerung verbreiten soll.

Das APS habe zudem Handlungsempfehlungen entwickelt, die an Patienten und Angehörige, Gesundheitsberufe und Entscheider etwa im Krankenhaus gerichtet seien, so Hecker. Das fehlende Wissen sei der eigentliche Kern des Problems, so die APS-Vorsitzende.

G-BA sieht Handlungsbedarf

Handlungsbedarf beim Thema Sepsis sieht auch Prof. Dr. Josef Hecken vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA), dem ranghöchsten Gremium der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen. Pro Jahr gebe es mehr als 300.000 Sepsisfälle in Deutschland, davon 140.000 schwere Fälle oder septische Schockfälle. Die Mortalität liege im Schnitt bei über 25 Prozent, bei schwerer Sepsis und Schock sogar bei knapp 50 Prozent. Schätzungsweise rund 30 Prozent der Todesfälle wären vermeidbar. Als Problem benannte Hecken nosokomiale Infektionen (Krankenhausinfekte). Daher ziele der G-BA auf ein besseres Hygienemanagement und die Verhinderung der Verbreitung multiresistenter Keime.

 

Sepsis-Stiftung: Die meisten Sepsisfälle entstehen außerhalb des Krankenhauses

Der Vorsitzende der Sepsis-Stiftung, Prof. Dr. Konrad Reinhart, forderte ein Umdenken, um tragische Erkrankungsfälle auch etwa bei Kindern zu verhindern. Er betonte, Sepsis sei eine zeitkritische Krankheit, die wie ein Notfall behandelt werden müsse.

Die meisten Sepsisfälle entstehen nicht im Krankenhaus. Gerade deswegen ist die Aufklärung der Bevölkerung so wichtig, wie die Sepsis-Stiftung betont. Da sich die Überlebenschancen bei einer unbehandelten Sepsis stündlich verschlechtern, ist schnelles Handeln essenziell.

Sepsis: Überreaktion des Immunsystem schädigt die Organe

Eine Sepsis kann durch Bakterien, aber auch durch Viren, Pilze oder Parasiten ausgelöst werden. Sie entsteht, wenn der Körper die ursprünglich lokale Infektion nicht mehr in Schach halten kann und die Erreger in die Blutbahn geraten. Die Sepsis besteht in der darauffolgenden Überreaktion des Immunsystems, in deren Verlauf es auch zur Schädigung der eigenen Organe kommt. Die eigentliche Bedrohung ist also nicht die Infektion, sondern die gegen die eigenen Organe gerichtete Abwehrreaktion darauf. Unbehandelt verläuft eine Sepsis fast immer tödlich.

Foto: Adobe Stock / MclittleStock

Autor: anvo
Hauptkategorien: Medizin , Gesundheitspolitik
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