. Drogenverbot

Bundesregierung verbietet Designerdrogen

Sogenannte Designerdrogen wie „Extreme Summer“, „Fly Cherry“ oder „Lava Red“ sollen zukünftig verboten werden. Damit sagt die Bundesregierung den neuen Drogen den Kampf an. Das Kabinett hat die entsprechende Verordnung auf den Weg gebracht. Nun muss der Bundesrat noch zustimmen.
Designerdrogen

Bundesregierung sagt Designerdrogen den Kampf an

Bisher war es schwierig, die sogenannten Designerdrogen zu verbieten. Da sie immer wieder chemisch leicht abgewandelt werden und damit als neuer Stoff gelten, greifen frühere Verbote für andere Substanzen bei ihnen nicht, obwohl sie ähnlich wirken wie beispielsweise Cannabis oder Ecstasy. Wie die Bundesregierung vergangene Woche mitteilte, sind Suchtpotential und Gesundheitsgefahren vergleichbar mit bisher schon verbotenen chemischen Verbindungen.

Jetzt hat das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) beschlossen, 26 der psychoaktiven Substanzen in das Betäubungsmittelgesetz (BtMG) aufzunehmen. Damit sind die Designerdrogen nicht mehr frei verkäuflich. Verstöße gegen das BtMG werden mit zum Teil hohen Freiheitsstrafen geahndet. „Ziel ist es, den Missbrauch dieser Stoffe einzudämmen, die Gesundheit Einzelner und der Bevölkerung zu schützen und die Strafverfolgung zu erleichtern“, so das Ministerium.

Designerdrogen als „Badesalze“ verkauft

Designerdrogen werden oft als „Kräutermischungen“ oder „Badesalze“ über das Internet verkauft und sind somit bisher leicht zugänglich gewesen. Wie aus dem kürzlich veröffentlichten Drogenbericht der Bundesregierung hervorgeht, ist ihr Umsatz in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Auch ist auf dem Drogenmarkt eine Verschiebung von „herkömmlichen“ Drogen wie Heroin oder Kokain hin zu den neuen, in Laboren hergestellten Substanzen zu verzeichnen.

Der Konsum neuer psychoaktiver Substanzen ist mit unkalkulierbaren gesundheitlichen Risiken verbunden, wie es in einer Pressemitteilung des BMG heißt. Am häufigsten werden sie von jungen Männern konsumiert. Die Stoffe können verschiedene Wirkung haben, sind zum Teil dämpfend, zum Teil anregend, sollen aber bis zu 200-mal stärker wirken als beispielsweise Cannabis. Auch weiß der Konsument in der Regel nicht, wie viel von den Drogensubstanzen auf die getrockneten Kräuter geträufelt worden sind, die als Basis dienen.

Bundesrat muss Verbot zustimmen

Ein weiteres großes Problem ist auch, dass die Einnahme der Designerdrogen nicht mit herkömmlichen Drogentests nachweisbar ist. Mit der Substanz "Spice" waren die neuen Drogen schon vor Jahren in den Blick einer breiteren Öffentlichkeit geraten. "Spice" war zum Beduften von Räumen verkauft worden. Entgegen den Empfehlungen auf der Packung wurde es aber geraucht. Die erstmals in England aufgetauchte Kräutermischung war in Drei-Gramm-Tütchen zum Preis von 30 Euro angeboten worden.

Damit das neue Verbot in Kraft tritt, muss der Bundesrat noch zustimmen. Es wird aber damit gerechnet, dass das Gesetz den Bundesrat passiert. Die Polizeigewerkschaft GdP zeigt sich gegenüber der neuen Verordnung allerdings skeptisch. Sie hält international abgestimmte Strategien für wesentlich effizienter im Kampf gegen die Zunahme der Drogenkriminalität.

© Alexander Raths - Fotolia.com

Autor:
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin

Weitere Nachrichten zum Thema Drogen

| Forscher haben herausgefunden, warum LSD-Trips so lange anhalten. Das LSD-Molekül wird von seinem Rezeptor im Gehirn quasi festgehalten und wirkt dadurch länger, als es im Blut nachweisbar ist.

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Wer regelmäßig Sport treibt, wird seltener krank und kann den Alterungsprozess in einigen körperlichen Bereichen um zehn Jahre zurückdrehen. Das zeigt eine aktuelle Auswertung der Langzeitstudie „Gesundheit zum Mitmachen“.
Die (hATTR) Amyloidose ist eine seltene Erbkrankheit mit einer geringen Lebenserwartung. Hoffnung macht jetzt ein neues Medikament, das bereits die klinischen Phase III erfolgreich absolviert hat. Die Zulassung könnte schon nächstes Jahr erfolgen.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Kliniken
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Die Blutvergiftung, fachsprachlich „Sepsis“, ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Und sie gilt als die am häufigsten vermeidbare. Gesundheitsstadt Berlin hat anlässlich des Welt-Sepsis-Tags am 13. September mit Prof. Konrad Reinhart von der Universität Jena über das Thema gesprochen. Der Vorsitzende der deutschen Sepsis-Stiftung vertritt die These: Die tatsächliche Zahl der Sepsis-Fälle ist doppelt so hoch wie die der registrierten.
Kinder suchtkranker Eltern sind besonderen Belastungen ausgesetzt und haben ein hohes Risiko, später selbst eine Sucht oder andere psychische Erkrankungen zu entwickeln. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Marlene Mortler über die Situation betroffener Kinder und die Notwendigkeit von Unterstützungsangeboten gesprochen.
Die Berichterstattung über Methadon als Krebsmittel weckt große Hoffnungen. Doch wie sieht eigentlich die rechtliche Seite aus, wenn Ärzte ein Medikament außerhalb des Zulassungsbereichs (Off-Label) verschreiben? Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Medizinrechtler Prof. Dr. Christian Dierks gesprochen, welche Risiken Ärzte eingehen und ob Patienten einen Anspruch auf einen individuellen Heilversuch mit Methadon haben.