. Hermann Gröhe auf dem Hauptstadtkongress 2014

Bundesgesundheitsminister: Mehr Qualität und weniger Ärztemangel

Von der ländlichen Versorgung über den Ärztemangel und die elektronische Gesundheitskarte bis hin zu Verbesserungen in der Pflege: Auf dem Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit gab sich Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe hemdsärmlig.
Hermann Gröhe auf dem Hauptstadtkongress 2014

Gröhe auf dem Hauptstadtkongress: Der Bundesgesundheitsminister arbeitet

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe hat sich viel vorgenommen. Was alles auf seiner politischen Agenda steht, fasste er am Mittwoch beim Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit in Berlin zusammen. Druck will der Minister vor allem bei der Versorgung in ländlichen Regionen machen. Dem sich abzeichnenden Ärztemangel auf dem Land will er durch verschiedene Anreizmodelle für Ärzte entgegenwirken. MVZ sollten auch von Kommunen betrieben werden können, damit junge Ärzte zunächst im Angestelltenverhältnis arbeiten könnten. „Junge Mediziner wollen heute Beruf und Familie in Einklang bringen, diesen Wunsch müssen wir Ernst nehmen“, sagte Gröhe. Den mit dem Landärztegesetz in der letzten Wahlperiode eingeschlagenen Weg müsse man konsequent weitergehen – dazu gehörten etwa die Aufhebung der Residenzpflicht und Vergütungsanreize für eine Niederlassung in unterversorgten Regionen.

Sektorengrenzen aufbrechen

Die Sektorengrenzen zwischen ambulant und stationär will der Minister künftig stärker aufbrechen und dazu auch den jüngsten Bericht des Sachverständigenrates genau studieren. So will er etwa die Möglichkeiten der medizinischen Versorgungszentren auf stationäre Behandlungsformen in Regionen ohne Klinikversorgung erweitern. Umgekehrt sollten Kliniken in unterversorgten Regionen  verstärkt ambulant behandeln dürfen. Außerdem will der Minister prüfen, welche ärztlichen Tätigkeiten an qualifiziertes Pflegepersonal oder Praxishelfer delegiert werden könnten. Um mehr Medizinstudenten für Allgemeinmedizin zu begeistern, soll nach den Vorstellungen des Ministers bis 2020 an jeder medizinischen Fakultät ein entsprechender Lehrstuhl vorhanden sein.

 

E-Health weiter ausbauen

Noch im Laufe des Jahres 2014 will Gröhe einen Entwurf für ein E-Health-Gesetz vorlegen. „Mit dem Gesetz möchten wir die gesetzlichen Rahmenbedingungen für den Aufbau und die Nutzung der Telematikinfrastruktur weiter konkretisieren, um diesen Prozess zu beschleunigen“, sagte er bei seiner Eröffnungsrede auf dem Hauptstadtkongress. Nachdem alle gesetzlich Versicherten mit einer elektronischen Gesundheitskarte ausgestattet seien, gehe es nun darum, zügig Anwendungen zum Nutzen von Patienten und Patientinnen einzuführen. Gröhe will außerdem die Telematikinfrastruktur als zentrale Infrastruktur auch für weitere Anwendungen öffnen. „Es geht im Kern darum, die vielen Inseln guter Kommunikationssysteme, die wir jetzt haben, nicht weiter voneinander abzuschotten, sondern interoperabel zu gestalten, damit sie sowohl den Arbeitsalltag der Leistungserbringer erleichtern als auch den Menschen unmittelbar nutzen“, betonte er.

Last but not least will Gröhe noch in diesem Jahr einen Entwurf des Präventionsgesetzes vorlegen. Und im nächsten Jahr soll mit dem Aufbau eine Qualitätsinstituts begonnen werden. Überdies versprach er einen massiven Bürokratieabbau in der Pflege und insgesamt fünf Milliarden mehr für den Pflegebereich. Das Fazit seiner Rede, zog der Minister selbst. „Der Bundesgesundheitsminister gibt Gas.“ Ob er seine guten Vorsätze auch wahrmachen kann, muss er aber noch beweisen.

Hauptkategorien: Berlin , Gesundheitspolitik , Pflege
 

Weitere Nachrichten zum Thema Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Mehr als 700 Tonnen Antibiotika werden in Deutschland pro Jahr an Tiere verfüttert. Über das Düngen mit Gülle gelangen die Medikamente dann in die Böden. Biogasanlagen können das offenbar nicht verhindern, wie eine aktuelle Untersuchung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) zeigt.
Seit Monaten wird das neue Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) heftig diskutiert. Unter anderem steht die geplante Erhöhung der Mindestsprechzeiten bei niedergelassenen Ärzten in der Kritik. Das Bundesgesundheitsministerium will jedoch daran festhalten.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Interviews
Die akute Aortendissektion ist immer ein Notfall. Einer Studie zufolge könnte vielen Menschen das Leben gerettet werden, wenn sie rechtzeitig und adäquat behandelt werden würden. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Dr. Stephan Kurz vom Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB) über die Versorgungssituation und das erfolgreiche Projekt „Aortentelefon“ gesprochen.