. eHealth Conference: Streit um elektronische Gesundheitskarte

Bundesgesundheitsminister fordert Ausbau von eHealth und Telemedizin

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) wirbt dafür, telemedizinische Anwendungen und eHealth-Projekte auszubauen. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) wirft den Krankenkassen Versäumnisse bei der elektronischen Gesundheitskarte (eCard) vor.
Kassenärztliche Bundesvereinigung und GKV-Spitzenverband streiten erneut um eCard

Die elektronische Gesundheitskarte sorgt für neuen Streit

Die KBV kritisiert, dass rund sechs Millionen Versicherte noch immer nicht mit der elektronischen Gesundheitskarte ausgestattet seien. „Machen Sie endlich Ihre Hausaufgaben“, forderte KVB-Chef Andreas Gassen die Krankenkassen-Vorstände auf.

Rund sechs Millionen Versicherte ohne eCard

Laut KBV haben derzeit 91 Prozent der Versicherten die eCard erhalten. „Das ist mitnichten eine flächendeckende Ausstattung“, so Gassen. Der Gesetzgeber habe die Kassen zwingen müssen, die eCard zu verteilen. „Bis heute haben es die Krankenkassen nicht geschafft, diesen Gesetzesauftrag zu erfüllen. Vor diesem Hintergrund ist es anmaßend von den Kassenfunktionären, eine endgültige Ablösung der alten Krankenversichertenkarte (KVK) zum 30. September 2014 zu fordern“, so der KVB-Chef weiter. Er forderte zudem, dass die eCard nicht allein zur elektronischen Verwaltung der Versichertenstammdaten bei den Krankenkassen dienen dürfe, sondern zugleich Ärzten und Patienten nutzen müsse. „Wir brauchen Nutzanwendungen. Nur so wird die Technik von Niedergelassenen und Versicherten akzeptiert werden“, so Gassen.

Der Spitzenverband der Krankenkassen wies die Vorwürfe zurück. „Die Pressemitteilung der KBV macht deutlich, wer der konstruktive und wer der destruktive Akteur beim Thema elektronische Gesundheitskarte ist. Die Vorwürfe sind aus der Luft gegriffen“, so Florian Lanz, Sprecher des GKV-Spitzenverbandes.

Gröhe: Ausbau der eHealth nutzt Patienten

Indes zeigte sich Bundesgesundheitsminister Gröhe bei der eHealth Conference 2014 in Hamburg überzeugt, dass ein Ausbau der eHealth-Anwendungen dem Patienten nutzen wird. „Wir müssen die Chancen, die eHealth für eine bessere Qualität der Versorgung bietet, noch stärker nutzen“, forderte er. Es gebe schon heute gute Beispiele dafür, wie die Telemedizin die Versorgung von Patienten verbessern könne. Der Bundesgesundheitsminister verwies auf die Behandlung nach einem Schlaganfall oder die medizinische Begleitung chronisch kranker Menschen. Sein Ziel: „Wie ein Straßennetz soll die Telematikinfrastruktur die Beteiligten im Gesundheitswesen verbinden, damit die medizinischen Informationen, die für eine Behandlung wichtig sind, schnell, sicher und unbürokratisch ausgetauscht werden können. Das nutzt in erster Linie den Patienten.“ Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) geht zudem davon aus, dass moderne Informationstechnologie und Vernetzung den bürokratischen Aufwand im Gesundheitswesen deutlich reduzieren können.

Mit der jährlichen eHealth Conference wollen Bund, Länder und die Gesellschaft für Versicherungswissenschaft und –gestaltung (GVG) die Einführung von eHealth und Telemedizin in die Regelversorgung vorantreiben. eHealth-Leistungen werden bisher nur im Rahmen von Projekten mit Sonderfinanzierung angeboten und finanziert.

Ausbau der Telemedizin

Telemedizin gewinnt vor allem in den Regionen an Bedeutung, die schon jetzt stark vom Bevölkerungsrückgang betroffen sind. So gibt es in Brandenburg unter anderem ein weit fortgeschrittenes Telemedizin-Projekt zur Behandlung von Herzinsuffizienz in Zusammenarbeit mit der Charité. Ziel der eHealth-Konferenz ist es, die Erfahrungen aus solchen Projekten besser nutzbar zu machen.

Foto: Denis Junker - Fotolia.com

Hauptkategorie: Gesundheitspolitik

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