. Fernbehandlungen / Werbung für Abtreibungen / Notfallversorgung

Bundesärztekammer positioniert sich vor Ärztetag

Die Bundesärztekammer will über das Fernbehandlungsverbot der Ärzte diskutieren. Wenig Änderungsbedarf sieht sie dagegen bei der Strafbarkeit von Werbung für Abtreibungen.
Bundesärztekammer diskutiert Werbeverbot für Abtreibungen und Fernbehandlungsverbot

Im Haus der Bundesärztekammer laufen die Vorbereitungen für den Deutschen Ärztetag.

Wegen des Verstoßes gegen §219a Strafgesetzbuch, der Werbung für Schwangerschaftsabbrüche unter Strafe stellt, ist kürzlich eine Ärztin verurteilt worden. Zahlreiche Ärzteverbände und -organisationen haben sich daraufhin für eine Änderung des Paragrafen ausgesprochen. Tenor ihrer Forderungen: Die sachliche Information darüber, welche Ärzte solche Eingriffe vornehmen, muss eindeutig erlaubt sein. Auch die Hamburger Ärztekammer mit ihrem Vorsitzenden Professor Frank-Ulrich Montgomery, der zugleich Präsident der Bundesärztekammer ist, hat einstimmig für eine Änderung des Paragrafen gestimmt.

Im Vorfeld des Bundesärztetages positioniert sich nun die Bundesärztekammer. Der Vorstand der bundesweiten Organisation sieht laut Montgomery wenig Änderungsbedarf. Rechtssicherheit sei jedoch nötig, so der Ärztepräsident.

Ärzteliste soll sachliche Information über Abtreibungen ermöglichen

„Mit Sicherheit haben sich unsere Wahrnehmung und Möglichkeiten von Werbung seit 1992 erheblich verändert“, sagte Montgomery im Vorfeld des 121. Deutschen Ärztetags im Mai in Berlin. Die BÄK will nach seinen Angaben keine Änderung des Strafrechtsparagrafen 219a fordern. „Das müssen Juristen entscheiden“, sagte er.

Einen Vorschlag hat die Bundesärztekammer jedoch vorgelegt: Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung könnte eine Liste mit Abtreibungsärzten veröffentlichen. Eine solche Liste einer neutralen Stelle böte aus Sicht der BÄK auch den Ärzten Rechtssicherheit.

 

Videosprechstunde, Diagnose-App, etc.: Fernbehandlungen sollen geprüft werden

Auf den Prüfstand beim Ärztetag soll aber das Fernbehandlungsverbot für Ärzte. Die Berufsordnung erlaubt telefonische oder andere ärztliche Maßnahmen bislang nur, wenn zuvor ein persönlicher Patientenkontakt stattgefunden hat. „Das werden wir sicher weiter öffnen, schon im Interesse des Patientenschutzes“, sagte Montgomery.

Der BÄK-Präsident verwies drauf, dass immer mehr Firmen aus dem Ausland mit Fernbehandlungs-Apps auf den deutschen Markt drängen, bei denen kein deutscher Facharztstandard gewahrt ist und sieht die Ärzte in Deutschland in der Pflicht, sich dem internationalen Wettbewerb zu stellen. Statt einer Verweigerungshaltung setzt Montgomery auf konstruktive Regelungen. „Der Goldstandard ärztlichen Handelns ist und bleibt das persönliche Gespräch“, sagte er. Das müsse weiter gewahrt sein. Aber „Digitale Techniken sind ein wichtiges, unterstützendes Instrument.“

Auch die psychische Gesundheit und die Notfallversorgung werden den 121. Deutschen Ärztetag in Erfurt Mitte Mai beschäftigen. Montgomery appellierte an niedergelassene Ärzte und Krankenhäuser, ihren Streit um die Notfallversorgung beizulegen.

Foto: BÄK

Autor: Angela Mißlbeck
Hauptkategorie: Gesundheitspolitik
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Bundesärztekammer , Telemedizin , E-Health , Schwangerschaft , Notfallmedizin
 

Weitere Nachrichten zum Thema Fernbehandlungen 121. Deutscher Ärztetag

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Zu hoher Blutdruck ist der Hauptrisikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall. Doch viele Menschen kennen ihren Blutdruck nicht. Dabei ist Bluthochdruck leicht festzustellen und gut behandelbar.
Rotschimmelreis entsteht, wenn Reis mit einem Schimmelpilz fermentiert wird. Dabei entstehen neben dem roten Farbstoff Substanzen, die cholesterinsenkend wirken können und als Nahrungsergänzungsmitteln im Handel angeboten werden. Doch Achtung: Sie können so stark wirken wie Arzneimittel – ohne dass ihre Dosierung von Ärzten bestimmt und überwacht würde. Und sie haben genauso Nebenwirkungen.
 
 
. Interviews
Hitzewellen sind eine reale Gefahr für die Gesundheit und lassen die Mortalitätsrate ansteigen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem wissenschaftlichen Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Freiburg, Prof. Dr. Andreas Matzarakis, über Hitzewarnsysteme und die Auswirkungen von Hitzewellen auf unsere Gesundheit gesprochen.
Das Essen in deutschen Krankenhäusern hat keinen besonders guten Ruf. Dabei lässt sich mit wenig Mehraufwand viel erreichen. Der Internist und Ernährungsmediziner Prof. Dr. Christian Löser erklärt die medizinischen und ökomischen Effekte einer gesunden Ernährung im Krankenhaus.
Pflegekräfte sind in der Coronakrise wichtiger denn je und gleichzeitig besonders gefährdet. Das persönliche Engagement ist und bleibt dennoch hoch. Über Wertschätzung, Sicherheitsrisiken und die Gefahr der Selbstausbeutung in Pflegeberufen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Pflegeexperten Thomas Meißner gesprochen.